Wissenschaftler warnen vor drastischen Folgen der extremen Erwärmung des Mittelmeers, das sich durch den Klimawandel und seine geografische Lage besonders stark aufgeheizt hat. Laut aktuellen Berichten internationaler Forschungsteams führt der Temperaturanstieg zu irreversiblen Ökosystemschäden und einer massiven Ausbreitung invasiver Fischarten.
Rekordtemperaturen und Klimawandel als Treiber im Mittelmeerraum
Die europäischen Küsten und Meere haben in diesem Jahr außergewöhnliche Temperaturen verzeichnet, die vielerorts mehr als sechs Grad über den üblichen Werten liegen. Ein internationales Forschungsteam der Organisation World Weather Attribution (WWA) in einem Bericht festgehalten, dass diese massive Wärme zu einem großen Teil auf den vom Menschen verursachten Klimawandel zurückgeht durch die Verbrennung fossiler Energieträger wie Öl, Gas und Kohle.
Mittelmeer heizt sich besonders auf
Vergleiche der Juli-Oberflächentemperaturen mit Klimamodellen zeigen, dass die Erderwärmung im Mittelmeer einen Temperaturanstieg von etwa zwei Grad verursacht hat. Die Region gilt in der wissenschaftlichen Gemeinschaft längst als Klimawandel-Hotspot, in dem sich die Wassertemperaturen bis zum Jahr 2100 voraussichtlich um zwei bis sechs Grad Celsius (3.6 bis 10.8 Grad Fahrenheit) erhöhen werden.
Forscher weisen darauf hin, dass das Mittelmeer als in sich geschlossenes Becken eine besondere Eigenschaft besitzt: Die aufgestaute Wärme kann sich nicht so leicht in den Weiten der Weltmeere verteilen, wie Ronan McAdam, ein Ozeanograf mit dem Euro-Mediterranean Center on Climate Change, erläuterte. Dies begünstigt marine Hitzewellen, die von den Mediterranean Experts on Climate and Environmental Change, einem unabhängigen Netzwerk von Wissenschaftlern, als wahrscheinlich immer häufiger und extremer eingestuft werden.

Invasive Arten verdrängen einheimische Populationen
Die steigenden Wassertemperaturen verändern die Unterwasserwelt grundlegend und machen den Weg frei für hunderte neue und invasive Arten, die über den Sueskanal in das Becken einwandern. Die General Fisheries Commission for the Mediterranean der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen erklärte, dass solche invasiven Spezies zwar seit Jahrzehnten präsent sind, ihre Ausbreitung sich nach den frühen 2000er Jahren jedoch beschleunigte, was mit steigenden Meerestemperaturen zusammenfiel. Darunter befindet sich der gefürchtete Rotfeuerfisch, der 2012 erstmals im östlichen Mittelmeer nachgewiesen wurde und sich seither rasant nach Westen ausbreitet, sowie der gefleckte Kugelfisch, der von Ernesto Azzuro als „schlimmster Eindringlingund rücksichtsloser Räuber bezeichnet wurde.
Climate change heats Mediterranean Sea, threatening biodiversity
Besonders stark betroffen von dieser Entwicklung ist Zypern aufgrund seiner Nähe zum Sueskanal, wo Einwanderer wie der Rotfeuerfisch lokale Bestände wie die Rotbarbe verdrängten, was Fischer angesichts stark schrumpfender, bei Kunden beliebter lokaler Sorten bestürzte. Auch Kaninchenfische breiteten sich aus, indem sie Algen vom Meeresboden verschlingen und so den Lebensraum vieler einheimischer Arten zerstören. Meeresbiologen betonen, dass diese Veränderungen tiefgreifend und in vielen Bereichen unumkehrbar sind, wobei das Mittelmeer noch ärmer und artenärmer werden wird, da der Klimawandel diesen Teil des Mittelmeers – insbesondere den östlichen Teil – für einheimische Arten wirklich ungeeignet macht.
„The Mediterranean of our grandfathers, of our elders, and of the Greeks, of ancient Greece is lost forever. So many of those changes are irreversible,sagte Ernesto Azzuro, Meeresbiologe am Institut für Meeresbiologische Ressourcen und Biotechnologie des Nationalen Forschungsrats Italiens, gegenüber AP News.
Verheerende Verluste bei Muscheln und Mollusken
Die biologischen Konsequenzen der Hitzewellen zeigen sich in dramatischen Bestandsrückgängen an den Küsten, während Küstengemeinden laut Wissenschaftlern künftig kämpfen werden, um in der Weise über die Runden zu kommen, wie sie es seit Generationen gewannt sind. Die Wärme der Ozeane könnte zudem Ökosysteme und Nahrungsketten im Meer schädigen und Bestände etwa von Meeressäugern und Seevögeln dezimieren, während Fischer im Südwesten von England seit 2025 über einen deutlichen Anstieg des Vorkommens von Gemeinen Kraken (Octopus vulgaris) berichten, die eigentlich in den wärmeren Gewässern vor Nordafrika heimisch sind.
Unprecedented Mediterranean Sea warming in 2024
Zudem könnten die hohen Wassertemperaturen die Entstehung schwerer Stürme begünstigen, wozu das Team als Beispiel die schweren Überschwemmungen in der spanischen Region Valencia im Herbst 2024 nennt.
Handlungsoptionen und die Forderung nach Klimaschutz
Angesichts dieser Entwicklungen weisen Fachleute darauf hin, dass viele Menschen und Wirtschaftszweige von den Ozeanen abhängen.
„We know what should be done. We should reduce the use of fossil (fuels),sagte Piero Genovesi Papik gegenüber AP News.
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