Zum Inhalt springen
Unternehmen

Nasdaq-Börse verliert fast eine Billion US-Dollar

Eine Talfahrt an den US-Börsen hat im Oktober 2026 fast eine Billion Dollar an Marktwert auf der Nasdaq vernichtet. Enttäuschende Bilanzen der Tech-Schwergewichte und gigantische KI-Ausgaben schürten bei Anlegern Zweifel an raschen Renditen, was die Volatilität sprunghaft ansteigen ließ.

Ein steiler Ausverkaufsdruck hat die US-Technologiebörsen im Oktober 2026 hart getroffen und innerhalb einer einzigen Woche nahezu eine Billion US-Dollar an Marktwert auf der Nasdaq-Börse gelöscht. Auf Monatsbasis beläuft sich das Minus sogar auf rund zwei Billionen US-Dollar. Was als branchenweite Korrektur im Laufe des Monats begann, gewann durch verhaltene Geschäftszahlen und drastisch erhöhte Investitionsprognosen führender Internet- und Halbleiterkonzerne rasant an Dynamik.

Enttäuschende Quartalszahlen und explodierende KI-Kosten belasten Alphabet, Amazon und Intel

Die Nervosität der Märkte entzündete sich an den Bilanzen der großen Technologiekonzerne. So geriet Alphabet im Oktober 2026 massiv unter Druck, nachdem der Konzern einräumte, wegen massiver Investitionen in künstliche Intelligenz im Sommer mehr Barmittel verbrannt zu haben als im Frühjahr. Die Aktie erlitt den schwersten Einbruch ihrer Geschichte und verlor an nur einem Tag mehr als 500 Milliarden US-Dollar an Marktwert.

Ähnlich erging es Amazon, das schwächere Sommergewinne vermeldete und deutlich höhere Ausgaben als ursprünglich antizipiert eingestand, was die Aktie um 1,8 Prozent abrutschen ließ. Noch drastischer traf es den Chiphersteller Intel. Trotz eigentlich solider Quartalsgewinne stürzte die Intel-Aktie um fast 30 Prozent ab, da der Ausblick für das vierte Quartal des Jahres hinter den Erwartungen der Analysten zurückblieb.

Nvidia im Abwärtssog und wachsende Skepsis bezüglich der Rendite von KI-Infrastruktur

Im Zentrum der Sorgen steht die Frage, ob die Hunderte Milliarden Dollar, die Hyperscaler wie Meta Platforms, Alphabet und Amazon in Rechenzentren und KI-Infrastruktur stecken, zeitnah profitabel arbeiten und messbare Produktivitätsvorteile bringen werden. Die rasanten Investitionen haben den sogenannten KI-Handel in eine spürbare Turbulenzphase geführt.

Als schwerster Belastungsfaktor für den breiter gefassten S&P 500 erwies sich Nvidia. Die Aktie des Chipherstellers, der zuvor mit rund fünf Billionen US-Dollar bewertet worden war und als Aushängeschild des Booms galt, gab um 3,1 Prozent nach. Marktbeobachter registrieren zudem, dass hohe Zinsen den weiteren Ausbau von Rechenzentren verteuern und bremsen könnten.

Sprunghafte Volatilität an der Wall Street trifft auf geopolitische und politische Risiken

Die Turbulenzen im Tech-Sektor beendeten eine Phase bemerkenswerter relativer Ruhe an den US-Märkten im Jahresverlauf 2026, in dem Zinserhöhungen und Ölpreisschwankungen weitaus weniger Spuren hinterlassen hatten als das Tarifchaos im April 2025. Der Chicago Board Options Exchange Volatility Index (VIX) berührte im Zuge der Kursrücksetzer kurzzeitig den höchsten Stand seit April.

Neben den Unternehmenszahlen blicken Händler auf bevorstehende Ereignisse wie die US-Zwischenwahlen sowie die anstehenden Bilanzvorlagen von Nvidia im November 2026. Auch geopolitische Faktoren spielen in die Marktstimmung hinein.

Das sieht eher nach einer Umschichtung innerhalb eines Bullenmarktes aus, bei der Bewertungen nach unten angepasst werden, als nach dem Beginn einer umfassenden Marktverschlechterung.

Florian Ielpo, Lombard Odier Investment Management

Die größte Unsicherheit bleibt die Deeskalation der Lage im Iran, und ich denke, wir haben bei einigen Call-Spread-Trades mit Fluggesellschaften und GE bereits gesehen, dass sich der Markt auf diese Möglichkeit einstellt.

Christopher Jacobson, Susquehanna International Group

Trotz der spürbaren Korrektur und der Belastung durch gehebelte Tech-ETFs, deren automatisiertes Rebalancing die Schwankungen bei Halbleiterwerten verstärken kann, setzen manche Marktteilnehmer weiter auf eine Jahresendrally. Geringe Netto-Risikopositionen von Hedgefonds und günstige Optionsprämien eröffnen nach Einschätzung von Experten Spielraum für eine rasche Erholung, sobald positive makroökonomische Impulse überwiegen.

Teilen Facebook X WhatsApp E-Mail
David Falk

Über den Autor

David Falk verantwortet das Wirtschafts- und Unternehmensressort von Germanic Nachrichten. Er berichtet ueber Maerkte, Mittelstand, Innovation und strategische Entwicklungen in deutschen und internationalen Unternehmen.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.