Bei einem russischen Drohnenangriff auf ein Einkaufszentrum in Krywyj Rih, der Heimatstadt von Präsident Wolodymyr Selenskyj, sind am Freitag mindestens 16 Menschen getötet und über 130 verletzt worden.
Ein gezielter „Double-Tap“-Angriff auf Krywyj Rih
Der Angriff ereignete sich am Freitagnachmittag gegen 16:30 Uhr. Laut lokalen Behörden, darunter der Leiter des Verteidigungsrates von Krywyj Rih, Oleksandr Wilkul, setzten die russischen Streitkräfte bei dem Angriff auf das Einkaufszentrum Drohnen ein, die in zwei Wellen angriffen. Die zweite Drohne schlug etwa eine halbe Stunde nach der ersten ein, just zu einem Zeitpunkt, als Rettungskräfte bereits vor Ort waren, um Überlebende zu bergen und Erste Hilfe zu leisten.
Präsident Wolodymyr Selenskyj bezeichnete das Vorgehen als absolut zynischen und verabscheuungswürdigen Schlag gegen ein gewöhnliches Einkaufszentrum. Er betonte, dass die gezielte Attacke auf Notfallhelfer den terroristischen Charakter des Angriffs unterstreiche. Der Regionalgouverneur Oleksandr Hanzha bestätigte, dass sich unter den 130 Verletzten 23 Kinder befanden; 29 Personen, darunter fünf Kinder, befanden sich in einem ernsten Zustand.
Reaktionen und internationale Einordnung
Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas verurteilte den Angriff als Terror durch Design und kündigte an, im kommenden Monat in Irland weitreichende Sanktionen gegen Russland vorzulegen. Sie warf Moskau vor, ukrainische Städte systematisch unbewohnbar machen zu wollen.
Angriffe wie diese sind nichts anderes als terroristische Akte. Wir werden definitiv reagieren. Wolodymyr Selenskyj, Präsident der Ukraine, via Telegram
Dmitro Lubinez, der ukrainische Menschenrechtsbeauftragte, unterstrich, dass Russland gezielt Orte angreife, an denen sich Zivilisten aufhielten. Er erklärte, dass es für Russland keinen Unterschied mache, ob Menschen dort einkauften, arbeiteten oder Zeit mit ihren Angehörigen verbrächten. Der ukrainische Innenminister Iwan Wyhiwskyj berichtete, dass die Löscharbeiten durch die ständige Gefahr weiterer Angriffe massiv behindert wurden, während ein Drittel des Gebäudekomplexes in Flammen stand.
Hintergrund: Eskalation der Luftangriffe
Der Angriff in Krywyj Rih ist Teil einer Serie von russischen Luftschlägen, die in den vergangenen Monaten intensiviert wurden. Allein am Freitag wurden bei weiteren russischen Angriffen in den Regionen Charkiw und Mykolajiw insgesamt 21 Menschen getötet. Die ukrainischen Streitkräfte gaben an, in der Nacht zuvor 107 von 135 russischen Drohnen abgefangen oder neutralisiert zu haben.
Krywyj Rih, eine Industriestadt etwa 60 Kilometer von der Frontlinie entfernt, ist seit Beginn des Krieges wiederholt Ziel russischer Angriffe geworden. In der Vergangenheit ereignete sich bereits im April 2025 ein schwerer Vorfall, bei dem 20 Menschen, darunter neun Kinder, durch einen ballistischen Raketenangriff ums Leben kamen.
| Region | Datum | Opferzahl (gemeldet) |
|---|---|---|
| Krywyj Rih | 21. August 2026 | 16 Tote |
| Mykolajiw | 21. August 2026 | 4 Tote |
| Charkiw | 21. August 2026 | 2 Tote |
Diplomatische Bemühungen und ausstehende Reaktionen
Während die Bergungsarbeiten an der Unglücksstelle in Krywyj Rih andauern, bereitet sich Kiew auf ein Treffen der sogenannten „Koalition der Willigen vor, das am 24. August anlässlich des Unabhängigkeitstages stattfinden soll. Zu den Teilnehmern zählen unter anderem der französische Präsident Emmanuel Macron, der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz und der britische Premierminister Andy Burnham.

Das Treffen soll die Unterstützung für die Ukraine bekräftigen, während das Land weiterhin unter dem Druck knapper Luftverteidigungssysteme steht. Die ukrainische Regierung hofft, dass der internationale Druck auf Moskau durch konkrete Verantwortungsübernahme und weitere Sanktionen zunimmt.