Die Google-Mutter Alphabet hat am Donnerstag, dem 30. Oktober 2026, den schlechtesten Börsentag ihrer über zwanzigjährigen Geschichte erlebt. Die Aktie stürzte an der New Yorker Wall Street um rund 13 Prozent ab und vernichtete binnen weniger Handelsstunden etwa 500 Milliarden US-Dollar an Marktwert. Auslöser für das historische Kursbeben waren die Geschäftszahlen zum dritten Quartal 2026, die offenbarten, dass Künstliche Intelligenz zunehmend das lukrative Kerngeschäft der Websuche bedroht.
Umsatzwachstum der Websuche kühlt ab
Auf den ersten Blick präsentierte Alphabet solide Kennzahlen. Der Gesamtkonzernumsatz kletterte im Jahresvergleich um 25 Prozent auf 127,6 Milliarden US-Dollar, wie unter anderem N Tv und Aktien berichteten. Doch die für den Konzern lebenswichtigen Werbeeinnahmen schwächten sich spürbar ab. Alphabets Haupteinnahmequelle besteht aus dem Verkauf von Anzeigen neben den Suchergebnissen, wobei die Google-Suche jährlich Hunderte Milliarden Dollar erzielt, indem sie eine Linkliste bereitstellt und Werbetreibende jedes Mal zahlen müssen, sobald ein Nutzer einen gesponserten Link anklickt.

Die Google-Suche entwickelt eigene KI-Modelle unter dem Namen Gemini und bringt mehr Werbung in die Antworten im KI-Modus, deren weltweite Einführung begonnen hat, während erste Ergebnisse laut Konzernangaben darauf hindeuteten, dass diese Werbeformate funktionieren. Gegenwärtig werfen die Werbeplätze im KI-Modus für das Unternehmen jedoch noch geringere Erträge ab als im traditionellen Suchmaschinenbereich. Die Sparte Google Services, die Suchwerbung, Youtube und Abonnements umfasst, setzte 96,3 Milliarden Dollar um, während Analysten hier 98,5 Milliarden erwartet hatten. Das Kernproblem liegt in der technologischen Verlagerung: Wenn Nutzer ihre Fragen über automatisierte Antworten im Chatbot-Stil stellen, verändert sich die klassische Suchergebnisseite, wodurch weniger traditionelle Werbeeinblendungen erfolgen. Philipp Schindler, Chef Business Officer bei Google, erklärte in einer Analystenkonferenz, die Suchanfragen wüchsen zwar so schnell wie seit fünf Jahren nicht mehr, doch der deutsche Manager räumte auch ein, dass Anfragen im KI-Modus schlechter monetarisiert würden als die klassische Suche. Eines der Unternehmen, die am aggressivsten in KI investieren, um ihr Kerngeschäft zu schützen, hat eine Anfälligkeit für KI gezeigt
, urteilte Markstratege Mike O’Rourke über die Bilanz, während Steve Sosnick, Chefstratege beim Broker Interactive Brokers, anmerkte, dass einige Marktteilnehmer die Annahmen infrage stellen, die sie über künstliche Intelligenz getroffen haben.
Milliardeninvestitionen und negativer Cashflow belasten Alphabet
Neben den schwächelnden Werbeerlösen alarmierten die enormen Ausgaben die Anleger. Alphabet berichtete über höher als ausgefallene Betriebskosten. Die Marktkapitalisierung des Mutterkonzerns sank im Zuge des Kursrutsches von rund 3,97 auf 3,46 Billionen Dollar, wodurch die Aktie auf ein Sechs-Monats-Tief fiel. Nach Einschätzung von Tracy Woo, leitender Analystin bei Forrester, machen die enttäuschenden Ergebnisse im Suchbereich deutlich, vor welch großer Herausforderung Alphabet steht, da das Unternehmen einerseits enorme Summen in Künstliche Intelligenz stecken und gleichzeitig die Profitabilität seines etablierten Geschäfts wahren muss. Der freie Cashflow des Konzerns ist mit 9,1 Milliarden Dollar beziehungsweise mehr als 9 Milliarden US-Dollar negativ, was bedeutet, dass das Unternehmen inklusive Investitionen mehr Geld ausgab, als es einnehmen konnte, wie die Frankfurter Rundschau und Watson detailliert aufführten.
Nach Angaben des Analysehauses NewStreet wird Alphabet voraussichtlich so lange mit Gegenwind konfrontiert sein, bis das Unternehmen das Vertrauen in die Grundlagen der Suche und die KI-Monetarisierung verbessern kann, was nach Schätzungen bis zur ersten Hälfte des Jahres 2027 dauern könnte.
Globale Schockwellen im Technologiesektor
Der historische Kurseinbruch bei Alphabet erfasste am Donnerstag und in den folgenden Tagen den gesamten globalen Technologiesektor und schlug laut Financial Times auf die Märkte in den USA und Japan durch. Der technologielastige Nasdaq-Index gab um 1,4 Prozent nach, während der Nasdaq-100-Index mehr als 10 Prozent unter seinem Jahreshöchststand liegt und in den Korrekturbereich gerutscht ist. Vorsichtige Anleger flüchteten nach Angaben des Handelsblatts in US-Staatsanleihen, wodurch die Renditen der Papiere angesichts der Nervosität sanken. Amazon meldete einen Umsatz von 201 Milliarden Dollar, während das Unternehmen einen negativen freien Cashflow von 42 Milliarden Dollar verzeichnete und Konzernchef Andy Jassy die Zukunftsinvestitionen verteidigte. Bei Microsoft fiel die Bilanzvorlage weniger spektakulär aus: Die Papiere des Softwaregiganten gaben im Handelsverlauf am Donnerstag um knapp 0,2 Prozent nach.
Apple verlor trotz eines starken Jahresgewinns von 132 Milliarden Dollar und einem Quartalsumsatz von 114,5 Milliarden Dollar rund 4 Prozent, da das Unternehmen im Weihnachtsgeschäft Gegenwind durch explosiv wachsende Speicherchip-Preise bekommt. An der Frankfurter Börse verfolgten Marktteilnehmer die Entwicklung ebenfalls mit großer Aufmerksamkeit, während für deutsche Anleger, die über ETFs oder Einzelaktien in den US-Technologiesektor investiert sind, ein Handelstag deutlich zeigte, dass die Bereitschaft, immer höhere KI-Ausgaben ohne klaren Gewinnpfad zu akzeptieren, an der Wall Street spürbar abnimmt.
Unser früherer Bericht: US-Tech-Aktien stürzen ab: Alphabet und Intel verlieren massiv

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