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Unternehmen

Der Superzyklus von Siemens Energy

Siemens Energy verzeichnete im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2025/26 einen Rekord-Auftragseingang von 17,7 Milliarden Euro, getrieben durch die Nachfrage nach KI-Rechenzentren und Netzinfrastruktur. Trotz einer jüngsten Kurskorrektur an der Börse spricht die Konzernführung von einem Superzyklus im Gasgeschäft, während der Gesamtauftragsbestand auf 154 Milliarden Euro gestiegen ist.

KI-Rechenzentren und das 87-Gigawatt-Auftragsbuch

Die Energiewende und der digitale Fortschritt haben eine unerwartete Dynamik ausgelöst. Laut einem Bericht der Frankfurter Allgemeinen Zeitung befindet sich Siemens Energy in einem Superzyklus im Gasgeschäft. Die Nachfrage nach Gasturbinen ist so massiv, dass die Wartezeiten für große Turbinen und Transformatoren derzeit bis zu vier Jahre betragen.

KI-Rechenzentren und das 87-Gigawatt-Auftragsbuch
Photo: XTB.com

Die Zahlen belegen den Trend: Das Unternehmen führt derzeit Aufträge im Volumen von 87 Gigawatt für Gasturbinen in den Büchern, wobei 60 Gigawatt fest bestellt und 27 Gigawatt reserviert sind. Zu Beginn des Jahres lag dieser Wert noch bei 70 Gigawatt. Ein wesentlicher Treiber ist laut Konzernführung der enorme Strombedarf von KI-Rechenzentren, insbesondere in den Vereinigten Staaten, was zu einem bisher ungekannten Installierungsvolumen führt.

Wir feuern aus allen Zylindern.

Christian Bruch, Vorstandsvorsitzender von Siemens Energy

Neben dem Hardware-Verkauf generiert dieser Boom langfristige Einnahmen. Das mit den Aufträgen verbundene Servicegeschäft wird in den nächsten 20 Jahren auf ein Umsatzpotenzial von 35 Milliarden Euro geschätzt. Die Konzernführung geht davon aus, dass sich der weltweite Strombedarf bis zum Jahr 2050 verdoppeln wird, befeuert durch Elektrifizierung, industrielle Expansion sowie die Anforderungen von Heating und Cooling.

Netztechnik als Wachstumsmotor und neue Finanzprognosen

Während das Gasgeschäft die Schlagzeilen beherrscht, hat sich die Netztechnik (Grid Technologies) zum eigentlichen Kraftzentrum des Konzerns entwickelt. Wie finanzen.at berichtet, soll diese Sparte im laufenden Geschäftsjahr ein vergleichbares Umsatzwachstum von 25 bis 27 Prozent erzielen, bei einer operativen Marge zwischen 18 und 20 Prozent.

Netztechnik als Wachstumsmotor und neue Finanzprognosen
Photo: Handelsblatt

Die operative Stärke spiegelt sich in den aktualisierten Prognosen für das Jahr 2026 wider. Das Management hob das erwartete Umsatzwachstum auf 14 bis 16 Prozent an, nachdem zuvor 11 bis 13 Prozent veranschlagt worden waren. Der Nettogewinn soll auf rund 4 Milliarden Euro steigen.

Die Effizienz der Auftragsakquise übersteigt derzeit die Abarbeitungskapazitäten. Das Book-to-Bill-Verhältnis lag im zweiten Quartal bei 1,72. Das bedeutet, dass das Unternehmen Aufträge deutlich schneller gewinnt, als es sie produzieren und ausliefern kann. Der Gesamtauftragsbestand ist im Vergleich zu den Vorjahren um 21 Milliarden Euro auf 154 Milliarden Euro gestiegen.

Kursvolatilität und das 6-Milliarden-Euro-Rückkaufprogramm

An der Börse zeigt sich ein widersprüchliches Bild. In den letzten vier Wochen verlor die Aktie etwa ein Fünftel ihres Wertes. Am 10. Juni 2026 stürzte das Papier im XETRA-Handel um 6,19 Prozent ab und war damit der größte Verlierer im DAX. Marktteilnehmer befürchteten Überkapazitäten bei Gaskraftwerken, was zu massiven Gewinnmitnahmen führte.

Siemens Energy: Rekordhoch – ist jetzt Schluss mit der Rallye?

Die Analysten bewerten die Situation jedoch optimistischer. Die Deutsche Bank Research behält die Einstufung Buy mit einem Kursziel von 200 Euro bei. Analysten argumentieren, dass das eigentliche Kraftwerksgeschäft nur 15 Prozent des Konzernumsatzes ausmacht und das Servicegeschäft sowie der Turnaround der Windkrafttochter Gamesa vom Markt unterschätzt werden. JPMorgan bestätigte Ende Mai ein Kursziel von 225 Euro.

Um das Vertrauen der Anleger zu stützen, hat Siemens Energy ein massives Aktienrückkaufprogramm initiiert.

  • Gesamtvolumen: Bis zu 6 Milliarden Euro bis Ende des Geschäftsjahres 2027/2028.
  • Aktueller Stand: Die erste Tranche von einer Milliarde Euro ist nahezu ausgeschöpft; zwischen dem 4. und 7. Juni wurden 237.040 eigene Aktien erworben.
  • Aktionärsrückflüsse: Inklusive Dividenden sollen diese 2026 auf insgesamt 3,6 Milliarden Euro steigen.

Nach dem Tiefpunkt am 10. Juni zeigte die Aktie am 11. Juni wieder eine Erholung und stieg um 6,00 Prozent auf 147,00 Euro.

Die politische Blockade bei deutschen Gaskraftwerken

Trotz der globalen Auftragslage sieht sich Siemens Energy in Deutschland mit bürokratischen Hürden konfrontiert. Die Bundesregierung plant die Ausschreibung neuer Kraftwerke im Volumen von zwölf Gigawatt, wovon zehn Gigawatt auf moderne, wasserstofffähige Gaskraftwerke entfallen sollen.

Die politische Blockade bei deutschen Gaskraftwerken
Photo: Finanzen.net

Das Problem bleibt die Zeitplanung. Christian Bruch fordert mehr Tempo und drängt darauf, dass die Ausschreibungen für neun Gigawatt noch in diesem Jahr erfolgen. Aktuell steht jedoch noch die beihilferechtliche Genehmigung der EU-Kommission aus. Ohne diesen grünen Licht aus Brüssel können die Verfahren nicht gestartet werden.

Für das Unternehmen ist die Selektion der Aufträge mittlerweile wichtiger als die reine Quantität. Siemens Energy prüft Geschäftsmodelle und Auftraggeber genau, um eine Balance zwischen Profitabilität und Planungssicherheit zu finden. Neuere Verträge beinhalten zudem Reservierungsgebühren und Anzahlungen, was das finanzielle Risiko bei möglichen Stornierungen minimiert.

Während die technische Nachfrage durch KI und Netzausbau auf einem historischen Hoch verweilt, hängt die kurzfristige Realisierung des deutschen Potenzials nun an der Geschwindigkeit der regulatorischen Genehmigungen in der EU.

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David Falk

Über den Autor

David Falk verantwortet das Wirtschafts- und Unternehmensressort von Germanic Nachrichten. Er berichtet ueber Maerkte, Mittelstand, Innovation und strategische Entwicklungen in deutschen und internationalen Unternehmen.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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