Das Raumfahrtunternehmen SpaceX startete am Freitag, den 12. Juni 2026, mit einem Rekord-Börsengang an der Nasdaq in New York. Das Unternehmen nahm 75 Milliarden Dollar ein und schloss den ersten Handelstag mit einem Kursplus von 19 Prozent bei rund 161 Dollar ab, was Gründer Elon Musk zum ersten Billionär der Geschichte machte.
Die Zahlen des Debüts sprengen jede bisherige Kategorie der Finanzmärkte. Mit einem Ausgabepreis von 135 Dollar für rund 555,6 Millionen Aktien übertraf SpaceX den bisherigen Rekordhalter, die saudiarabische Ölfirma Aramco, die 2019 etwa 29 Milliarden Dollar einnahm, bei weitem. Laut watson.ch endete der erste Handelstag mit einer Marktbewertung von rund 2,1 Billionen Dollar.
Der Kursverlauf war volatil: Nach einem EröffnungsKurs von 150 Dollar kletterte die Aktie zeitweise auf einen Höchststand von 172,90 Dollar. In dieser Spitze erreichte die Marktkapitalisierung laut SRF rund 2,3 Billionen Dollar, womit SpaceX kurzzeitig zum siebtwertvollsten börsennotierten Unternehmen der USA aufstieg und Schwergewichte wie JPMorgan, Eli Lilly und sogar Teslas Marktwert überholte.
Elon Musks Aufstieg zum ersten Billionär
Für Elon Musk ist der Börsengang mehr als nur ein finanzieller Erfolg; er ist eine monumentale Verschiebung seines persönlichen Vermögensstatus. Das Magazin Forbes schätzt sein Vermögen nach dem Handelsfreitag auf etwa 1,1 Billionen Dollar. Dieser Wert setzt sich primär aus seiner rund 40-prozentigen Beteiligung an SpaceX zusammen, die allein über 800 Milliarden Dollar wert ist, ergänzt durch seine Anteile an Tesla.

Trotz der Öffnung für den Kapitalmarkt bleibt die Machtstruktur innerhalb des Unternehmens nahezu unangetastet. Musk behält durch spezielle Aktien mit mehr Stimmrechten eine Kontrolle von über 80 Prozent. Öffentlich handelbar sind lediglich fünf Prozent der Unternehmensanteile.
Ein beachtlicher Teil der Belegschaft profitiert ebenfalls massiv. Etwa sieben Prozent der Anteile liegen bei den Angestellten. Wie Blick berichtet, wurden dadurch über 4.000 SpaceX-Mitarbeiter über Nacht zu Millionären.
Die Diskrepanz zwischen Marktwert und Bilanz
Wer einen Blick in die Geschäftszahlen wirft, sieht ein Bild, das im krassen Gegensatz zur Euphorie der Anleger steht. Die Bewertung von über zwei Billionen Dollar stützt sich nicht auf aktuelle Gewinne, sondern auf die Hoffnung auf zukünftige Dominanz in der Raumfahrt und KI.

Die finanziellen Kennzahlen des letzten Jahres zeigen ein tiefes Minus: Bei einem Umsatz von 18,67 Milliarden Dollar verbuchte SpaceX Verluste in Höhe von rund 4,94 Milliarden Dollar. Der Trend setzte sich im ersten Quartal 2026 fort, wo das Unternehmen bei einem Umsatz von 4,7 Milliarden Dollar ein Minus von 4,28 Milliarden Dollar auswies.
Ein wesentlicher Kostentreiber ist die Entwicklung des Starship-Raketensystems. Während das traditionelle Raumfahrtgeschäft und die Entwicklung neuer Systeme rote Zahlen schreiben, bleibt Starlink das profitabelste Segment und wird in Analystenkreisen als das Kronjuwel des Konzerns bezeichnet.
| Kennzahl | Wert (letztes Jahr) | Wert (Q1 2026) |
|---|---|---|
| Umsatz | 18,67 Mrd. USD | 4,7 Mrd. USD |
| Verlust | 4,94 Mrd. USD | 4,28 Mrd. USD |
KI-Visionen und die Kritik von Aswath Damodaran
Um die astronomische Bewertung zu rechtfertigen, setzt SpaceX massiv auf Künstliche Intelligenz. Im Börsenprospekt schätzt das Unternehmen den künftigen Gesamtmarkt für KI inklusive Infrastruktur auf mehr als 26 Billionen Dollar. Eine zentrale Vision ist der Aufbau von Rechenzentren im Weltraum, um die dortige solare Energieeffizienz zu nutzen.

Diese Prognosen stoßen bei Experten auf heftigen Widerstand. Der New Yorker Wirtschaftsprofessor und Bewertungsexperte Aswath Damodaran kritisierte die Zahlen scharf. Er äußerte gegenüber CNBC die Vermutung, Musks Chatbot Grok habe den Prospekt geschrieben, da KI zu Halluzinationen neige.
Skeptiker weisen zudem auf die technischen Hürden hin: Die enormen Aufbaukosten, die schwierige Kühlung im Vakuum sowie die kosmische Strahlung, welche die Schaltkreise beschädigen kann, machen die Vision von Weltraum-Rechenzentren aus ihrer Sicht hochriskant.
Machtkonzentration und öffentlicher Protest
Die rasante Aufwertung von SpaceX ist eng mit der Person Elon Musks verknüpft. Die FAZ analysiert dies als Beleg für eine beunruhigende Machtkonzentration. Während traditionelle Unternehmen nach Umsatzmultiplikatoren bewertet werden, folgen SpaceX und Tesla einer Logik, die primär auf Musks futuristischen Versprechen basiert.
Diese Macht und die damit verbundenen KI-Ambitionen lösen auch außerhalb der Finanzwelt Reaktionen aus. Bereits vor dem Börsengang kam es in New York zu Demonstrationen gegen Musk und sein KI-Programm Grok. Aktivisten platzierten eine aufblasbare Musk-Figur auf dem Times Square, um gegen die Software zu protestieren, der vorgeworfen wird, explizite Bilder und Kinderpornografie generieren zu können.
Musk selbst blickt trotz der Kritik optimistisch auf die Zukunft. Bei der Eröffnung des Handels an der Starbase in Texas betonte er die langfristigen Ziele des Unternehmens.
SpaceX möchte euch zum Mond bringen, euch zum Mars bringen und letztendlich noch weiter.
Für die Anleger bleibt die Aktie ein hochspekulatives Instrument. Der Kurs stützt sich weniger auf die aktuelle Bilanz als auf die Fähigkeit Musks, die Spielregeln des Marktes zu seinen Gunsten zu verändern. Ob die Vision vom Weltraum-Rechenzentrum und die Mars-Kolonisation die Milliardenverluste langfristig rechtfertigen, wird die Performance der Aktie in den kommenden Quartalen zeigen.
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