Zum Inhalt springen
Welt

EU führt neue Bearbeitungsgebühr für Pakete aus Drittstaaten ein

Die Europäische Union führt am 1. November 2026 eine neue Bearbeitungsgebühr von zwei Euro für Paketsendungen aus Drittstaaten ein. Die Abgabe gilt unabhängig von einem Freihandelsabkommen für Schweizer Onlineshops und betrifft primär Plattformen wie Shein oder Temu, die im vergangenen Jahr Milliarden Kleinsendungen abwickelten.

Zollreform der Europäischen Union und neue Gebühren für Schweizer Onlineshops

Ab dem 1. November 2026 verlangen die Zollbehörden der Europäischen Union bei der Einfuhr von Sendungen aus Drittländern eine zusätzliche Bearbeitungsgebühr von zwei Euro. Die EU führt am Sonntag eine Bearbeitungsgebühr auf Paketsendungen aus Drittstaaten ein, die laut den Meldungen vom 31. Oktober 2026 am 1. November beziehungsweise am Sonntag greift. Diese neue 2-Euro-Gebühr wird unabhängig von der kürzlich eingeführten 3-Euro-Abgabe auf Kleinsendungen erhoben. Während die ältere, im Juli eingeführte und bis Juli 2028 befristete Gebühr (die seit ihrer Einführung laut AFP zu einem Einbruch der Kleinsendungsimporte um 64% geführt hat) ausschliesslich Kleinsendungen unter 150 Euro betrifft, gilt die neue Regelung als Teil einer umfassenderen Zollreform der EU, die nächsten Monat in Kraft tritt. Schweizer Onlineshops sind von dieser Massnahme direkt betroffen.

Die EU begründet den Schritt mit dem massiven Anstieg des Onlinehandels. Gemäss Angaben der Europäischen Kommission wurden im Jahr 2025 knapp 5,9 Milliarden Kleinsendungen in die Gemeinschaft verschickt. Das entspricht einem täglichen Volumen von rund 16 Millionen Paketen, vor allem angetrieben durch chinesische Marktplätze wie Shein und Temu. Diese enorme Paketflut setzt die europäischen Zollbehörden stark unter Druck.

📦 New EU customs requirements come into effect on November 1

Verantwortlichkeit der Plattformen und Berechnung nach Produktkategorien

Bei der Umsetzung greift die EU direkt auf die Verursacher zu. Für die Entrichtung der Gebühr sowie die Erledigung der Zollformalitäten sind laut den Beschlüssen die beteiligten Handelsplattformen und nicht die Endverbraucher verantwortlich. Unternehmen, die gegen diese Vorschriften verstossen, müssen mit empfindlichen Sanktionen rechnen. Die EU droht bei Zuwiderhandlungen mit Geldbussen von bis zu sechs Prozent des jährlichen Einfuhrwerts der betroffenen Gesellschaft.

Interessant ist der Modus der Berechnung: Die Bearbeitungsgebühr wird pro Produktkategorie und nicht anhand der absoluten Stückzahl berechnet. Ein Paket mit 20 unterschiedlichen T-Shirts schlägt demnach mit zwei Euro zu Buche.

Einschätzungen zur Belastung der Schweizer Wirtschaft und Parallelen im Inland

Die Schweizerische Post weist auf ihrer Website darauf hin, dass die neuen Abgaben indépendamment de l’accord de libre-échange entre la Suisse et l’UE erhoben werden. Dennoch erwarten Branchenkenner keine flächendeckende Krise für den Schweizer Detailhandel.

Dennoch gibt es Ausnahmen. Zwar sagt Erny auch, dass die verfügbaren Schweizer Aussenhandelsstatistiken noch keine Rückschlüsse auf die Folgen der Zollabgabe von drei Euro für den Schweizer Detailhandel zulassen, und Brüssel weist ebenfalls darauf hin, dass es noch zu früh sei, um daraus Schlussfolgerungen zu ziehen.

EU führt neue Bearbeitungsgebühr für Pakete aus Drittstaaten ein
Foto: bluewin.ch

Die Gebühr wird auf alle Paketeinfuhren in die EU erhoben, und diese Massnahme ist Teil einer grösseren Zollreform der EU, die nächsten Monat in Kraft tritt.

Die seit dem Sommer geltende 3-Euro-Abgabe hat eine Laufzeit von zwei Jahren und soll im Juli 2028 auslaufen.

Teilen Facebook X WhatsApp E-Mail
Anna Richter

Über den Autor

Anna Richter leitet das Weltressort von Germanic Nachrichten. Sie berichtet ueber internationale Politik, Diplomatie und geopolitische Entwicklungen mit Fokus auf Kontext, Verlaesslichkeit und Relevanz fuer deutschsprachige Leser.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.