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Welt

Streit bei CBS News: Bari Weiss und Lesley Stahl über Bericht aneinandergeraten

Die CBS-News-Chefin Bari Weiss geriet laut Medienberichten in einen heftigen Streit mit der legendären 60-Minutes-Korrespondentin Lesley Stahl über einen Bericht über gewalttätige israelische Siedler. Stahl soll aufgrund der massiven redaktionellen Eingriffe von Weiss privat über einen Rücktritt nachgedacht haben, bevor der Beitrag am 11. Oktober 2026 schließlich ausgestrahlt wurde.

Ein interner Konflikt bei CBS News hat die Beziehung zwischen der Führungsebene und einer ihrer erfahrensten Reporterinnen auf die Probe gestellt. Im Zentrum steht ein Segment mit dem Titel Lost Sheep, das die gewaltsamen Vertreibungen von Palästinensern aus dem Westjordanland durch militante Siedler thematisiert. Laut Berichten des Newsletters Status führte der redaktionelle Prozess zu einer Atmosphäre, die so aufgeheizt war, dass die Ausstrahlung des Beitrags bis kurz vor dem Termin ungewiss blieb. Der Bericht wurde von Shachar Bar-On produziert, der bereits an mehr als 80 Berichten, Untersuchungen und Interviews mit Stahl für das Programm gearbeitet hat.

Die Eskalation bei den Screenings mit Bari Weiss

Während Stahl zunächst nur leichte Anmerkungen erhalten hatte, wurde Weiss laut Insiderberichten „sehr, sehr aktiv“ (very, very hands-on). Die Einwände der Chefredakteurin waren dabei nicht auf einzelne Fakten beschränkt, sondern umfassender Natur.”

Leslie Stahl, Bari Wiess
Foto: Thedailybeast

Besonders brisant war ein Vorschlag von Charles Forelle, den Beitrag auf einen späteren Zeitpunkt zu verschieben, um der Führung mehr Zeit für ihr Feedback zu geben. Stahl wehrte sich laut Status dagegen und forderte, die Kritikpunkte direkt im Meeting mit der anwesenden Führungsebene zu klären. Dieser aggressive Schlagabtausch führte dazu, dass die 84-jährige Stahl, die seit 1991 für das Magazin arbeitet, privat die Möglichkeit eines Ausstiegs in Erwägung zog. Laut Oliver Darcy von Status hat Stahl die Führungsebene jedoch nie mit einem formalen Rücktritt bedroht.

„Sie wussten nicht, ob es ausgestrahlt werden würde, weil die Sichtungen so hitzig wurden.

Anonyme Quelle, via Status

Die Spannungen spiegelten sich in der Logistik wider: Die Programmlisten, die normalerweise freitags erscheinen, wurden erst am Sonntagmorgen veröffentlicht. Die Arbeit am Beitrag zog sich bis in den Samstag hinein.

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CBS News weist Vorwürfe als „ludicrous“ zurück

Der Sender CBS News bestreitet die Darstellung der Ereignisse vehement. Ein Sprecher bezeichnete die Berichte über den beinahe erfolgten Rücktritt Stahls als „lächerliche, verdrehte Erzählung“ (ludicrous, twisted narrative). Der Sender betonte, dass alle Beiträge von 60 Minutes einen strengen redaktionellen Prozess durchlaufen und dieser spezifische Bericht sogar weniger Änderungen erfahren habe als die meisten anderen Stücke.”

Eine alternative Sichtweise, die gegenüber Mediaite geäußert wurde, führt die Spannungen auf das Timing zurück. Ein Insider gab an, dass das Segment der Führung erst am Donnerstagnachmittag vorgelegt wurde, wodurch ein extrem enges Zeitfenster bis zur Ausstrahlung am Sonntag entstand, um den Beitrag zu verfeinern.

Lesley Stahl Bari Weiss
Foto: Variety

Ein Muster redaktioneller Eingriffe unter Bari Weiss

Der Fall Stahl ist kein isoliertes Ereignis. Seit ihrer Ernennung zur Chefredakteurin im Oktober 2025 – nachdem Paramount Skydance ihr Medium The Free Press für 150 Millionen Dollar erworben hatte – steht Weiss wegen ihrer pro-israelischen und pro-Trump-Positionen in der Kritik.

  • El Salvador: Im Dezember 2025 hielt Weiss einen Bericht der Korrespondentin Sharyn Alfonsi über das CECOT-Gefängnis zurück, um der Trump-Administration mehr Zeit für eine Stellungnahme zu geben. Die Administration reagierte jedoch nicht, und Alfonsi bezeichnete dies als „politisch motivierte redaktionelle Einmischung“.
  • Gaza-Todeszahlen: Bei einem Bericht zum Jahrestag der Hamas-Angriffe vom 7. Oktober wurde die Korrespondentin Holly Williams laut Berichten von der aus Bari Weiss handverlesenen Auslandsredakteurin Shayndi Raice daran gehindert, die Todeszahlen in Gaza zu nennen. Williams war über die Bearbeitung frustriert und überlegte, ob sie langfristig bei CBS bleiben sollte.
  • Netanjahu-Interview: Im Mai gab Weiss dem israelischen Premierminister die Wahl zwischen Stahl und Major Garrett; Netanjahu entschied sich für Garrett, der nicht für 60 Minutes tätig ist.
  • Archäologie-Bericht: Im April gab es letzte Änderungen an einer Story über Ausgrabungen im Westjordanland, woraufhin ein Interviewpartner beklagte, er sei selektiv bearbeitet worden, um mich fälschlicherweise als jemanden darzustellen, der die jüdische Geschichte auslöscht.

Diese Dynamik hat bereits zu einem Abzug von Talenten geführt. Unter den Abgängigen befinden sich Anderson Cooper, der ehemalige Exekutivproduzent Bill Owens, die Produzentin Mary Walsh sowie die CBS Evening News Produzentin Alicia Hastey. Die Korrespondentin Sharyn Alfonsi verließ das Programm im Mai, nachdem ihr Vertrag ausgelaufen war.

Streit bei CBS News: Bari Weiss und Lesley Stahl über Bericht aneinandergeraten
Foto: The Independent

Interne Konflikte und personelle Veränderungen

Die Spannungen innerhalb der Redaktion waren bereits zuvor sichtbar. Der Korrespondent Scott Pelley wurde im Juni entlassen, nachdem er in einem Mitarbeitergespräch mit Weiss und Nick Bilton kollidiert war. Bilton, ein ehemaliger Tech-Kolumnist der New York Times und Mitwirkender bei Vanity Fair, wurde von CBS News zum neuen Exekutivproduzenten von 60 Minutes ernannt.

Ungelöste Fragen zur redaktionellen Unabhängigkeit

Trotz der Ausstrahlung des Beitrags bleibt unklar, welche spezifischen Änderungen Weiss letztlich durchsetzte oder ob sie mit dem Endprodukt zufrieden war. Während CBS News die Professionalität des Prozesses betont, sehen Kritiker in den Vorfällen einen Angriff auf die investigative Tradition von 60 Minutes.

Ein weiterer offener Punkt ist die aktuelle Stimmung innerhalb des Teams. Berichten zufolge trafen sich Stahl und die Korrespondenten Bill Whitaker und Jon Wertheim am Montag zu einem Gespräch, dessen Inhalt bisher nicht bekannt ist.

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Anna Richter

Über den Autor

Anna Richter leitet das Weltressort von Germanic Nachrichten. Sie berichtet ueber internationale Politik, Diplomatie und geopolitische Entwicklungen mit Fokus auf Kontext, Verlaesslichkeit und Relevanz fuer deutschsprachige Leser.

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