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Welt

Bayeux-Tapette in London: Kunstwerk aus dem 11. Jahrhundert

Der weltberühmte, fast 1000 Jahre alte Wandbehang von Bayeux ist am 10. September 2026 erstmals außerhalb Frankreichs in London ausgestellt worden. Die zehnmonatige Sonderschau im British Museum hat im Vereinigten Königreich einen wahren Besucheransturm und eine beispiellose Welle des öffentlichen Interesses ausgelöst.

Ein historischer Umzug nach London und der Ansturm der Besucher

Fast ein Jahrtausend nach den Ereignissen des Jahres 1066 hat das mittelalterliche Meisterwerk den Ärmelkanal überquert. Nach jahrelangen diplomatischen Verhandlungen zwischen London und Paris ist das Kunstwerk im Juli in der britischen Hauptstadt eingetroffen, wie die Berichterstattung über den Leihvertrag zeigt. Seit dem 10. September 2026 ist die Ausstellung offiziell für das Publikum geöffnet.

Das Interesse im Vereinigten Königreich ist enorm. Bereits vor der Eröffnung hatte das Museum rund 100.000 Tickets verkauft. Die erste Charge der Eintrittskarten war nach ihrer Freigabe am 1. Juli innerhalb weniger Stunden vergriffen und generierte Einnahmen von 2,5 Millionen Pfund, was etwa 3,4 Millionen US-Dollar entspricht. Eine weitere Verkaufsrunde ist für Oktober angesetzt.

Im British Museum ist der rund 70 Meter lange Wandbehang in einer maßgefertigten Vitrine untergebracht. Besucher erhalten ein Zeitfenster von 40 Minuten, um das Exponat von einer erhöhten Plattform zu betrachten, bevor sie über eine Treppe näheres Detail aus der Nähe betrachten können. Die Resonanz unter den ersten Gästen war emotional.

Es ist einfach magisch, nicht wahr? Pauline Gairey, Finanzfachfrau aus Wales, zitiert von Reuters

Viele Besucher erinnern sich an das Kunstwerk aus dem Schulunterricht. Richard Samuel, ein 60-jähriger Solicitor, zeigte sich nach dem Rundgang beeindruckt: Die Farbe ist immer noch so lebendig… es ist erstaunlich, dass sie so gut und so lange überlebt hat, berichteten Agenturen über seine Eindrücke nach Verlassen der Schau.

Kulturelle und diplomatische Dimensionen des Leihgeschäfts

Der temporäre Umzug des Kulturdenkmals ist nicht nur ein museales Ereignis, sondern auch ein bedeutender diplomatischer Meilenstein. Frühere Versuche, den Wandbehang nach Großbritannien zu holen – darunter Planungen für die Krönung von König Elizabeth II. im Jahr 1953 sowie zum 900. Jahrestag der Schlacht von Hastings im Jahr 1966 –, waren gescheitert.

Bayeux-Tapette in London: Kunstwerk aus dem 11. Jahrhundert
Photo: ibtimes.sg

Die aktuelle Ausstellung hat nach den politischen Spannungen der vergangenen Jahre eine stark symbolische Wirkung. König Charles III. bezeichnete die Vereinbarung bei einem Vorabbesuch an der Seite des französischen Präsidenten Emmanuel Macron als ein wertvolles Symbol des Vertrauens zu einer Zeit, in der Vertrauen zwischen Nationen bedauerlicherweise Mangelware zu sein scheint.

Der Leihverkehr beruht auf Gegenseitigkeit. Während der Wandbehang für zehn Monate in London verbleibt, entsenden britische Museen im Gegenzug die angelsächsische Sammlung von Sutton Hoo mit Helmen, Schildern und Metallkunstwerken aus dem siebten Jahrhundert nach Frankreich. Die Ausstellung im British Museum ist bis Juli 2027 angesetzt, während der Heimatort des Wandbehangs in der Normandie einer umfassenden Renovierung unterzogen wird.

Eine visuelle Erzählung von Krieg, Alltag und Gewalthandlungen

Technisch gesehen handelt es sich bei dem Objekt um eine Handarbeit aus farbiger Wolle auf Leinen und nicht um einen gewebten Wandteppich. Das Werk umfasst 627 menschliche Figuren und mehr als 700 Tiere sowie Schiffe, Gebäude und Waffen. Es dokumentiert die Vorgeschichte und die Ereignisse rund um die normannische Eroberung Englands im Jahr 1066 und die Niederlage von König Harold II.

Bayeux Tapestry on display in London after nearly 1,000 years

Michael Lewis, der Kurator der Ausstellung, beschrieb gegenüber Pressevertretern die Begeisterung der Briten: Ich denke, es ist ziemlich schwer, Franzosen die Aufregung im Vereinigten Königreich zu erklären, sagte Lewis, und fügte hinzu, die Briten seien von diesem Objekt geradezu fasziniert, da es für die nationale Geschichte von fundamentaler Bedeutung ist.

Neben den militärischen Szenen beleuchtet das Kunstwerk auch die menschlichen Kosten von Konflikten. Brendan Carr, Kurator am Reading Museum, hob eine besonders eindringliche Szene hervor, in der Soldaten ein Haus in Brand setzen, während eine Frau mit einem Kind flieht. Diese Darstellung sei so ergreifend, so zeitlos, so universell im Hinblick auf die unschuldigen Opfer des Krieges und lasse Parallelen zu heutigen Konflikten erkennen, die täglich über Fernsehbildschirme flimmern.

Wissenschaftliche Einblicke und die Begeisterung im öffentlichen Raum

Fachleute untersuchen seit Generationen die Machart und die Wirkung des Textils. Eine auf frühmittelalterliche Textilarchäologie spezialisierte Fachkraft, die am Katalog des British Museum mitgewirkt hat, weist in analytischen Beiträgen darauf hin, dass das Objekt im historischen Kontext als eine Art visueller Erzähler fungierte, der die mündliche Tradition der angelsächsischen Kultur festhielt.

A journalist looks at a section of the Bayeux Tapestry during the press preview at the British Museum in London, Britain
Photo: reuters.com

Im durch Luftzug bewegten Raum einer mittelalterlichen Burg oder Halle wirkte das Textil durch den wechselnden Lichteinfall kinetisch. Die Wollfäden hoben sich vom cremeweißen Leinen ab, wodurch Pferde in Galoppversuchen und im Wind wehende Haare den Eindruck einer lebendigen Chronik erweckten. Dieser immersive Charakter überträgt sich im Jahr 2026 auch auf das städtische Umfeld in London: Das Pub gegenüber dem Museum hat seinen Namen vorübergehend in „The Beer Tapestrygeändert, während Medien zahlreiche Sonderbeilagen veröffentlichen.

How is the Bayeux Tapestry still here after 1000 years?
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Anna Richter

Über den Autor

Anna Richter leitet das Weltressort von Germanic Nachrichten. Sie berichtet ueber internationale Politik, Diplomatie und geopolitische Entwicklungen mit Fokus auf Kontext, Verlaesslichkeit und Relevanz fuer deutschsprachige Leser.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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