Die Schweizer Frauen-Nationalmannschaft steht nach einem 7:3-Sieg im Hinspiel kurz vor dem Einzug in die zweite Runde der WM-Playoffs gegen Israel. Das Rückspiel am 13. Oktober 2026 in Sion wird jedoch von politischen Spannungen, Boykottaufrufen und strengen Sicherheitsvorkehrungen überschattet, während die Nati auf die WM 2027 in Brasilien zusteuert.
Die Schweizerinnen haben im ersten Aufeinandertreffen gegen die Außenseiterinnen aus Israel einen deutlichen Erfolg errungen. Mit dem 7:3-Sieg im Hinspiel ist der Weg in die nächste Qualifikationsrunde für das Team von Trainer Rafel Navarro nahezu geebnet. Sollte die Schweiz die erste Runde überstehen, folgt Ende des Jahres ein weiteres Duell gegen Österreich oder den Kosovo um einen Platz in der Gruppenphase der Weltmeisterschaft 2027 in Brasilien, die vom 24. Juni bis 25. Juli 2027 stattfindet.
Boykottaufrufe und politische Proteste gegen das Israel-Duell
Trotz des sportlichen Vorsprungs ist die Atmosphäre rund um die Begegnungen aufgeladen. In der vergangenen Woche forderte die ehemalige Nationalspielerin Noa Schärz per E-Mail beim Schweizerischen Fussballverband (SFV), die Playoff-Spiele gegen Israel zu boykottieren. Die aktuellen Spielerinnen Coumba Sow und Lourdes Romero zeigten ihre Unterstützung für diesen Aufruf durch Likes in den sozialen Medien.

Ein vollständiger Boykott blieb aus, doch die Mannschaft setzte am vergangenen Donnerstag ein Zeichen in Form einer Schweigeminute für die Opfer aktueller Konflikte, wobei weder Israel noch Palästina namentlich erwähnt wurden. Die beiden Nicht-Fussballerinnen, die keine Verbindung zum SFV haben, fordern darin: «Kein Frauenfussball mit Israel – Genozid darf nicht normalisiert werden». In der Petition wird zudem von einem «fragwürdigen Zeichen» gesprochen, das der Schweizerische Fussballverband setze.
Innerhalb des Teams versucht Trainer Rafel Navarro, die Situation zu managen. Auf die Frage von blue Sport zu den Protesten beim Spiel zwischen Irland und Israel antwortete Navarro: «Natürlich weiss ich, was bei dem von dir angesprochenen Spiel passiert ist». Er betonte jedoch: «Ich denke, wir können das gut separieren und uns auf das Spiel fokussieren» und fügte hinzu, dass man im Moment nur über Fussball spreche. Auch wenn er die Meinung der Spielerinnen als sehr wichtig erachtet, forderte Nati-Verteidigerin Viola Calligaris im Vorfeld, dass man «dennoch fokussiert bleiben» müsse.
Der SFV bestätigte auf Anfrage, dass man sich der intensiven öffentlichen Debatte bei Spielen gegen Israel bewusst sei. Der Verband erklärte, dass man deshalb frühzeitig das Gespräch suche, die besondere Situation thematisiere und Raum für Fragen sowie persönliche Sichtweisen gebe.
Sicherheitsvorkehrungen und das Verbot palästinensischer Fahnen in Sion
Für das Rückspiel im Stade de Tourbillon in Sion gelten strikte Vorgaben. Der SFV kommunizierte, dass nur die Fahnen der teilnehmenden Teams zugelassen sind. Palästinensische Flaggen sollten somit nicht im Stadion erscheinen. Der Verband schrieb, dass eine solche Fahne entfernt werde bzw. man mit einer solchen vermutlich gar nicht in das Stadion gelange. Trotz dieser Ankündigung und Stichkontrollen an den Eingängen berichtete ein Medium, dass während der israelischen Hymne ein Fan eine solche Fahne präsentierte, ohne dass die Sicherheitskräfte eingriffen. Am Ende konnte er sich ungestört wieder an seinen Platz setzen.
Es bleibt jedoch eine Besonderheit des israelischen Sports, dass das Land seine Athleten im Ausland oft mit eigenen Sicherheitskräften schützt. Die Schweizer Behörden hüllen sich hierzu in Schweigen.

Internationale Vorbilder: die Proteste Irlands
Die politische Brisanz spiegelt sich auch in anderen Begegnungen wider. Am vergangenen Sonntag gewann die irische Männer-Nationalmannschaft in dem ungarischen Debrecen mit 3:0 gegen Israel. Die irischen Spieler nutzten dieses Nations-League-Spiel für Protestaktionen, «um all derer zu gedenken, die im Gaza-Konflikt ihr Leben verloren haben». Dabei trugen die Spieler schwarze Armbinden und hielten während der israelischen Hymne die Köpfe gesenkt. Zudem verzichteten sie sowohl vor als auch nach der Partie auf ein Abklatschen.
Der Weg der Nati: von Mezökövesd nach Sion
Der Turnierplan für die erste Playoff-Runde war eng getaktet. Die Nationalmannschaft startete ihren Weg am 5. Oktober mit dem Zusammenzug auf dem GC-Campus in Niederhasli, wo am Abend des Einrückens bereits die erste Einheit auf dem Platz stattfand. Bis zum Abflug folgten täglich zwei Trainingseinheiten. Am 8. Oktober fanden die Medienkonferenz vor dem Hinspiel und der Abflug nach Budapest statt. Das Hinspiel am 9. Oktober wurde in der ungarischen Kleinstadt Mezökövesd ausgetragen, die etwa 90 Autominuten bzw. anderthalb Fahrstunden von der Metropole entfernt liegt.

- 5. Oktober: Zusammenzug und erste Trainingseinheit.
- 8. Oktober: Medienkonferenz vor dem Hinspiel und Abflug nach Budapest.
- 9. Oktober: Hinspiel Israel gegen Schweiz in Mezökövesd (Anpfiff 18:30 Uhr, Ergebnis 3:7).
- 10. Oktober: Rückflug nach Sitten.
- 12. Oktober: Medienkonferenz vor dem Rückspiel.
- 13. Oktober: Rückspiel Schweiz gegen Israel in Sion (Anpfiff 19:30 Uhr).
Nach dem Hinspiel kehrte der Tross zurück in die Schweiz. In Sitten standen in der Zeit zwischen den beiden Partien weitere Trainingseinheiten sowie mediale Verpflichtungen an. Während die sportliche Führung versucht, die politische Brisanz auszublenden, bleibt die Frage offen, inwiefern die bewaffneten Sicherheitskräfte des Shin Bet auch beim Spiel in Sion zum Einsatz kamen, da die Schweizer Behörden hierzu schweigen.
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