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Österreich führt neue Paketsteuer für Großversender ein

Österreich hat am 1. Oktober 2026 eine neue nationale Paketsteuer eingeführt, die Großversender mit einem Jahresumsatz von über 100 Millionen Euro mit zwei Euro pro Bestellung belastet und zu heftigen Wutausbrüchen bei Verbrauchern sowie juristischen Bedenken bei Unternehmen führt.

Paketsteuer bringt Millionen für den Staat

Die Einführung der umstrittenen Abgabe ist am Donnerstag, dem 1. Oktober 2026, erfolgt. Betroffen sind Online-Plattformen und Versandhändler, die im jeweils vorangegangenen Wirtschaftsjahr in Österreich mindestens 100 Millionen Euro umgesetzt haben. Das Finanzministerium rechnet mit jährlichen Einnahmen von 280 Millionen Euro. Damit soll die Mehrwertsteuersenkung auf ausgewählte Grundnahrungsmittel, die seit dem 1. Juli gilt, zumindest in Teilen gegenfinanziert werden.

Der Begriff Paketsteuer erweist sich dabei als irreführend, da sich die betroffenen Webshops entscheiden dürfen, ob sie pro Paket oder pro Bestellung bezahlen. Weil in der Praxis nur selten mehrere Bestellungen zu einer Sendung zusammengelegt werden, während Sendungsaufteilungen auf diverse Lieferungen durchaus üblich sind, dürfte die Abrechnung je Bestellung zum Regelfall avancieren.

Österreich führt neue Paketsteuer für Großversender ein
Foto: Der Standard

Das ist auch dann vorteilhaft für den Händler, wenn die Ware unterwegs verschwindet oder beschädigt ankommt, da bei einer solchen Entscheidung bei einer zweiten Zuschnittelung wenigstens keine zweite Paketsteuer anfällt.

Sechzehn Großkonzerne und Tausende Betriebe betroffen

Laut dem Handelsverband sind insgesamt 16 große Online-Händler und Online-Marktplätze sowie rund 4.000 österreichische Betriebe betroffen, die über diese Plattformen an Konsumenten verkaufen.

  • Amazon, Temu, Zalando und Otto
  • Shop-Apotheke, Ebay, Best Secret und AliExpress
  • MediaMarkt, Apple, Universal, Ikea, Shein und XXXLutz
  • Der auf generalüberholte Smartphones und Elektrogeräte spezialisierte Marktplatz Refurbed, der im laufenden Jahr die Umsatzschwelle von 100 Millionen Euro überschreiten dürfte

Ebenfalls explizit eingeschlossen sind Transaktionen von Kleinunternehmern und Privatpersonen, die auf den genannten Portalen wie Aliexpress, Amazon, Ebay und Refurbed Waren anbieten – vollkommen unabhängig davon, welchen Jahresumsatz der einzelne Verkäufer erzielt. Die zur Post gehörende Online-Plattform shöpping.at liegt hingegen unter der Umsatzgrenze und positioniert sich nun als „paketsteuerfreie Alternative“.”

Neue Paketsteuer sorgt für Diskussionen

Online-Händler wälzen Abgabe auf Kundschaft ab

Bereits am Donnerstag in der Früh trudelten bei Kunden von Amazon E-Mails ein, in denen darauf verwiesen wurde, dass die 2,40 Euro inklusive Umsatzsteuer an die Kundschaft weitergegeben werden. Die Abgabe wird bei Lieferung nach Österreich als eigene Position an der Kasse ausgewiesen, bevor die Bestellung abgeschlossen wird.

Die Regel gilt einmal pro Bestellung, unabhängig davon, wie viele Artikel bestellt werden oder in wie vielen Paketen die Bestellung ankommt. Ausnahmen gibt es für Geschäftskunden sowie bei Spar-Abo-Lieferungen.

Österreich führt neue Paketsteuer für Großversender ein
Foto: Heute

Auch bei Zalando wurde die Abgabe am Donnerstagvormittag bereits ausgewiesen und einbehalten. Bei Otto fand sich zu dem Zeitpunkt ein solcher Verweis bei Bestellungen noch nicht, und bei Ikea oder XXXLutz scheint die Paketsteuer ebenfalls nicht auf Rechnungen auf.

Der Möbelhändler XXXLutz verrechnet die Steuer laut dem Sprecher der XXXLutz-Gruppe Thomas Saliger ebenfalls nicht an Kunden und behält sich rechtliche Schritte vor. Bei Temu wird lediglich auf die Anfang Juli schlagend gewordene Einfuhrabgabe von Paketen in die EU aus Drittstaaten verrechnet, die inklusive Mehrwertsteuer 3,60 Euro ausmacht. Bei Rücksendungen entsteht ein organisatorisches Kuriosum: Muss die Ware retourniert werden, fällt die Steuer trotz allem an.

Unternehmen wie Amazon, Otto Österreich und Zalando zahlen die Paketsteuer bei vollständigen und rechtzeitigen Rücksendungen jedoch freiwillig an ihre Kunden zurück, um die Bestelllust nicht zu bremsen. Auf X und Reddit gab es derweil bereits zahlreiche Beschwerden von verärgerten Kundinnen und Kunden.

++ THEMENBILD ++ PAKETSTEUER FÜR BESTELLUNGEN BEI GROSSEN ONLINE-HÄNDLERN IN KRAFT
Foto: Kurier

Wirtschaft und Experten kritisieren Rechtslage

Kritik an der neuen Steuer kommt von der Wirtschaftskammer Vorarlberg. Stefanie Walser, Fachgruppenobfrau für Mode und Freizeitartikel und selbst Unternehmerin, sieht sogar eine Schlechterstellung der regionalen Händler.

Sie hofft, dass Konsumenten sich in der heutigen Zeit überlegen, ob sie vielleicht doch lieber in Österreich einkaufen, betont jedoch, dass Käufe in heimischen Online-Shops in den österreichischen Steuertopf kommen und im Endeffekt allen helfen.

Fachleute sehen das neue Abgabesystem aus rechtlicher Sicht kritisch, da es sowohl als unzulässige Benachteiligung ausländischer Versandhändler im grenzüberschreitenden Handel als auch als ungesetzliche Subvention für den ortsansässigen, filialgebundenen Einzelhandel eingestuft werden könnte, der von dieser Belastung verschont bleibt. Die niederländische Shop-Apotheke hält die Abgabe für europarechtlich und verfassungsrechtlich problematisch und prüft die weiteren Entwicklungen und rechtlichen Optionen.

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Jonas Becker

Über den Autor

Jonas Becker verantwortet das Nachrichtenressort von Germanic Nachrichten. Sein Fokus liegt auf schneller, praeziser und sauber verifizierter Berichterstattung zu Politik, Gesellschaft und aktuellen Entwicklungen in Deutschland.

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