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Welt

Venedig-Filmfestival: Entscheidung über Goldenen Löwen steht bevor

Das 83. Internationale Filmfestival in Venedig endet am Samstag mit der Verleihung der offiziellen Auszeichnungen, darunter der begehrte Goldene Löwe für den besten Film. Im Wettbewerb stehen 21 Produktionen, wobei der israelische Dokumentarfilm NAZA nach einer Rekord-Ovationsphase als ein herausragender Favorit gehandelt wird.

Favoriten und Rekorde im Wettbewerb um den Goldenen Löwen

Zum Abschluss des 83. internationalen Filmfestivals auf dem Lido entscheidet sich, an welche der 21 im Wettbewerb stehenden Produktionen die Jury den Goldenen Löwen vergibt. Unter der Leitung von Maggie Gyllenhaal als Jury-Vorsitzende bewertet das Gremium einen Mix aus aktuellen Themen, Hollywood-Produktionen und internationalen Werken. Zu den bemerkenswertesten Beiträgen gehört der als späte Festival-Ergänzung hinzugefügte Dokumentarfilm „Naza“, in dem israelische Militärvertreter und Geheimdienstler Einblick in den Krieg im Gaza-Streifen und die systematische Tötung palästinensischer Zivilisten geben. Das Werk der Regisseure Yuval Abraham und Rachel Szor löste bei seiner Premiere eine 25-minütige stehende Ovation aus – die bislang längste auf Rekordniveau, womit der Vorjahresrekord von 24 Minuten, der auf die Premiere von „The Voice of Hind Rajabfolgte, übertroffen wurde.

Neben der Vorsitzenden Gyllenhaal gehören Kaouther Ben Hania, die Regisseurin von „The Voice of Hind Rajab“ (das im Vorjahr den Silbernen Löwen als Runner-up-Preis erhielt), der englische Komponist Daniel Blumberg, der französische Filmemacher Xavier Giannoli, die afghanische Filmemacherin Shahrbanoo Sadat und der Regisseur aus Hongkong, Johnnie To, dem Gremium an. Zudem ist „Naza“ bemerkenswerterweise der einzige Dokumentarfilm im Wettbewerb und weist mit Rachel Szor, die sich die Regie mit Yuval Abraham teilt, eine von zwei weiblichen Regisseurinnen im diesjährigen Aufgebot auf. Ob sich das Gremium für diese brisante Produktion oder andere Favoriten entscheidet, bleibt vor der feierlichen Verleihung offen.””

Hollywood-Glanz und prominente Regiearbeiten auf dem Lido

Neben politischen Beiträgen sorgten auch Hollywood-Inhalte und internationale Star-Produktionen für begeisterte Reaktionen und lange Ovationen. Martin McDonagh kehrte mit der schwarzen Komödie „Wild Horse Nine“ nach Venedig zurück, in der John Malkovich einen alternden CIA-Agenten an der Seite von Sam Rockwell spielt. Die Handlung folgt zwei CIA-Agenten auf einer Reise nach Osterinsel kurz vor dem dortigen Militärputsch im Jahr 1973 in Chile. McDonaghs frühere Filme „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“ und „The Banshees of Inisherinfeierten ebenfalls ihre Premieren in Venedig, wo McDonagh jeweils Drehbuchpreise und einen Darstellerpreis für Colin Farrell erhielt, bevor beide Werke zu zahlreichen Oscar-Nominierungen und Erfolgen führten.””

Robert Pattinson poses for photographers at the red carpet for the film 'Primetime' during the 83rd edition of the Venice
Photo: wral.com

Ebenfalls für Gesprächsstoff sorgte der psychologische Thriller „Bunker“, der das reelle Paar Javier Bardem und Penélope Cruz wieder vor der Kamera vereint. Das von Florian Zeller geschriebene und inszenierte Werk – das die Spannungen in einer Ehe beleuchtet, als ein gefeierter Architekt gebeten wird, für einen Tech-Milliardär einen Luxusbunker zu bauen – erntete gemischte Kritiken, obwohl das Publikum eine über 14-minütige Beifallskundgebung darbot. Im internationalen Programm fand zudem das neueste Werk des südkoreanischen Regisseurs Lee Chang-dong Beachtung: „Possible Love“ zeichnet ein poetisches Porträt über Klasse und Arbeit, in dem die Darsteller Jeon Do-yeon, Sul Kyung-gu, Zo In-sung und Cho Yeo-jeong zwei Ehepaare – ein wohlhabendes und ein kämpfendes – spielen, die über einen Dokumentarfilm über entlassene Arbeiter in Korea miteinander verbunden werden.””

Historischer Kontext und die Bedeutung des Festivals

Die diesjährige Ausgabe knüpft an eine traditionsreiche Geschichte an. Gegründet im Jahr 1932, war das Filmfest in Venedig von Beginn an eng mit den kulturellen Zielen des faschistischen Staates und nationalen Bestrebungen verknüpft, nachdem die Veranstaltung zuvor ab 1930 direkt von der venezianischen Gemeinde autonom gemacht worden war. Nach dem Zweiten Weltkrieg erholte sich das Filmfest und führte in den 1950er Jahren westlichem Publikum das Schaffen von Regisseuren aus aller Welt vor Augen, wobei Akira Kurosawa 1951 für „Rashomon“ und Satyajit Ray 1957 für „Aparajitoden Goldenen Löwen gewannen.

Venice Film Festival LIVE | Opening Ceremony LIVE | George Clooney Receives Golden Lion Award

Unter der akribischen Leitung des Filmtheoretikers Luigi Chiarini blühte die Veranstaltung in den 1960er Jahren auf, ehe die gesellschaftlichen Umbrüche des Jahres 1968, geprägt durch Studentenrevolten und den Wunsch nach einer Erweiterung der Kultur, das Festival erschütterten. Demonstranten kritisierten damals die elitäre Programmgestaltung und die faschistischen Ursprünge der Veranstaltung mit Plakaten mit der Aufschrift „Mostra fascista?“ („Eine faschistische Veranstaltung?“). Dies führte zu einer Dekade der Orientierungslosigkeit und der Ambivalenz für das älteste Filmfestival der Welt, das in dieser Form verharren sollte, bis Carlo Lizzani im Jahr 1979 die Leitung übernahm und die Institution neu ausrichtete.””

Venice Film Festival 2025, 09/01/25, Kim Novak receiving the Golden Lion for Lifetime Achievement
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Anna Richter

Über den Autor

Anna Richter leitet das Weltressort von Germanic Nachrichten. Sie berichtet ueber internationale Politik, Diplomatie und geopolitische Entwicklungen mit Fokus auf Kontext, Verlaesslichkeit und Relevanz fuer deutschsprachige Leser.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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