Zum Inhalt springen
Welt

Nepal-China-Grenzgebiet: Todesopfer nach Gletscherabbruch auf 469 gestiegen

Nach einem Gletscherabbruch und verheerenden Schlammlawinen im Grenzgebiet zwischen Nepal und Tibet ist die offizielle Zahl der Todesopfer auf mindestens 469 gestiegen. Während Rettungskräfte nach Hunderten Vermissten suchen, droht an der Grenze durch einen überlaufenden, neu gebildeten Barriere-See akute Gefahr für Evakuierungen.

Die katastrophale Sturzflut, die am Mittwoch das Himalaya-Grenzgebiet zwischen Nepal und China traf, hat laut offiziellen Behördenangaben am Freitag zu einem drastischen Anstieg der Opferzahlen geführt. Wie die Polizei in Kathmandu bestätigte, stieg die Zahl der Toten auf nepalesischer Seite auf 469 an, nachdem Rettungskräfte im Schlamm und den Trümmern weitere Leichen geborgen hatten (die AP-Meldung enthält die aktuellen Polizeidaten). Auf tibetischer Seite meldeten chinesische Behörden bislang drei Todesopfer, während die Zahl der insgesamt Vermissten in beiden Ländern die Marke von 1.500 überschreitet.

Gletscherabbruch und verheerende Schlammlawinen im Grenzgebiet

Die Naturkatastrophe ereignete sich, als der untere Teil eines Gletschers nahe dem Gipfel des Langtang Lirung in sich zusammenbrach (rekonstruiert eine detaillierte Auswertung der Satellitenbilder). Die freigesetzte seismische Energie entsprach laut dem United States Geological Survey keinem Erdbeben, sondern der Wucht herabstürzenden Eises und Gesteins. Eine gewaltige Lawine wälzte sich den Fluss Lhende Khola hinab und riss im nepalesischen Grenzort Timure sowie im chinesischen Gyirong Port ganze Straßenzüge, Verwaltungsgebäude und Brücken mit sich.

Guo Zhaocheng, Geologe der chinesischen Regierung, bezifferte die Geschwindigkeit des herabstürzenden Schlammstroms auf etwa 50 Meter pro Sekunde (berichtet über die Berechnungen der Geologen).

Hunderte Vermisste und betroffene Staatsangehörige aus aller Welt

Unter den Tausenden von Betroffenen befinden sich zahlreiche ausländische Touristen, Trekking-Reisende und Pilger, die sich in den Tälern aufhielten. Laut Angaben der nepalesischen Tourismusbehörde werden allein 644 ausländische Staatsangehörige vermisst (berichtet das Außenministerium und die Tourismusbehörde in Kathmandu). Die Liste umfasst Staatsbürger aus verschiedenen Nationen, darunter mindestens 65 US-Amerikaner (bestätigte der Tourismusdirektor gegenüber CBS News) sowie nach Angaben des indischen Außenministeriums fast 288 vermisste Inder (berichtet die Nachrichtenagentur dpa via Zeit Online).

Alt text for share image
Photo: Reuters

Regierungschefs auf internationaler Ebene reagierten auf die Dimensionen des Unglückszuges. US-Präsident Donald Trump erklärte im Weißen Haus, man habe den nepalesischen Führungspersonen jegliche Unterstützung zugesichert (berichtet das US-Netzwerk).

Neuer Barriere-See an der Grenze bedroht Rettungsarbeiten

Zusätzlich zur laufenden Suche nach Verschütteten sorgt ein neu entstandener See für äußerste Beunruhigung. Nach dem Schlamm- und Eisabbruch staute sich Wasser an einer natürlichen Barriere, die nun unkontrolliert überzulaufen droht (warnt der staatliche Rundfunk CCTV). Das chinesische Ministerium für Wasserressourcen teilte mit, dass der See ein Volumen von rund zwei Millionen Kubikmetern aufwies und in den kommenden Tagen weitere drei Millionen Kubikmeter hinzukommen könnten (berichtet AP über die Prognosen aus Peking).

Barrier lake formed near Nepal and Tibet border
Photo: BBC

Die Wassermenge nimmt weiter zu, und damit auch das Risiko. Zhu Jinfeng, Hydrologischer Experte im chinesischen Wasserministerium, via CCTV

Wegen dieser akuten Gefahr mussten Rettungsteams ihre Arbeit in einigen gefährdeten Abschnitten nahe dem Grenzport Gyirong vorübergehend einstellen (berichtet Al Jazeera aus Peking). Die nepalesischen Behörden forderten die Bevölkerung in den potenziell betroffenen Flusstälern auf, sich umgehend in höher gelegene Regionen in Sicherheit zu bringen.

Massive Evakuierungen und Logistikprobleme im unwegsamen Gelände

Die Rettungskräfte stehen vor gigantischen logistischen Hürden, da Straßen durch Schlamm und Geröll für schweres Gerät unpassierbar sind (schildern Korrespondenten aus dem Katastrophengebiet). Die nepalesische Armee hat Zehntausende Sicherheitskräfte mobilisiert und hunderte Überlebende per Hubschrauber ausgeflogen. Nach Angaben des Nationalen Zentrums für Katastrophenschutz und Risikoreduktion wurden allein bis Freitag mehr als 3.200 Menschen auf dem Luftweg in Sicherheit gebracht (aktualisieren die Behörden in Kathmandu).

Tote und Verletzte nach Sturzflut in Nepal und China #nepal #china #flutwelle #news #tagesschau

Besondere Sorge bereitet den Einsatzkräften ein Wasserkraftprojekt am Upper Trishuli-1, wo Menschen in einem von Schlamm eingeschlossenen Tunnel vermutet werden (berichtet der Armeesprecher Brigadegeneral Raja Ram Basnet). Es ist kompliziert, die Ein- und Ausgänge des Tunnels zu finden, weil alles von Schlamm bedeckt ist, erklärte Basnet gegenüber Journalisten (bestätigte das Militär in Kathmandu).

Teilen Facebook X WhatsApp E-Mail
Anna Richter

Über den Autor

Anna Richter leitet das Weltressort von Germanic Nachrichten. Sie berichtet ueber internationale Politik, Diplomatie und geopolitische Entwicklungen mit Fokus auf Kontext, Verlaesslichkeit und Relevanz fuer deutschsprachige Leser.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

Schreibe einen Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.