Nach 378 Tagen in einem fensterlosen 3D-Druck-Habitat in Houston haben vier Freiwillige am 1. November 2026 die zweite simulierte Mars-Mission der US-Raumfahrtbehörde Nasa beendet. Die Teilnehmer lebten auf engstem Raum, betrieben Pflanzenzucht und kommunizierten mit der Außenwelt über eine verzögerte Mars-Zeit.
Das Testgelände Mars Dune Alpha in Houston
Vier Menschen verbrachten genau 378 Tage auf einer Wohnfläche von 160 Quadratmetern, die mithilfe eines Großdruckers errichtet worden war. Die zweite Besatzung des Chapea-Programms – Ross Elder, Matthew Montgomery, James Spicer und Ellen Ellis – bezog das Simulationsgelände auf dem Gelände des Johnson Space Centers im US-Bundesstaat Texas am 19. Oktober 2025.
Unter Applaus und Jubel verließen die drei Männer und eine Frau schließlich das Testgelände, wie Live-Bilder der US-Raumfahrtbehörde zeigten. Die vier Teilnehmer waren keine ausgebildeten Nasa-Astronauten, mussten jedoch strenge Kriterien erfüllen. Bewerben durfte sich jeder, der „gesund und motiviert“ ist, nicht raucht, zwischen 30 und 55 Jahre alt ist und die US-Staatsbürgerschaft oder eine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung besitzt. Zudem wurden ein naturwissenschaftlicher Universitätsabschluss sowie mindestens 1.000 Flugstunden vorausgesetzt.”
Im Inneren des Habitats erwarteten die Bewohner extrem kompakte Bedingungen. Jede Schlafzelle misst rund zwei mal drei Meter. Dazu kommen ein Gemeinschaftsraum mit Sesseln und Fernseher, Arbeitsplätze mit Computern sowie eine Krankenstation. In einem kleinen Außentrakt probten die Freiwilligen simulierte Außeneinsätze im Raumanzug, während im Inneren des Wohnbereichs Maschinenwartung und das Züchten von Pflanzen zu den täglichen Pflichten gehörten. Neben der Isolation waren die Teilnehmer weiteren Stressfaktoren wie Ressourcenbegrenzungen ausgesetzt.
Kommunikation in Mars-Zeit und 4000 E-Mails als Rettungsanker
Die Isolation war nicht nur physischer Natur. Mit Familie und Freunden durften die Bewohner zwar kommunizieren, allerdings unterlagen alle Kontakte zu der Erde künstlichen Verzögerungen in „Mars-Zeit. Selbst das Übermitteln einer kurzen Textnachricht nahm rund 22 Minuten in Anspruch.
Trotz dieser Hürden hielten die Teilnehmer Kontakt zu ihrem sozialen Umfeld. Rund 4.000 E-Mails von Freunden und Familienmitgliedern erreichten James Spicer während der zwölfmonatigen Testphase, wie er nach dem Verlassen des Testgeländes berichtete.
Nach dem Verlassen der Station blickten die Freiwilligen auf die bevorstehenden Sinneseindrücke. „Wir sind sehr aufgeregt nach draußen zu kommen und zum ersten Mal seit mehr als einem Jahr die Sonne zu erleben – oder, je nach Wettervorhersage, einen kräftigen Regenschauer, scherzte Spicer. Ellen Ellis verriet zudem, dass sie sich am meisten darauf freue, ihren Ehemann zu umarmen.
Erfahrungen für künftige bemannte Missionen zum roten Planeten
Bereits zwischen 2023 und 2024 hatte eine andere vierköpfige Crew rund ein Jahr lang in Isolation auf dem Gelände verbracht, nachdem die erste Mission im Juni 2023 begonnen hatte.
Wir sind geehrt und stolz, dass wir zu dem kolossalen Vorhaben beitragen konnten, das damit enden und anfangen wird, die ersten Menschen auf den Mars zu schicken.
Ross Elder, Teilnehmer
Ausblick auf das Jahr 2027 und frühere Analog-Projekte
Die nächste Testreihe lässt nicht lange auf sich warten.
Solche Experimente blicken auf eine lange Geschichte zurück. „Chapea“ ist nicht das erste Experiment dieser Art. International versuchten die Raumfahrtbehörden Europas, Russlands und Chinas Gleiches vor knapp 15 Jahren mit dem „Mars 500“-Projekt. Anfang der neunziger Jahre gab es zudem ähnliche Experimente im Gebäudekomplex „Biosphere 2“ im US-Bundesstaat Arizona. Auch auf deutschem Boden gab es so etwas schon: Erst im August beendeten die Europäische Raumfahrtbehörde Esa und das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Köln die Studie „Solis100, für die jeweils drei Männer und Frauen im Alter von 26 bis 32 Jahren 100 Tage in Isolation verbrachten.
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