Der US-Tech-Sektor gerät massiv unter Druck, da Anleger an der Rentabilität der milliardenschweren Investitionen in künstliche Intelligenz zweifeln. Der Nasdaq-100 rutschte in den Korrekturbereich und liegt mehr als zehn Prozent unter seinem Jahreshöchststand, während Alphabet und Intel historische Kursverluste verzeichnen.
An den US-Börsen wachsen die Zweifel an der wirtschaftlichen Tragfähigkeit des anhaltenden KI-Booms, wie 20min berichtet. Der Nasdaq-100 verzeichnete erhebliche Verluste und notiert inzwischen mehr als zehn Prozent unter seinem diesjährigen Höchststand.
Auslöser für die neue Skepsis sind vor allem Quartalszahlen und Aussichten grosser Technologiekonzerne, die das Vertrauen der Investoren erschüttern.
Einige stellen die Annahmen infrage, die sie über künstliche Intelligenz getroffen haben
, erklärt Steve Sosnick, Chefstratege beim Broker Interactive Brokers, im Bericht von Lessentiel.
Alphabet und Intel mit historischen Einbrüchen
Besonders hart traf es den Mutterkonzern von Google, Alphabet. Die Aktie erlebte den schlechtesten Tag in ihrer über zwanzigjährigen Börsengeschichte und verlor rund 13 Prozent an Marktwert, was einem Verlust von etwa 500 Milliarden Dollar entspricht.

Hauptgrund sind schwächer als erwartete Umsätze in der Sparte Google Services sowie ein spürbar nachlassendes Wachstum bei der klassischen Suche. Ein strukturelles Problem verschärft die Lage: Während Googles Geschäftsmodell auf bezahlten Links beruht, macht eine KI-Antwort diesen Zwischenschritt überflüssig. Google-Manager Philipp Schindler räumte ein, dass Anfragen im KI-Modus schlechter monetarisiert werden als herkömmliche Suchanfragen.
Auch andere Branchenriesen gerieten in den Abwärtssog.
Intel verbuchte den grössten Tagesverlust seit 52 Jahren und gab um 28,6 Prozent nach. Amazon verfehlte die Gewinnerwartungen und kündigte für das laufende Jahr Investitionen in Höhe von 220 Milliarden Dollar an, während der freie Cashflow des Konzerns mit 42,4 Milliarden Dollar negativ ist.
Apple unter Druck trotz Milliardengewinn
Selbst Apple konnte sich dem Marktumfeld trotz starker Finanzkennzahlen nicht entziehen. Der neue Konzernchef John Ternus präsentierte am Montag solide Zahlen: Das Unternehmen erwirtschaftete im vergangenen Jahr einen Gewinn von 132 Milliarden Dollar, was einem Anstieg von 18 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Im dritten Quartal kletterte der Umsatz um zwölf Prozent auf 114,5 Milliarden Dollar.
Dennoch gab die Aktie nachbörslich um rund vier Prozent nach. Belastet wird das üblicherweise lukrative Weihnachtsgeschäft durch stark steigende Preise für Speicherchips. Zudem enttäuschte der Ausblick auf das laufende Vierteljahr die Börse.
Auf seiner ersten Analystenkonferenz als CEO betonte John Ternus, dass Apple das iPhone in der KI-Ära als zentrales persönliches digitales Drehkreuz positionieren will, über das Nutzer auf Anwendungen zugreifen.
Globale Auswirkungen bis nach Tokio
Trotz der vorherrschenden Skepsis gibt es auch Stimmen, die auf weiteres Potenzial verweisen.
Adam Parker, Gründer des Analysehauses Trivariate Research, hält an seiner optimistischen Einschätzung fest und geht davon aus, dass ein entscheidender Wachstumstreiber der KI-Revolution erst noch bevorsteht.
Wenn die Leute nicht verstehen, wie schwer es sein wird, diese Modelle zu monetarisieren, dann ist das ein echtes Problem
, warnt Steve Sosnick.
Unser früherer Bericht: US-Märkte unter Druck durch Kursrutsch bei Tech- und KI-Werten
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