Der BSC Young Boys hat am Samstag in der 12. Super-League-Runde seine erste Saisonniederlage hinnehmen müssen. Vor 29’746 Zuschauern im Wankdorf unterlag der Tabellenzweite dem FC Zürich mit 3:5. Die Berner boten dabei eklatante Abwehrschwächen und gaben eine zwischenzeitliche 3:2-Führung nach der Pause komplett aus der Hand.
Nach zwei Zu-Null-Siegen sind die Young Boys im alten Fahrwasser angekommen und kämpfen wieder massiv mit Defensivproblemen. Das Team von Trainer Gerardo Seoane zeigte sich nach dem Seitenwechsel viel zu passiv und wurde von engagierten Gästen gnadenlos bestraft.
Torreiches Spektakel in einer wilden ersten Halbzeit
Bereits der erste Durchgang bot den Zuschauern im bitterkalten Berner Wind ein Offensivfeuerwerk mit fünf Treffern. Wer das Stadion wegen eines Gangs zur Toilette kurz verlassen musste, verpasste das Wesentliche. Nach einer knappen Viertelstunde brachte Philippe Kény den FC Zürich per Handspenalty in Führung, nachdem YB-Akteur Dominik Pech den Ball an den Arm bekommen hatte und Schiedsrichter Urs Schnyder nach VAR-Studium auf den Punkt zeigte.

Die Berner schlugen jedoch zurück. Lewin Blum flankte in der 22. Minute in den Strafraum, wo der sträflich allein gelassene Liga-Topskorer Samuel Essende zum Ausgleich einköpfelte. Nur drei Minuten später schickte Robin Hack den Spieler Umeh Emmanuel steil, der YB-Hüter Marvin Keller zum 1:2 überloppte. Die Partie wogte weiter hin und her: Bahereba Guirassy bereitete den erneuten Ausgleich durch Essende in der 29. Minute mustergültig vor, bevor Alvyn Sanches kurz vor der Pause einen Konter zum 3:2 für die Hausherren abschloss.
Zürcher Doppelschlag nach der Pause besiegelt Berner Pleite
Die entscheidende Phase des Spiels folgte in den Minuten nach dem Seitenwechsel, in denen der FC Zürich das Kommando übernahm. Zwar parierte YB-Torhüter Keller kurz nach Wiederanpfiff stark gegen Miguel Reichmuth, doch in der 60. Minute schlug es wieder im Berner Gehäuse ein. Nach einem Freistoß klärte Sandro Lauper den Ball vor die Strafraumgrenze, wo Livano Comenencia lauerte und den Ball wuchtig in die obere rechte Ecke hämmerte.
Trainer Seoane versuchte mit einem Dreifachwechsel in der 59. Minute neue Impulse zu setzen, doch das glücklichere Händchen bewies die Zürcher Bank. Joker Selmin Hodza profitierte in der 82. Minute von einem Abpraller bei Keeper Keller, der einen Freistoß von Captain Lindrit Kamberi nach vorne abgewehrt hatte, und schoss das Leder zum 4:3 in den Netzhimmel. In der Nachspielzeit machte Emmanuel mit seinem zweiten Treffer zum 3:5 den Deckel drauf.
Wir haben uns von Anfang an vorgenommen, so zu spielen. Dass es so aufgeht, macht uns umso glücklicher.
Selmin Hodza, FCZ-Joker, via Blick
Historischer Torrekord und Blick auf die Tabelle
Fünf Auswärtstore in Bern holte der FC Zürich zuletzt vor fast 50 Jahren. Historische Vergleiche zeigen, dass ein solches Resultat in diesem Duell absolute Seltenheit hat: Am 18. Juni 1977 gewannen die Zürcher schon einmal mit 5:1 in Bern, ein Kunststück, das ihnen am 25. August 2007 im Letzigrund ebenfalls gelang.

Durch diesen spektakulären Erfolg festigen die Zürcher ihren Platz in der Championship Group der Super League. Für die Young Boys hingegen bedeutet die Niederlage, dass sie Tabellenführer Lugano vor dessen spätem Heimspiel gegen den FC Basel nicht unter Druck setzen konnten. YB muss bereits am kommenden Samstag auswärts in Luzern antreten, während der FC Zürich am Sonntag bei Servette gastiert.
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