Microsoft plant derzeit nicht, seine PC-Spiele von der Steam-Plattform zurückzuziehen. Stattdessen investiert Xbox massiv in sein eigenes PC-Ökosystem, indem es die Xbox-App optimiert und Battle.net für Drittentwickler öffnet, um die Reichweite seiner Titel zu erhöhen.
Die Gerüchte über einen möglichen Abschied von Valve’s Steam waren kurzlebig. Jez Corden von Windows Central stellte klar, dass Microsoft nicht plant, Steam zu verlassen, nachdem einige Aussagen aus dem „Xbox Two Podcast“ von News-Aggregatoren aus dem Kontext gerissen wurden. Die Strategie dahinter ist jedoch real: Microsoft verschiebt seinen Fokus nicht weg von Steam, sondern baut parallel eine Infrastruktur auf, die es Publishern und Spielern mehr Optionen bietet. Das Ziel ist eine engere Verzinnung zwischen Konsolen und PC, ohne die enorme Nutzerbasis von Steam zu riskieren.”
Battle.net als neue Plattform für Drittanbieter
Ein zentraler Baustein dieser Strategie ist die Neuausrichtung von Battle.net. Laut Informationen von Windows Central plant Microsoft, Battle.net für Entwickler von Drittanbietern zu öffnen. Bisher diente der Launcher primär Blizzard-Titeln und nach der Übernahme auch Activision-Spielen sowie Xbox-eigenen Produktionen.
Microsoft hat bereits erste Tests durchgeführt und Xbox-Spiele wie Avowed, The Outer Worlds 2 und DOOM: The Dark Ages über Battle.net veröffentlicht. Es gibt derzeit keine Anzeichen dafür, dass diese Pläne unter der neuen Führung von CEO Asha Sharma aufgegeben wurden. Battle.net, das über eine enorme Anzahl an monatlich aktiven Nutzern verfügt, soll künftig als Lieferplattform für Blizzard-Klassiker wie Diablo IV, Overwatch und Heroes of the Storm fungieren, aber gleichzeitig ein breiteres Angebot an Inhalten außerhalb des Microsoft-Ökosystems ermöglichen.
Optimierung der Xbox-App und Integration von Launchern
Parallel zur Öffnung von Battle.net investiert das Unternehmen stark in die Xbox-App für PC. Ein wichtiger Schritt ist die Einführung des Xbox Mode für Windows 11 PCs und Handhelds, der die Desktop-Umgebung in eine controller-optimierte Oberfläche verwandelt. Das Windows 11-Team betonte erst kürzlich die Absicht, das Betriebssystem für Gaming und allgemeine Optimierung weiter zu verbessern, um die Leistungslücke zu Linux und SteamOS zu schließen.
Um die Fragmentierung des PC-Marktes zu überwinden, arbeitet Microsoft an einer tieferen Integration mit anderen Publisher-Stores. Microsoft arbeitet mit Publishern wie Ubisoft und EA zusammen, um deren eigene PC-Stores zu integrieren. Dies soll es Publishern ermöglichen, ihre Inhalte direkt auszuliefern, während sie gleichzeitig in die Xbox Series X|S, Xbox Cloud und Xbox PC-Ökosysteme integriert bleiben. Battle.net und die Xbox PC-App bilden hierbei bereits über die Plugin-Sektion von Xbox PC eine Art „Brücke“.”
Ein konkretes Beispiel für diese Strategie ist eine aktuelle Vereinbarung mit Ubisoft: Ubisoft gab letzte Woche bekannt, dass Besitzer bestimmter Xbox Series X|S-Konsolenspiele die PC-Versionen kostenlos erhalten. Solche Programme sollen laut Windows Central in Zukunft ausgeweitet werden.
Projekt Positron und Hardware-Strategie
Neben der Software-Infrastruktur bereitet Microsoft eine Lösung für physische Medien vor. Unter dem Codenamen Positron wird ein Programm entwickelt, das es Nutzern ermöglichen soll, physische Spieldiscs in digitale Lizenzen umzuwandeln. Die offizielle Vorstellung dieses Programms wird laut Microsoft für diesen Monat erwartet.
Diese Software-Offensive kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die Hardware-Strategie unter Druck steht. Aufgrund einer „Memory-Krise“ und steigender Komponentenpreise sieht Microsoft die Xbox Series X|S für viele Kunden derzeit als „Non-Starter“. Das Projekt Helix, ein Gaming-PC-Konzept, soll laut Quellen in der Lage sein, Steam-Spiele auszuführen. Microsofts Ansatz besteht darin, Nutzer dort abzuholen, wo sie sich bereits befinden, ohne die Hardware-Landschaft komplett zu verlassen.””
Die wirtschaftliche Logik hinter Steam
Ein kompletter Ausstieg aus Steam wäre aus wirtschaftlicher Sicht riskant. Quellen beschreiben diesen Schritt als potenziell katastrophal, da Microsoft dadurch eine riesige PC-Zielgruppe und signifikante Umsätze verlieren würde. Die Strategie besteht darin, die Interoperabilität zu erhöhen, anstatt Nutzer aktiv von Valve wegzuzwingen.

Microsoft verfolgt daher einen hybriden Ansatz: Während Game Pass eine Zielgruppe anspricht, die auf Ersparnisse oder Free-to-Play-Titel setzt, bleibt Steam der Kanal für den klassischen Einzelkauf. Dies wird auch bei exklusiven Inhalten beibehalten; so wird Gears of War: E-Day zwar exklusiv für die Xbox Series X|S auf Konsolen erscheinen (wodurch PlayStation ausgeschlossen wird), wird jedoch weiterhin sowohl auf Xbox PC als auch auf Steam veröffentlicht.
Trotz der Fortschritte bleiben technische Hürden bestehen. So unterstützt Diablo IV beispielsweise kein Xbox Play Anywhere, was dazu führt, dass Nutzer DLCs für verschiedene Plattformen mehrfach kaufen müssen. Auch Ubisoft-Spiele auf dem PC unterstützen derzeit keine Xbox-Achievements, obwohl Spielstände mit Series X|S-Geräten synchronisiert werden können.
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