Zum Inhalt springen
Welt

Huthis erlangen vollständige Kontrolle über Bab al-Mandeb

Die mit dem Iran verbündete Huthi-Miliz hat im Zuge einer groß angelegten Offensive die vollständige Kontrolle über die strategisch wichtige Meerenge Bab al-Mandab am südlichen Ende des Roten Meeres erlangt. Nach dem Rückzug der Regierungstruppen übernahm die Miliz laut Angaben eines Vertreters der international anerkannten jemenitischen Regierung sowohl die Küste als auch die verbleibenden Inseln in dem Gebiet vollständig.

Huthi-Miliz erlangt nach Offensive vollständige Kontrolle über Bab al-Mandab

Zuvor hatten die Huthis die historisch bedeutsame Hafenstadt Mokka sowie den Ort Dhuhab eingenommen. Nach tagelangen Bodenkämpfen fuhren bewaffnete Kämpfer in Pick-ups in Mokka ein. Darüber hinaus meldeten Medien die Einnahme des Militärstützpunkts al-Omari sowie mehrerer strategisch wichtiger Inseln, darunter Mayyun – auch als Perim bekannt – und Zuqar. Die jemenitische Armee reagierte mit Luftangriffen auf Kämpfer in Mokka, während die jemenitischen Streitkräfte ihre Truppen südlich der Stadt neu formierten. Laut den Vereinten Nationen sind in den vergangenen Tagen Zehntausende Zivilisten aus dem Kampfgebiet geflohen.

Geopolitische Bedeutung und globale Handelswege unter Druck

Die Meerenge Bab al-Mandab, die an manchen Stellen nur rund 20 bis 27 Kilometer breit ist, verbindet den Golf von Aden mit dem Roten Meer und bildet den kürzesten Schifffahrtsweg vom Mittelmeer über den Suezkanal in den Indischen Ozean. Durch die vollständige Kontrolle über die jemenitische Küstenlinie an der Meerenge verfügen die Huthis über einen entscheidenden Hebel, um den internationalen Schiffsverkehr auf dieser zentralen Handelsroute zu stören oder einzuschränken.

Die Bedeutung der Route hat im Zuge des Irankriegs und der weitgehenden Blockade der Straße von Hormus massiv zugenommen. Saudi-Arabien hatte den Ölexport in Teilen von seiner Ostküste an das Rote Meer verlagert. Die Durchfahrt ist besonders zentral für den Transport von Rohöl nach Ostasien; zu den wichtigsten Abnehmern zählen China, Indien, Japan und Südkorea. Die internationalen Ölpreise reagierten auf die Eskalation: Die Referenzsorte Brent-Öl stieg um bis zu 4,6 Prozent auf nahezu 108 Dollar je Barrel.

Hintergrund des erneuten Aufflammens und Seeblockade

Die Kämpfe im Jemen sind seit Anfang Juli wieder voll entbrannt, nachdem die Huthis versucht hatten, ein Flugzeug von Teheran nach Sanaa zu schicken, was den seit 2022 bestehenden, von den Vereinten Nationen vermittelten Waffenstillstand zunichtegemachte. Im selben Monat hatten die Rebellen eine Seeblockade gegen saudi-arabische Schiffe verhängt. Ein Sprecher der Miliz bekräftigte, dass die Schifffahrt durch die Meerenge für alle Unternehmen sicher bleibe, mit Ausnahme saudi-arabischer Schiffe, für die bereits ein Verbot gilt.

Ein Vertreter des Politbüros erklärte ferner, die Operationen seien defensiver Natur und es bestehe kein Anlass zu internationaler Sorge. Die Kämpfe würden erst enden, wenn Angriffe auf den Jemen aufhören und die Blockade des Landes aufgehoben werde.

Reaktionen der Bundesregierung und internationale Solidarität

Die Bundesregierung verurteilte den Vorstoß der Huthis scharf. Ein Sprecher des Auswärtigen Amts in Berlin nannte die Entwicklungen besorgniserregend und kritisierte, dass die Miliz gemeinsam mit dem Iran versuche, die internationale Schifffahrt in Geiselhaft zu nehmen, auf Energieanlagen in Saudi-Arabien ziele und die Regierung des Jemens ins Visier nehme. Verwiesen wurde zudem auf mögliche negative Auswirkungen auf die weltweite Versorgungslage.

Huthis erlangen vollständige Kontrolle über Bab al-Mandeb
Photo: ZEIT

Aus Teheran hingegen erhielten die Rebellen Glückwünsche. Der iranische Vizepräsident Mohammed Resa Aref gratulierte der Miliz auf X zu ihren Fortschritten, während ein Berater des iranischen obersten Führers den Vormarsch als überragenden Sieg bezeichnete.

Huthis rücken an strategischer Meerenge Bab al-Mandab vor
Teilen Facebook X WhatsApp E-Mail
Anna Richter

Über den Autor

Anna Richter leitet das Weltressort von Germanic Nachrichten. Sie berichtet ueber internationale Politik, Diplomatie und geopolitische Entwicklungen mit Fokus auf Kontext, Verlaesslichkeit und Relevanz fuer deutschsprachige Leser.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

Schreibe einen Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.