Nach der unentschiedenen Parlamentswahl in Israel vom 27. Oktober 2026 fordern Tausende Demonstranten in Tel Aviv und Jerusalem ein Bündnis zwischen der Opposition um Gadi Eisenkot und arabisch-geführten Parteien, um die Regierung von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu abzulösen. Beide großen Lager verfehlten eine Mehrheit in der Knesset.
Die israelische Knesset steht nach der Wahl vom 27. Oktober 2026 vor einer festgefahrenen politischen Blockade. Das rechte und religiöse Lager um den langjährigen Regierungschef Benjamin Netanyahu errang lediglich 53 Sitze im aus 120 Abgeordneten bestehenden Parlament und verpasste damit die notwendige Mehrheit von 61 Mandaten deutlich. Demgegenüber erreichte das zionistische Oppositionslager unter Führung des ehemaligen Militärchefs Gadi Eisenkot 48 Sitze. Eine Regierungsbildung ohne Partner ist für beide Seiten ausgeschlossen.
Historische Wahlbeteiligung und der politische Einfluss arabischer Parteien
Die Schlüsselrolle für eine mögliche Ablösung Netanyahus liegt bei den arabisch-geführten Parteien, die bei der Abstimmung ein beispielloses Ergebnis erzielten. Zusammen sicherten sich Ra’am und die Listen der arabischen Parteien 19 Sitze im Parlament. Laut dem zentralen Wahlausschuss gaben fast 840.000 Menschen ihre Stimme für diese Gruppierungen ab – ein Anstieg von 64 Prozent im Vergleich zu den Wahlen von 2022. Die historische Wahlbeteiligung der palästinensisch-israelischen Bürger lag bei rund 80 Prozent und wurde maßgeblich durch den Wunsch angetrieben, den amtierenden Ministerpräsidenten aus dem Amt zu drängen.
Angesichts dieser Zahlen könnte eine Koalition aus Eisenkots Kräften und den arabisch-geführten Parteien eine komfortable Mehrheit von 67 Sitzen erreichen. Auf einer Kundgebung in Tel Aviv betonten Demonstrierende, dass dies die letzte Chance für einen echten politischen Wechsel sei. Arbeiter und Juden werden nur zusammen gewinnen
, war auf einigen Transparenten zu lesen.
Widerstand im Oppositionslager und scharfe Proteste
Trotz der mathematischen Mehrheit ist eine Zusammenarbeit politisch hochumstritten. Während Yair Golan, der Vorsitzende der links-liberalen Demokraten, ein Bündnis unter Einbindung der arabischen Parteien energisch befürwortet und bereits Gespräche mit Ra’am-Chef Mansour Abbas führte, lehnen andere Oppositionskräfte diesen Schritt ab. Avigdor Liberman, Chef der rechtsgerichteten Partei Yisrael Beiteinu, schloss aus, sich auf arabische Stimmen zu stützen. Wer sich auf Unterstützer des Terrorismus stützen will, soll es tun. Yisrael Beiteinu wird nicht dabei sein
, schrieb Liberman auf Facebook.

Die Rettung Israels steht auf dem Spiel.
Yair Golan, Vorsitzender der Demokraten, via Dw
Auf der Gegenseite verurteilten Anhänger von Netanjahu die Verhandlungen scharf. Bei einer Gegenkundgebung in Tel Aviv skandierten Demonstrierende, Israel dürfe keine Regierung mit Terroristen haben. Ministerpräsident Netanjahu warf den palästinensisch-israelischen Parteien vor, die Wahl gestohlen und Gelder aus Katar erhalten zu haben – Anschuldigungen, die Katar als Desinformationskampagne zurückwies.
Konsultationen bei Präsident Isaac Herzog und nächste Fristen
Die Entscheidung über das weitere Vorgehen liegt nun bei Staatspräsident Isaac Herzog. Er plant, Vertreter aller Parteien zu Konsultationen in seine Residenz zu berufen, um auszuloten, welchen Kandidaten die Fraktionen für die Regierungsbildung empfehlen. Die offiziellen Endergebnisse sollen der Präsidentschaft vorgelegt werden, während die Vereidigung der neuen Knesset für den 10. November 2026 ansteht.
Der Kandidat, den der Präsident mit dem Auftrag betraut, verfügt über eine Frist von 28 Tagen zur Regierungsbildung, die um bis zu 14 Tage verlängert werden kann. Gelingt keine Einigung, drohen dem Land nach einer Reihe von Fristen und Abstimmungen im Parlament erneute Neuwahlen.
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