Wissenschaftler haben mit Hilfe der NASA-Sonde Lunar Reconnaissance Orbiter den bislang größten bekannten Einschlagkrater der jüngeren Geschichte im Sonnensystem entdeckt. Das rund 222 Meter breite und bis zu 43 Meter tiefe Becken entstand im Frühjahr 2024 auf der erdzugewandten Seite des Mondes, wie Forscher im September 2026 bekannt gaben.
Entdeckung des McGetchin-Kraters auf der Mondoberfläche
Der Fund geht auf eine routinemäßige Datenprüfung zurück. Robert Wagner, ein Bildverarbeitungsspezialist bei Intuitive Machines, der mit Daten der Kamerasysteme des Lunar Reconnaissance Orbiter arbeitet, entdeckte einen ungewöhnlich großen hellen Fleck mit einem dunklen Halo auf einer Übersichtskarte.
Ich habe einfach angehalten, alles stehen und liegen lassen und angefangen zu untersuchen, was das für ein Fleck war. Robert Wagner, Wissenschaftler bei NASA und Intuitive Machines, via NASA
Durch den Vergleich von Aufnahmen vor und nach dem Einschlag identifizierten Forscher die Struktur als den größten neu gebildeten Krater, der jemals im Sonnensystem nachgewiesen wurde. Die nach dem verstorbenen Lunarforscher Tom McGetchin benannte Vertiefung hat einen Durchmesser von 728 Fuß beziehungsweise etwa 222 Metern und erstreckt sich über eine Tiefe von bis zu 141 Fuß oder 43 Metern. April und dem 22.
Statistische Seltenheit und verpasste Echtzeit-Erkennung
Das Ereignis blieb von Teleskopen auf der Erde und im Weltraum zunächst unbemerkt. Erst im August 2025 identifizierten Mitarbeiter die Weitwinkelaufnahmen der Raumsonde in den angesammelten Datenmassen. Im darauffolgenden Herbst sammelte das Team detailliertere Aufnahmen, und zu Beginn des Jahres 2026 folgte die offizielle Bestätigung der Entdeckung, die im September 2026 in der Fachzeitschrift Science Advances
veröffentlicht wurde.
Das Wissenschaftlerteam erklärte via Tages-Anzeiger, dass dieses Ereignis eine statistisch seltene Beobachtung darstelle, wie sie faktisch nur einmal im Leben vorkomme.
Forschern zufolge ereignen sich Einschläge dieser Größenordnung auf dem Mond im Schnitt nur einmal alle 132 Jahre oder noch seltener. Die Weite des Einschlags störte die Mondoberfläche auf einer Strecke von mehr als 66 Meilen beziehungsweise 100 Kilometern. Gesteinsbrocken und Staub wurden dabei in steileren Winkeln weggeschleudert als zunächst angenommen.
Thermisches Kältefeld und Geologie des Regoliths
Eine zweite im selben Fachjournal veröffentlichte Untersuchung widmete sich den thermischen Besonderheiten der Umgebung. Verantwortlich dafür ist die Auflockerung des Regoliths durch die Wucht des Aufpralls.

Wir betrachten Einschläge mittlerweile als eine Möglichkeit, das Regolith zu gärtnern – die Sedimente umzuwälzen und Material nach oben zu befördern, das sich sonst unter der Oberfläche befindet. David Paige, Ko-Autor von der University of California, Los Angeles, via Houston Chronicle
Der Leiter des Kamerateams, Mark Robinson von Intuitive Machines, betonte, dass die zahlreichen Kraterfunde seit dem Start der Raumsonde im Jahr 2009 zeigen, dass die obersten zwei Zentimeter des Mondsands durch ausgeworfenes Material alle 80.000 Jahre vollständig umgegraben werden. Dies widerlegt die Annahme, dass die historischen Fußspuren der Apollo-Astronauten dort für die Ewigkeit verbleiben. In diesem Zeitraum werden sie nach Einschätzung der Forscher vollständig verschwunden sein.
Sicherheitsrisiken für geplante astronautische Mondstationen
Dabei geht es um die Berechnung des Risikos, dass herausgeschleudertes Material die von der NASA geplante Mondbasis trifft. Diese Informationen helfen den Ingenieuren dabei, Strukturen so zu härten, dass man sich um Schäden keine oder zumindest weniger Sorgen machen muss. Mark Robinson, Chefwissenschaftler für die LRO-Kameras bei Intuitive Machines, via India Today
Unabhängig von natürlichen Meteoriten und Asteroiden gerät die Mondoberfläche auch durch menschengemachte Objekte zunehmend in den Blickpunkt. So schlug im August des Vorjahres eine unbemannte SpaceX-Raketenstufe mit hoher Geschwindigkeit auf der erdzugewandten Seite ein und hinterließ einen eigenständigen, kleineren Krater mit markanten, an Schmetterlingsflügel erinnernden Auswurfstrahlen, der von der NASA und internationalen Sonden wie der südkoreanischen Danuri-Raumsonde dokumentiert wurde. Während diese künstlichen Einträge im Vergleich zu dem von Naturkräften geformten McGetchin-Krater gering ausfallen, verdeutlichen beide Phänomene die anhaltende Dynamik und die potenziellen Gefahren für künftige bemannte Infrastrukturen im All.
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