In der Nacht auf Mittwoch wurde am Frachtflughafen Leipzig eine präparierte Drohne sichergestellt, die laut Ermittlerkreisen den Plastiksprengstoff Semtex enthielt. Ein Mann fing das Gerät ab, bevor ein Bombenräumroboter den Zünder entfernte. Der Vorfall ereignete sich in der Nähe einer ukrainischen Antonov 124 Maschine.
Ein unscheinbares Gerät mit vier Armen und Rotorblättern löste in der Nacht auf Mittwoch Alarm am zweitgrößten Frachtflughafen Deutschlands aus. Wie DiePresse unter Berufung auf das Boulevardblatt Bild
berichtet, war die Drohne mit einem Päckchen präpariert. Ermittlerkreise gaben an, dass es sich bei dem Inhalt um Semtex, einen professionellen Plastiksprengstoff, gehandelt habe.
Ein Mann habe das schwebende Gerät gefangen und auf den Boden gedrückt, bevor die Präparierung bemerkt wurde. Es wurde ein Bombenräumroboter eingesetzt, um den Zünder am Päckchen zu entfernen. Verletzte gab es nicht. Offiziell haben die deutschen Ermittler jedoch bisher nicht bestätigt, ob sich tatsächlich Sprengstoff in dem Paket befand.
Nato-Logistik und Antonov Logistics Salis GmbH
Ein mögliches Ziel des Anschlags könnte ein ukrainischer Flugfrachtspezialist sein, der für die Nato operiert. In der Nähe der Drohne stand eine ukrainische Maschine des Typs Antonov 124. Der Flughafen Leipzig dient seit 2006 als Logistikhub für das westliche Militärbündnis im Rahmen der Strategic Airlift International Solution
(Salis). Hierbei haben neun Nato-Mitglieder Zugriff auf bis zu fünf Antonov 124-100 Frachtflugzeuge.
Die rechtliche Verantwortung für diese Dienste liegt bei der deutschen Antonov Logistics Salis GmbH, hinter der die ukrainische Antonov Airlines steht. Das Unternehmen verlagerte sein Geschäft und seine Maschinen nach Deutschland, nachdem die russische Armee im Februar 2022 den Flughafen Hostomel nahe Kiew bombardiert hatte. Laut der Nato-Webseite werden die Maschinen derzeit genutzt, um Ausrüstung an die Ostflanke zu liefern, unter anderem nach Polen, Finnland, Estland, Rumänien, Bulgarien, Ungarn und die Slowakei.
Zweiter Vorfall und staatsschutzliche Einordnung
Parallel zur Drohne ereignete sich in derselben Nacht ein weiterer Vorfall: Eine Maschine des Logistikunternehmens DHL kollidierte in einer Höhe von rund 400 Metern mit einem unbekannten Gegenstand. Das Flugzeug erlitt leichte Schäden und konnte in Hannover landen. Die Polizei Niedersachsen stufte diesen Vorfall als mögliches Staatsschutzdelikt
ein, wie DiePresse berichtet.
Politische Spannungen und Geheimhaltung in Leipzig
Die Nutzung des Flughafens Leipzig für Militärtransporte ist in Deutschland bereits ein Politikum. Im Herbst 2025 fragten Abgeordnete der Linkspartei die Bundesregierung nach der Menge der Rüstungsexporte über den Standort sowie der Nutzung durch die Bundeswehr und die Nato. Die Antwort der Regierung lautete, dass die Daten entweder nicht vorlägen oder so geheim seien, dass sie nicht einmal als eingestufte Verschlusssache
im Parlament hinterlegt werden dürften.
DHL ist zudem mit internen und externen Konflikten konfrontiert. Im Sommer 2025 organisierten pro-palästinensische Aktivisten einen Marsch zum Flughafen
gegen deutsche Waffenlieferungen nach Israel. Ein DHL-Mitarbeiter, der bei einer Kundgebung behauptete, Pakete des Rüstungskonzerns Rheinmetall bearbeitet und Anweisungen zur vorrangigen Abfertigung militärischer Güter gesehen zu haben, wurde entlassen. Ein Arbeitsgericht erklärte diese Kündigung im Juli 2026 vorerst für unwirksam.
Vorgeschichte von Paketbränden und russischen Geheimdiensten
Aufgrund der aktuellen Lage unterbrach der deutsche Innenminister Alexander Dobrindt (CSU) seinen Urlaub für eine Lagebesprechung, die am Mittwochabend in Leipzig stattfinden soll.