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Unterhaltung

Österreichischer Musiktheaterpreis: Anja Silja und Markus Hinterhäuser geehrt

Im weihevollen Ambiente der Wiener Votivkirche sind am Dienstagabend beim 14. Österreichischen Musiktheaterpreis die Gewinner geehrt worden. Zu den prämierten Künstlerinnen und Künstlern der Gala am 8. September 2026 zählen die 86-jährige Sopranlegende Anja Silja als Lebenswerk-Preisträgerin sowie Asmik Grigorian und Michael Spyres in den Hauptrollen.

Die Verleihung bot in diesem Jahr nicht nur Glanz, sondern geriet zu einer durchaus politischen Kundgebung. Mehrere Redner nutzten die Bühne für deutliche Worte zur Lage der Kulturpolitik in Österreich.

Kritik an der Kulturpolitik bei der Preisgala in Wien

Besonders der mit dem Großen Preis der Jury ausgezeichnete, geschasste Salzburger Ex-Festspielintendant Markus Hinterhäuser sorgte mit seinem Auftritt für Aufhorchen. Von den Festspielen hatte man sich im März nach langen Diskussionen getrennt. Hinterhäuser rechnete in seiner Reaktion unmissverständlich ab: Die Kunst ist so viel größer als der Kleingeist der Politik, machte der 68-Jährige deutlich.

Die Jury unter Vorsitz von Kulturredakteur Heinz Sichrovsky hatte die Ehrung für Hinterhäuser zuvor mit dessen programmatischer Weitsicht begründet. Als Laudator fungierte der Starschriftsteller Christoph Ransmayr, der dem Weggefährten den tibetischen Gruß Tashi Delek als Wunsch des inneren und äußeren Glücks entgegenbot. Auch der im Juli überraschend nicht im Amt verlängerte Grazer Opernintendant Ulrich Lenz kritisierte die Verantwortlichen in einer Dankesrede scharf.

Lenz bemängelte, dass es in dem Bereich Entscheidungsträger gebe, denen die Qualität dessen, was wir machen, blunzenwurscht ist. Solche kurzsichtigen Einsparungen würden lediglich zum Zwecke des eigenen Machterhalts getroffen, so Lenz weiter, ohne konkrete Namen zu nennen.

Asmik Grigorian und Michael Spyres holen Hauptrollen-Trophäen

Neben den kulturpolitischen Tönen standen herausragende künstlerische Leistungen im Mittelpunkt der Verleihung. In der Sparte der weiblichen Hauptrolle triumphierte Asmik Grigorian für ihre Interpretation der Titelpartie in der Norma am Musiktheater an der Wien. Die 45-jährige Litauerin hatte einst mit ihrer Darbietung in der Salome bei den Salzburger Festspielen ihren internationalen Durchbruch gefeiert.

Den Preis als beste männliche Hauptrolle sicherte sich der 1979 geborene US-Amerikaner Michael Spyres. Er wurde für seine Leistung als Giovanni Pierluigi Palestrina in Palestrina an der Wiener Staatsoper gewürdigt. In seiner Dankesrede lobte er das Gastland: Österreich ist eines der großartigsten Länder der Welt, weil man hier versteht, dass Kunst ein richtiger Beruf ist.

Die Gewinner in den Sparten Regie, Dirigat und Produktionen

In den Nebenrollenkategorien wurden Patricia Nolz für ihre Darbietung als Silla in Palestrina an der Staatsoper sowie Jörg Schneider als Doktor in Drei Schwestern bei den Salzburger Festspielen ausgezeichnet. Den Titel des besten Regisseurs nahm Claus Guth für seinen Blaubart und Die menschliche Stimme bei den Festspielen Erl entgegen, während Maxime Pascal für die Drei Schwestern in Salzburg als bester Dirigent geehrt wurde.

In den institutionellen Wertungen lagen die Salzburger Festspiele und die Volksoper Wien mit jeweils drei Ehrungen an der Spitze. Das Tiroler Landestheater und die Wiener Staatsoper folgten mit je zwei Auszeichnungen. Die Renommierkategorie der besten Gesamtproduktion Oper ging nach Salzburg für das von Raphaël Pichon konzipierte Mozart-Projekt Zaide.

Lebenswerk-Ehrungen für Anja Silja und Leo Nucci

Abseits der tagesaktuellen Debatten standen die Würdigungen für langjährige Meilensteine im Musiktheater im Vordergrund. Die 86-jährige deutsche Sopranistin Anja Silja nahm persönlich den Preis für ihr Lebenswerk entgegen. Karl-Michael Ebner, Gründer und Präsident des Österreichischen Musiktheaterpreises, begründete die Auszeichnung in einer Erklärung mit der einzigartigen Haltung der Künstlerin.

Österreichischer Musiktheaterpreis: Anja Silja und Markus Hinterhäuser geehrt
Photo: operawire.com

„Anja Silja didn’t interpret roles, she made them her own — with a directness that was often foreign to the musical theatre of her generation… Where others sought fidelity to the work, she sought access to the character, its contradictions, its depths. It is this unconditional commitment to the role that we are honoring with the ‘Lifetime Achievement’ Prize.“

Austrian Music Theatre Prize
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Sophie Krueger

Über den Autor

Sophie Krueger leitet das Unterhaltungsressort von Germanic Nachrichten. Ihr Schwerpunkt liegt auf Film, Streaming, Popkultur und prominenten Entwicklungen mit redaktioneller Einordnung und sauberer Quellenlage.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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