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Technik und Wissenschaft

El Niño treibt Pazifik-Stürme an und bremst den Atlantik

Ein extrem starkes El-Niño-Phänomen treibt im Pazifik eine Rekordzahl an Wirbelstürmen an, während im Atlantik seit Beginn der Saison im Juni bis Ende September kein einziger Hurrikan entstanden ist. Wissenschaftler führen diese gegensätzlichen Entwicklungen auf veränderte Windverhältnisse und Rekordwassertemperaturen zurück.

Der Pazifik bricht Rekorde bei Stürmen

Im östlichen und zentralen Pazifik verzeichnen die Meteorologen eine außergewöhnlich aktive Hurrikansaison. Bis Ende September zählten Experten im Pazifikbecken bereits 18 Hurrikane und insgesamt 41 benannte Stürme, wie aus Berichten hervorgeht. Die Wassertemperaturen in einer Schlüsselregion des zentral-östlichen Pazifiks übertreffen nach Angaben der Wetterbehörden sogar die Rekordwerte des starken El Niño aus dem Jahr 2015.

Die enorme Hitze im Ozean liefert den Stürmen reichlich Energie. Dies führt häufig zu einer schnellen Intensivierung, bei der Stürme innerhalb kürzester Zeit an Kraft gewinnen. So verstärkte sich beispielsweise der Sturm Polo vor der Pazifikküste Mexikos innerhalb von weniger als 24 Stunden von einem tropischen Sturm zu einem Hurrikan der höchsten Kategorie 5 mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 180 Meilen pro Stunde. In Hawaii sorgten zudem Stürme wie Lala, Lowell und der nahegelegene Hurrikan Nolo für heftige Regenfälle und Wind.

El Niño treibt Pazifik-Stürme an und bremst den Atlantik
Foto: bbc.co.uk

Der Atlantik bleibt ungewöhnlich ruhig

Während im Pazifik eine extreme Sturmaktivität herrscht, erlebt der Nordatlantik das genau entgegengesetzte Bild. Bis zum 25. September 2026 hat sich im Atlantik zum ersten Mal seit über einhundert Jahren kein einziger Hurrikan gebildet. Zwar traten sieben benannte Stürme auf, doch blieben diese allesamt auf dem Stadium schwächerer tropischer Stürme. Im gesamten Monat September bildete sich im Atlantik kein einziger Hurrikan – ein Zustand, den es nach Daten von Phil Klotzbach von der Colorado State University seit 1950 in den Jahren 1962, 1972 und 1994 erst dreimal gab.

Experten beschreiben das globale Wettergeschehen daher als eine geteilte Situation. Gabriel Vecchi, Professor für Geowissenschaften an der Princeton University, bezeichnete die Lage in einer Auswertung gegenüber Medien als eine „tale of two basins“.”

El Niño bremst Atlantik aus & heizt Pazifik ein

Zeke Hausfather, ein Klimaforscher bei der Forschungsgruppe Berkeley Earth, erklärte über die Situation: „Dieses Ereignis befindet sich bereits in Rekordgebieten.

Windscherspannungen durch das Klimaphänomen

Der Grund für die Ruhe im Atlantik liegt in den atmosphärischen Begleiterscheinungen von El Niño. Wenn sich das tropische Wasser im Pazifik erwärmt, verändert das die weltweiten Zirkulationsmuster. Im Nordatlantik führt dies zu einer Zunahme der vertikalen Windendscherung. Dabei wehen Höhenwinde mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten und aus wechselnden Richtungen, wodurch aufkommende Gewitter förmlich auseinandergerissen werden.

El Niño treibt Pazifik-Stürme an und bremst den Atlantik
Foto: nationalobserver.com

Brian McNoldy, ein senior research associate an der University of Miami, erklärte, dass El Niño die Windscherung über dem Atlantik erhöhe, was dazu führe, dass Stürme verhindert würden, sich zu bilden oder sich zu verstärken. „Hurricanes do not like that, sagte er. Zudem erzeugt das Phänomen, wie Forscher erklären, trockene, absinkende Luftmassen über der Region, die die für Hurrikane notwendige Luftfeuchtigkeit entziehen.

Ausblick auf die kommenden Monate

Das aktuelle El-Niño-Ereignis gilt als außergewöhnlich stark. Nach Berechnungen von Forschern liegt die Wassertemperatur im betroffenen Pazifikband mehr als 3 Grad Celsius über dem Normalwert. Modelle zeigen, dass das Phänomen seinen Höhepunkt voraussichtlich erst im November oder Dezember erreichen wird, wobei Spitzenwerte von bis zu 4 Grad Celsius über dem Normalwert im Raum stehen. Wissenschaftler wie Brian McNoldy gehen davon aus, dass dieser Zyklus möglicherweise der stärkste jemals gemessene El Niño werden könnte.

El Niño treibt Pazifik-Stürme an und bremst den Atlantik
Foto: mezha.net

Für die restliche atlantische Hurrikansaison bedeutet dies jedoch keine automatische Entwarnung für alle Regionen. Zwar bringt der Herbst traditionell noch einige Stürme hervor, die sich vermehrt in der Nähe der Vereinigten Staaten entwickeln – etwa im Golf von Mexiko, im Karibischen Meer sowie vor der südöstlichen Küste des Landes –, doch dämpfen die starken Winde weiterhin die Entwicklungschancen im Atlantik.

Historische Aufzeichnungen zeigen zudem, dass in den Jahren 1907 und 1914 ebenfalls keine atlantischen Hurrikane verzeichnet wurden, wenngleich damals noch keine Satelliten- und Flugzeugbeobachtungen zur Verfügung standen, weshalb einige Stürme unentdeckt geblieben sein könnten. Seit 1950 gab es jedoch keine einzige Saison ganz ohne Hurrikane; die geringsten Zahlen verzeichneten die Jahre 1982 und 2013 mit jeweils nur zwei Stürmen.

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Clara Vogt

Über den Autor

Clara Vogt verantwortet das Ressort Technik und Wissenschaft. Sie schreibt ueber KI, Digitalisierung, Forschung und Innovation und uebersetzt komplexe Entwicklungen in klaren, belastbaren Journalismus.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.