Nach dem abrupten Ende der saudi-arabischen Finanzierung hat LIV Golf am Dienstag in den USA Gläubigerschutz nach Chapter 11 beantragt. Die Golfliga verzeichnet Schulden von bis zu einer Milliarde US-Dollar und schuldet Spitzenprofis wie Jon Rahm sowie prominenten Content Creators Millionenbeträge, will den Betrieb jedoch mit frischem BC-Partners-Kapital und neuen Eigentümerstrukturen fortführen.
Insolvenz und Schuldenlast nach dem Rückzug des Public Investment Fund
Die von Saudi-Arabiens staatlichem Fonds finanzierte Breakaway-Golfserie hat am Dienstag Chapter 11-Gläubigerschutz beantragt. Laut den Unterlagen beim U.S. Bankruptcy Court for the District of New Jersey türmen sich Verbindlichkeiten zwischen 500 Millionen und einer Milliarde Dollar auf, während die geschätzten Vermögenswerte bei höchstens 500 Millionen Dollar liegen. Der Schritt kam nicht gänzlich unerwartet, nachdem der Public Investment Fund (PIF) seine finanzielle Unterstützung nach dem Ende der Saison 2026 abrupt eingestellt hatte.
Die Insolvenzanmeldung legt offen, wie tief die finanzielle Krise des Projekts ist. Bevor der saudi-arabische Fonds den Geldhahn zudrehte, hatte die Liga bereits mehr als fünf Milliarden US-Dollar ausgegeben. Das späte Saisonende im August in Indiana wurde von Gerichtsverfahren mehrerer nicht bezahlter Dienstleister begleitet, die vor dem Gang zum Insolvenzgericht Klagen eingereicht hatten.
Jon Rahm, Bryson DeChambeau und Rick Shiels auf der Gläubigerliste
Unter den größten ungesicherten Gläubigern finden sich zahlreiche namhafte Spieler sowie geschäftliche Partner. Von den Top-30-Gläubigern in den Gerichtsakten sind 14 Spieler. Angeführt wird die Liste von Jon Rahm, der laut den Dokumenten fast 7,5 Millionen US-Dollar fordert. Dahinter folgen Bryson DeChambeau mit rund 5,7 Millionen Dollar, Dustin Johnson mit 5,5 Millionen Dollar, Cameron Smith mit 4,8 Millionen Dollar, Adrian Meronk mit 4,4 Millionen Dollar und Tyrrell Hatton mit 3,4 Millionen Dollar. Die Liga bestreitet allerdings die Forderungen von DeChambeau und Johnson.
Doch nicht nur Sportler stehen auf der Liste der offenen Posten. Rick Shiels Media, die Firma des britischen YouTube-Golfers Rick Shiels, wird in den Unterlagen mit ungesicherten Schulden in Höhe von 1,4 Millionen US-Dollar geführt. Shiels war im Januar 2025 als Botschafter zu der Turnierserie gestoßen, was ihm nach früheren kritischen Äußerungen heftige Kritik und Tausende verlorene Abonnenten eingebracht hatte.
Gleichzeitig hat der Konkursantrag weitreichende arbeitsrechtliche Folgen für die Profis. Wie Berichte bestätigen, werden durch den Chapter-11-Antrag die bestehenden Mehrjahres-Spielerverträge automatisch ungültig. Damit sind die Top-Golfer rechtlich gesehen von ihren früheren Exklusivitätsverpflichtungen befreit und agieren im Wesentlichen als freie Agenten, während ihre offenen Forderungen über das Insolvenzgericht abgewickelt werden.
Finanzspritze vom PIF und Pläne für LIV Golf 2.0 mit BC Partners
Der saudi-arabische Staatsfonds zieht sich indessen nicht gänzlich ohne Übergangshebel zurück. Um den Spielbetrieb während des Umstrukturierungsverfahrens aufrechtzuerhalten, hat der PIF ein Kreditpaket in Höhe von 49,6 Millionen US-Dollar als sogenannte Debtor-in-Possession-Finanzierung zugesagt, die noch von Gericht genehmigt werden muss.

Als Sanierungsberater wurde David Orlofsky von AlixPartners als Chief Restructuring Officer eingesetzt, um die finanzielle Kontrolle zu übernehmen. Für die Zeit nach dem Insolvenzverfahren hat sich LIV Golf mit der britischen Private-Equity-Gesellschaft BC Partners Credit auf eine Restrukturierungsvereinbarung verständigt, die den Weg für ein Comeback als „LIV Golf 2.0im Jahr 2027 ebnen soll.
Scott O’Neil, CEO von LIV Golf, erklärte, dieser Prozess gebe ihnen die Struktur und die Zeit, um eine wegweisende Transaktion zu verfolgen und das nächste Kapitel von LIV Golf zu beginnen.
Das Konzept für die Zukunft sieht vor, dass die Spieler als Mehrheitseigner in ein verändertes Modell eingebunden werden. Laut CEO Scott O’Neil soll das Teilnehmerfeld von 57 auf 75 Spieler erweitert und erstmals ein Cut nach 54 Löchern eingeführt werden, ergänzt durch Montagsqualifikationen. Ob die Profis dieses neue Modell jedoch annehmen oder nach dem Wegfall ihrer Exklusivitätsverträge zu etablierten Touren wie der PGA Tour zurückkehren, bleibt eine der zentralen Fragen für die Zukunft des professionellen Golfsports.
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