Nach einer gewaltigen Explosion in einem Mehrfamilienhaus im Regensburger Kasernenviertel haben Einsatzkräfte am Donnerstag zwei Leichen in den Trümmern geborgen. Bei dem Vorstoß nach mehr als 35 Stunden Ungewissheit bestätigte die Polizei den Fund, während die Ursache für das Unglück vom 28. Oktober 2026 weiterhin unklar bleibt.
Die Rettungskräfte mussten tagelang warten, bevor sie das stark beschädigte Gebäude überhaupt betreten konnten. Wegen akuter Einsturzgefahr sicherte das Technische Hilfswerk (THW) das vierstöckige Reihenhaus in der Von-Reiner-Straße die gesamte Nacht über mit einer aufwendigen Holzkonstruktion ab und schloss die Stabilisierungsarbeiten am Morgen ab. Kurz nach Mittag stießen Einsatzkräfte beim Wegräumen von Schutt im Inneren mit einem Bagger auf den ersten leblosen Körper und fanden kurz darauf eine zweite Leiche.
An dem Großeinsatz waren neben rund 150 Feuerwehrleuten auch etwa 170 Helfer des Rettungsdienstes und des Technischen Hilfswerks sowie mehr als 60 Polizisten beteiligt. Christoph Tresch von der Feuerwehr Regensburg berichtete während der Brandbekämpfung vor Ort, dass sich die Einsatzkräfte zunächst darauf konzentrierten, eine Ausbreitung der Flammen auf den gesamten Dachstuhl sowie auf benachbarte Gebäude zu verhindern, was mit Unterstützung einer Drohne erfolgreich gelang. Um die sterblichen Überreste aus der Ruine abtransportieren zu können, wurde der zur Von-Reiner-Straße ausgerichtete Gebäudeteil aus Pietätsgründen abgeschirmt.
Identifizierung der Toten steht nach Bergung noch aus
Um wen es sich bei den beiden geborgenen Menschen konkret handelt, ist bislang nicht geklärt. Die Identifizierung der zweiten Person war unmittelbar nach dem Fund zunächst nicht möglich, weshalb die Behörden darauf verwiesen, dass die Identität der Leichname wahrscheinlich durch eine Obduktion festgestellt werden muss.

Im Moment gehen wir davon aus, dass wir zwei vermisste Personen haben – und haben zwei Leichen aufgefunden hier im Gebäude.
Michael Graf, Polizeisprecher
Die Explosion hatte in den frühen Morgenstunden gegen 4 Uhr einen lauten Knall ausgelöst, den besorgte Anwohner an die Einsatzkanzlei der Polizei meldeten. Kurz darauf stand das Mehrfamilienhaus in Vollbrand. Insgesamt wurden bei dem Unglück nach Angaben der Behörden mindestens fünf Menschen teils schwer verletzt; ein betroffener Polizist erlitt zudem eine Rauchvergiftung, konnte das Krankenhaus nach ambulanter Behandlung jedoch wieder verlassen.
Ermittler prüfen Gasaustritt und suchen nach Videomaterial
Die Ursache für die Detonation ist auch Tage nach dem Vorfall noch völlig offen. Neben Brandermittlern und Spezialisten des Bayerischen Landeskriminalamtes durchsuchte auch eine Einsatzhundertschaft das umliegende Trümmerfeld nach Hinweisen. Erste Anhaltspunkte deuten nach Angaben der Polizei jedoch darauf hin, dass das Geschehen mit Gas in Verbindung stehen könnte.
Ob es sich um einen technischen Defekt, einen Unfall oder eine vorsätzliche Brandstiftung handelte, müssen die weiteren Untersuchungen klären, die am Freitag fortgesetzt werden.
Komplette Sperrung des Gebäudekomplexes und Notunterkünfte
Der betroffene Gebäudeteil ist so schwer beschädigt, dass er auf jeden Fall komplett abgerissen werden muss. Auch Bewohner unmittelbar angrenzender Häuser mussten zeitweise ihre Wohnungen verlassen.
Im nahe gelegenen Antoniushaus richteten die Einsatzkräfte eine Betreuungsstelle ein, um die betroffenen Anwohner zu erfassen und zu befragen. Für weitere Anwohner organisierte die Stadt Regensburg über ihre Internetpräsenz alternative Unterkunftsangebote.