Bei massiven russischen Luftangriffen auf Kiew und das Umland sowie auf ein Einkaufszentrum in Krywyj Rih sind nach Behördenangaben am Wochenende Dutzende Menschen getötet und verletzt worden. Gleichzeitig weiteten sich die ukrainischen Drohnenangriffe auf russisches Gebiet aus, wobei erstmals auch der Onlinehändler Ozon getroffen wurde.
Während die ukrainische Luftabwehr nach Angaben der Luftwaffe einen Grossteil der in Richtung Kiew abgefeuerten Drohnen abfangen konnte, schlugen ballistische Raketen ungehindert ein und forderten zahlreiche Menschenleben. Nach Angaben von Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko starben in der Hauptstadt mindestens 13 Zivilisten bei den nächtlichen Bombardements.
Nach einem russischen Angriff auf ihren Wohnblock musste diese Frau die Nacht auf der Straße verbringen
Tödliche Angriffe auf Krywyj Rih und Kiew
Olexander Hanscha meldet Opfer in Krywyj Rih
Besonders schwere Verluste verzeichnet die ukrainische Stadt Krywyj Rih. Nach Angaben des regionalen Militärgouverneurs Olexander Hanscha stieg die Zahl der Todesopfer durch einen gezielten Angriff auf ein belebtes Einkaufszentrum auf mindestens 16 während die Zahl der Verletzten auf über 130 anstieg. Unter den Verletzten befinden sich zahlreiche Kinder, und Rettungskräfte suchten weiter nach Vermissten. Der ukrainische Zivilschutz sprach am Morgen von noch neun Vermissten, darunter zwei Kinder. Regionalgouverneur Olexandr Hanscha teilte mit, dass 22 beziehungsweise 23 Kinder unter den Verletzten seien, während 29 Personen schwerste Verletzungen erlitten, unter ihnen fünf Kinder.
Präsident Wolodymyr Selenskyj teilte bei Telegram mit, dass die Such- und Rettungsarbeiten andauerten, und erklärte: „Eine halbe Stunde nach dem ersten Treffer und dem Ausbruch eines Brandes folgte ein erneuter Angriff auf die Rettungskräfte.“ Er verwies auf eine zweite Drohne, die eine halbe Stunde nach dem ersten Einschlag in das Gebäude eingeschlagen sei. Selenskyj bezeichnete den Angriff auf seine Heimatstadt als „Terrorakt“ und sprach von einer „absoluten Grausamkeit“ der Russen: „Das sind einfach Bestien.“ Er betonte zudem in einem Beitrag auf Facebook: „Wir werden sie dafür auf jeden Fall zur Rechenschaft ziehen.“ In Saporischschja seien drei Menschen bei einem russischen Drohnenangriff auf einen Stadtbus verletzt worden. Selenskyj appellierte erneut an die Verbündeten, Abfangraketen für das Flugabwehrsystem Patriot zu liefern, damit das Land Leben schützen könne.”””””

Präsident Wolodymyr Selenskyj verurteilte die Vorgehensweise scharf und wies darauf hin, dass die zweite Welle gezielt den Rettungskräften galt die nach dem ersten Einschlag im Einsatz waren. Neben der Hauptstadt und Krywyj Rih meldeten die Behörden auch in Saporischschja sowie in der Region Mykolajiw Tote und Verletzte durch russische Artillerie- und Drohnenangriffe wie das Innenministerium mitteilte. Russland griff in der Nacht erneut auch die ukrainische Hauptstadt Kiew an, wobei nach Angaben der Behörden mindestens ein Mensch getötet und weitere verletzt wurden und ein Lager in Brand geriet. Nach Angaben des russischen Verteidigungsministeriums wurde ein Eisenbahndepot mit Lokomotiven getroffen, was die Ukraine bestätigte. Die ukrainische Flugabwehr hatte zuvor vor einem Angriff mit ballistischen Raketen gewarnt.
Erster Drohnenangriff auf den Onlineversandhändler Ozon in Samara
Ozon bestätigt Angriff in der Region Samara
Im Gegenzug setzte die Ukraine ihre Angriffe auf russisches Staatsgebiet und besetzte Gebiete fort. Dabei geriet nach übereinstimmenden Medienberichten erstmals der zweitgrösste russische Online-Versandhändler Ozon ins Visier wobei ein Logistikzentrum in der Region Samara getroffen wurde. Das Unternehmen bestätigte den Angriff auf seine Anlage, woraufhin das Logistikzentrum in Brand geriet und rund 500 Mitarbeiter in Sicherheit gebracht werden mussten wobei auch Verletzte zu beklagen waren. Der Betrieb an dem Standort wurde vorübergehend eingestellt.

Zusätzlich zielten ukrainische Drohnenschläge auf eine grosse Ölraffinerie im Gebiet Samara während russische Offizielle den Treffer allgemein als Industrieanlage bestätigten. Die Angriffe sind Teil einer breiter angelegten Kampagne gegen die wirtschaftliche und industrielle Infrastruktur, die Russlands Kriegführung unterstützt nachdem zuvor bereits der Konkurrent Wildberries wiederholt ins Visier geraten war. Russische Offizielle sprachen nicht explizit von einer Ölraffinerie, sondern nur allgemein von einer Industrieanlage. Ozon ist Russlands zweitgrößter Onlineversandhändler, und es ist der erste bekannte Angriff auf das Unternehmen, nachdem die Ukraine zuvor wochenlang mit Drohnen den größeren Konkurrenten Wildberries angegriffen hatte.
Reaktionen aus Moskau und militärische Aussichten
Wladimir Putin spricht auf dem Parteitag von Geeintes Russland
In Moskau schwor Präsident Wladimir Putin auf einem Parteitag der Kremlpartei Geeintes Russland das Land auf eine Fortsetzung des Krieges ein und betonte die Bedeutung des Zusammenhalts sowie des Mutes der Soldaten. „Im Moment hängt sehr viel von unserem Zusammenhalt ab, vom Mut der russischen Soldaten und Offiziere sowie von jedem Einzelnen, der an seinem Platz gewissenhaft arbeitet, um zum Sieg beizutragen“, sagte Putin in Moskau. Parteichef Dmitri Medwedew, der auch Vizechef des nationalen Sicherheitsrates ist, betheuerte: „Russland wird sich immer mehr Gebiete zurückholen. Unsere tapfere Armee bestätigt das stets aufs Neue.“ Zugleich meldeten die Behörden der russischen Hauptstadt neue Drohneneinsätze, die vorübergehend zu Einschränkungen und Sperrungen auf den Moskau nahegelegenen Flughäfen führten während örtliche Stellen im Südwesten des Landes mindestens sechs getötete Zivilisten in der Region bestätigten. Bei ukrainischen Drohnenschlägen im Süden des Landes wurden nach russischen Angaben mindestens vier Zivilisten getötet und mehrere Menschen verletzt. In Jeisk im Gebiet Krasnodar wurden bei einem Angriff drei Menschen getötet, darunter zwei Kinder, wie Gouverneur Weniamin Kondratjew mitteilte, nachdem er zuvor von zwei Toten gesprochen hatte und im Krankenhaus nun einer der Verletzten gestorben war. Der ukrainische Generalstab bestätigte den Angriff und erklärte, ein Kraftstofflager sei das Angriffsziel gewesen.””
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