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Xylit in Verbindung mit erhöhtem Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle

Eine neue Studie zeigt, dass der beliebte Zuckerersatzstoff Xylit in Blutproben mit einem deutlich erhöhten Risiko für Herzinfarkte, Schlaganfälle und tödliche Herzkrankheiten verbunden ist. Die auf einem Kardiologiekongress in München vorgestellten Ergebnisse unterstreichen die Notwendigkeit weiterer Untersuchungen zur kardiovaskulären Sicherheit von Zuckeralkoholen in alltäglichen Lebensmitteln.

Xylitspiegel im Blut und das Risiko schwerer Herzerkrankungen

Eine gängige künstliche Süßungssubstanz gerät ins Zentrum wissenschaftlicher Bedenken. Der Zuckeralkohol Xylit steht in einer umfangreichen Untersuchung mit einem spürbaren Anstieg von Herzinfarkten, Schlaganfällen und Todesfällen in Verbindung. Die Ergebnisse wurden auf dem Kongress der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC) in München präsentiert. Der Kongress der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC) in München gilt dabei als der weltweit größte Kardiologiekongress.

Im Rahmen der bisher grössten Studie dieser Art untersuchten Forschende insgesamt 17.710 Personen. Dabei verglichen sie das Viertel der Teilnehmenden mit den höchsten Xylitwerten im Blut mit jenem Viertel, das die niedrigsten Konzentrationen aufwies. Die Auswertung ergab einen eindeutigen Trend: Personen mit den höchsten Xylitwerten hatten innerhalb von sechs Jahren eine um 57 Prozent höhere Wahrscheinlichkeit zu sterben oder einen Herzinfarkt beziehungsweise Schlaganfall zu erleiden als die Vergleichsgruppe mit den geringsten Werten. Bei der Zusammenführung der Daten aus den anderen Gruppen stellten die Forscher außerdem einen dosisabhängigen Zusammenhang fest: Je höher die Xylitolkonzentration im Blut, desto größer fiel die Rate kardiovaskulärer Ereignisse aus.

Selbst nach einem sehr langen Beobachtungszeitraum von 30 Jahren blieb das Risiko für eines dieser schwerwiegenden kardiovaskulären Ereignisse bei den Betroffenen um 18 Prozent erhöht. Laut den Studienverantwortlichen zeigte sich dieser Trend durchgängig unabhängig von Alter und Geschlecht der Teilnehmer sowie unabhängig von Faktoren wie dem Body-Mass-Index (BMI), Blutfettwerten oder bereits bestehenden Vorerkrankungen wie Diabetes und Bluthochdruck.

Verbreitung in Lebensmitteln und mögliche biologische Mechanismen

Xylit ist ein Zuckeralkohol, der in der Natur zwar in einigen Lebensmitteln wie Obst vorkommt, allerdings nur in äusserst geringen Mengen. Für die industrielle Lebensmittelproduktion wird der Stoff jedoch in konzentrierter Form eingesetzt, um Lebensmittel, Getränke und Mundpflegeprodukte künstlich zu süssen. Häufig landet er in bis zu tausendfach höheren Mengen in Waren als natürlicherweise vorkommen. Verbraucherinnen und Verbraucher nehmen den Stoff tagtäglich zu sich, ohne es oft zu wissen.

Der Stoff findet sich standardmässig in zuckerfreiem Kaugummi, Pfefferminzpastillen, Zahnpasta sowie in anderen no-sugar oder low-calorie Produkten wie Eiscreme, Joghurt und Konfitüren. Dr. Marco Witkowski, Studienautor von der Charité – Universitätsmedizin Berlin beziehungsweise dem Universitätsklinikum Charité in Berlin, erläuterte, dass die aktuellen Ergebnisse an frühere Untersuchungen anknüpfen. Er und seine Kollegen hatten zuvor festgestellt, dass hohe Xylitolkonzentrationen im Blut bei Risikopersonen über einen Zeitraum von drei Jahren mit negativen kardiovaskulären Ereignissen verbunden waren.

Xylit in Verbindung mit erhöhtem Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle
Photo: aol.com

„In früheren Studien haben wir gezeigt, dass Xylit die Gerinnungsfähigkeit von Blutplättchen erhöhen kann.“

Dr. Marco Witkowski, Studienautor von der Charité – Universitätsmedizin Berlin

Diese verstärkte Neigung zur Bildung von Blutgerinnseln gilt in der Wissenschaft als ein möglicher Mechanismus hinter den beobachteten kardiovaskulären Gefahren. Laut Dr. Witkowski entscheiden sich viele Menschen für künstliche Süßstoffe, weil sie diese für eine gesündere Alternative zu Zucker halten und sie von den Aufsichtsbehörden im Allgemeinen als sicher eingestuft werden. „Unsere Langzeitergebnisse in der Allgemeinbevölkerung highlighten, wie wenig wir über die kardiovaskuläre Sicherheit von Xylit wissen, sagte er, und wies darauf hin, dass weitere Studien gerechtfertigt seien, insbesondere da die Menge an Xylit in Produkten weiter steige.

Einordnung durch Mediziner und Ernährungsberatung

Obwohl Süßstoffe wie Xylit von den zuständigen Aufsichtsbehörden im Allgemeinen als sicher eingestuft werden und von gesundheitsbewussten Menschen oft als zuckerfreie Alternative bevorzugt konsumiert werden, mahnen Fachleute zur Wachsamkeit. Prof. Dan Atar, ein Expertenmitglied des ESC-Kommunikationskomitees, erklärte dazu: „Künstliche Süßstoffe werden von der modernen Gesellschaft weithin angenommen, und die Sicherheitsbewertungen waren gut und wurden von den Aufsichtsbehörden erteilt.

Xylit in Verbindung mit erhöhtem Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle
Photo: Vietnam

„In dieser Beobachtungsstudie scheint Xylit jedoch einen negativen Langzeiteffekt auf kardiovaskuläre Ereignisse in der Allgemeinbevölkerung zu haben.“

Prof. Dan Atar, an expert member of the ESC communication committee

Beide Seiten betonen jedoch, dass es sich um eine Beobachtungsstudie handelt. Wie Prof. Atar anmerkte, sind Kausalitäten bei allen Beobachtungsstudien nur schwer abzuleiten, aber diese Arbeit zeige, dass weitere Studien zu diesem gesellschaftlich wichtigen Thema geboten sind. Dennoch raten Experten dazu, die Aufnahme von künstlichen Zusatzstoffen kritisch zu hinterfragen.

Dell Stanford, eine leitende Ernährungsberaterin bei der British Heart Foundation, hob hervor, dass das Risiko je nach Xylitolkonzentration im Blut ansteigt. Verbraucher könnten annehmen, mit Süssstoffen die gesündere Wahl zu treffen, und konsumierten sie daher in grösseren Mengen als beabsichtigt.

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Jonas Becker

Über den Autor

Jonas Becker verantwortet das Nachrichtenressort von Germanic Nachrichten. Sein Fokus liegt auf schneller, praeziser und sauber verifizierter Berichterstattung zu Politik, Gesellschaft und aktuellen Entwicklungen in Deutschland.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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