Brussels Airport hat eine Testphase mit einem autonomen, elektrisch angetriebenen Frachtschlepper im Frachtbereich gestartet. Das Projekt läuft im Rahmen des EU-Programms Stargate und wird gemeinsam mit Worldwide Flight Services sowie Charlatte Autonom durchgeführt, um Effizienz und Nachhaltigkeit bei der Frachtabfertigung auf dem Vorfeld zu verbessern.
Auf den betriebsamen Vorfeldern europäischer Flughäfen hält die Automatisierung Einzug. Das Vorhaben ist Teil des von der Europäischen Kommission geförderten Initiativprogramms Stargate, bei dem der belgische Hauptstadtdenkmal-Flughafen die Konsortialführung innehat.
Technische Ausstattung und definierte Routen im Frachtbereich
Das im Test befindliche Fahrzeug verbindet eine Logistikplattform von Charlatte Manutention mit dem autonomen Fahrsystem von Navya Mobility. Beide Unternehmen bündeln ihre Expertise im Joint Venture Charlatte Autonom. Für die Orientierung in den komplexen Verkehrszonen nutzt der Schlepper ein System aus Satellitennavigation und Lasersensoren, während die Software von Navya Mobility die Navigation im gemischten Verkehr steuert.
Die Höchstgeschwindigkeit des Fahrzeugs im automatisierten Betrieb ist auf 12 Kilometer pro Stunde begrenzt. Dabei kann die Maschine bis zu vier beladene Frachtanhänger ziehen. Die Erprobung findet unter streng kontrollierten Bedingungen vorwiegend in schwächer frequentierten Randzeiten statt.
Sicherheitsvorgaben und die Rolle des Bedienpersonals
Um den strengen Vorgaben der EG-Maschinenrichtlinie zu entsprechen und die Sicherheit auf dem Vorfeld zu garantieren, trägt das Fahrzeug die offizielle CE-Kennzeichnung. Während der laufenden Testphase begleitet ein speziell geschulter Bediener jede Fahrt an Bord des Schleppers. Diese Person greift im Bedarfsfall manuell ein, um den manuellen Überwachungsanforderungen zu genügen.

Im Jahr 2024 hatte der Flughafen bereits eine selbstfahrende Shuttle-Verbindung für den Personentransport getestet.
Einschätzungen der Unternehmensleitung zum Innovationskurs
Die Verantwortlichen sehen in dem Pilotprojekt einen wichtigen Baustein zur Weiterentwicklung der Logistikprozesse.
„At Brussels Airport, we continue to explore innovative and sustainable solutions that can tangibly strengthen cargo operations. The aviation and logistics sectors are evolving rapidly. Thanks to this project, we can gain valuable insights into the potential of autonomous technologies, and into what they can deliver in terms of efficiency and sustainability, while people remain key to operations and the highest safety standards are maintained.“
Arnaud Feist, CEO von Brussels Airport
Aus Sicht der Technologiepartner steht vor allem die Praxistauglichkeit in anspruchsvollen Umgebungen im Vordergrund.
„This project with Brussels Airport once again illustrates the expertise of Charlatte Manutention and Navya Mobility in deploying autonomous mobility solutions within complex and demanding airport environments. Safety and reliability are paramount in the design of our products, whose technology enables fully autonomous operation, without an operator on board, when regulatory conditions allow. Through this project, we are demonstrating our ability to provide concrete, safe and reliable autonomous solutions, tailored to the realities of cargo operations.“
Jean-Claude Bailly, CEO von Navya Mobility
Hürden für den künftigen Regelbetrieb
Branchenanalysten weisen darauf hin, dass automatisierte Technologien auf Flughafengeländen nach wie vor beträchtlichen Hürden begegnen. Das unvorhersehbare Verhalten im Mischverkehr mit konventionellen Vorfeldfahrzeugen, widrige Witterungsbedingungen sowie strenge behördliche Sicherheitsauflagen erschweren den nahtlosen Übergang von zeitlich begrenzten Pilotprojekten zum unbemannten Regelbetrieb.

Die Ergebnisse der Versuchsreihe in Brüssel sollen nach Abschluss der Testphase systematisch ausgewertet und den insgesamt 22 Partnern des europäischen Stargate-Konsortiums zur Verfügung gestellt werden. Ob und wann die Technologie ohne Sicherheitsperson an Bord im regulären Schichtbetrieb eingesetzt werden kann, bleibt demnach von künftigen Anpassungen der rechtlichen Rahmenbedingungen und der technischen Verlässlichkeit im Langzeiteinsatz abhängig.
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