Die Schweizer Frauen-Nati trifft in den WM-Playoffs am 9. und 13. Oktober 2026 auf Israel. Während der Schweizerische Fussballverband einen möglichen Boykott durch Spielerinnen im Voraus akzeptieren würde, fordert Ex-Nationalspielerin Noa Schärz in einem offenen Brief ein deutliches Zeichen gegen die israelische Militärpräsenz.
Noa Schärz fordert Boykott und symbolische Gesten vom SFV
Wenige Tage vor dem anstehenden Playoff-Duell hat sich die ehemalige Schweizer Meisterin und Nationalspielerin Noa Schärz mit einem offenen Schreiben an den Schweizerischen Fussballverband gewandt. Schärz, die im Jahr 2025 überraschend nach dem Titelgewinn mit den YB Frauen zurückgetreten war, um persönliche Freiheit zu erlangen, schickte ihre Forderungen in einer langen E-Mail an den Verband und veröffentlichte diese auf Instagram.
Am liebsten sehe sie einen vollständigen Boykott der beiden Partien, schreibt die Ex-Internationale, um als Verband eine weltweite Inspiration zu setzen. Da ihr bewusst ist, dass die sportlichen Konsequenzen einer Nichtteilnahme an der Weltmeisterschaft und vertragliche Sponsoreninteressen einen solchen Schritt erschweren, schlug sie kleinere Alternativen vor. Dazu gehören ein Wassermelonen-Pin an den Einlaufjacken, ein Free-Palestine-Shirt zum Aufwärmen oder eine Schweigeminute vor dem Anpfiff.
Die Botschaft fand in Teamkreisen Beachtung. Mehrere aktuelle und ehemalige Spielerinnen wie die dritte Torhüterin Lourdes Romero, Mittelfeldspielerin Coumba Sow sowie die auf der Pikettliste geführte Meriame Terchoun likten den entsprechenden Beitrag auf Social Media.
SFV-Führung kündigt Aussprache mit dem Teamrat an
Der technische Direktor der Frauen-Nati, Johan Djourou, und Cheftrainer Rafel Navarro machten deutlich, dass man die Spielerinnen und deren Sichtweisen ernst nehme. Navarro betonte bei der Kaderbekanntgabe, dass man den Kontext kenne und die Meinungen der Spielerinnen einholen wolle, um der Thematik rechtzeitig Raum zu geben.
Sollte eine Spielerin moralische Bedenken haben und es nicht mit sich vereinbaren können, gegen das israelische Nationalteam aufzulaufen, würde der Verband einen Verzicht akzeptieren. Djourou erklärte, dass die Diskussionen offen geführt werden und die Priorität bei den Spielerinnen liege. Gleichzeitig stellte er klar, dass man trotz seiner eigenen Betroffenheit über den Krieg die israelischen Gegnerinnen respektieren müsse und der Sport im Vordergrund stehe.
Zu Beginn des russischen Angriffskriegs 2022 gegen die Ukraine hatte der SFV in der Vergangenheit bereits jegliche Partien gegen russische Teams boykottiert. Damals war ebenfalls die Frauen-Nati betroffen, da die Schweiz ihre erste Partie an der EM 2022 gegen Russland ausgetragen hätte, ehe sich die Diskussion durch den UEFA-Ausschluss erübrigte.
Internationale Spannungen und der neue Zeitplan für das Hinspiel
Die Begegnungen gegen Israel finden in einem hochemotionalen internationalen Umfeld statt. Zuletzt hatten Partien im Männerfussball zwischen Irland und Israel in der Nations League für schwere Eklats gesorgt, bei denen israelische Fans einen dunkelhäutigen Spieler der Iren mit Affenlauten bedeckten und ein Spieler im Rückspiel den irischen Athletik-Chef angespuckt haben soll.
Auch organisatorisch gibt es Änderungen. Das Hinspiel der Frauen-Playoffs findet am Freitag statt, da Israel seine Heimspiele wegen der Sicherheitslage im Ausland austragen muss. Auf Wunsch des israelischen Verbandes und in Abstimmung mit der UEFA wurde der Anpfiff im ungarischen Mezőkövesd um drei Stunden vorgezogen und findet nun um 15.30 Uhr statt. Das Rückspiel ist für den kommenden Dienstag in Sion angesetzt.
Johan Djourou bekräftigte in diesem Zusammenhang, dass der SFV jeder Spielerin zuhören werde und es keine Verbandsvorgaben gebe, sondern der Dialog im Vordergrund stehe.
Die Diskussionen um die Begegnungen gegen Israel verdeutlichen, wie stark geopolitische Konflikte den Sport und insbesondere den Frauenfussball gegenwärtig beeinflussen.
Während Noa Schärz und weitere Akteurinnen klare politische Haltungen einfordern, betonen Verbandsvertreter wie Djourou den Respekt vor den Spielerinnen und dem sportlichen Wettbewerb.
Ob es am Spieltag tatsächlich zu den von Schärz vorgeschlagenen Gesten oder zu weiteren Reaktionen kommen wird, bleibt angesichts der laufenden internen Gespräche abzuwarten.
Auch interessant