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Unternehmen

US-Hotelgigant schnappt sich Engelberger Luxushotel

Der US-Hotelkonzern Wyndham Hotels & Resorts übernimmt mit sofortiger Wirkung das H+ Hotel & Spa in Engelberg sowie das H4 Hotel Arcadia in Locarno. Die Übernahme erfolgt im Zuge der Insolvenz der Berliner Revo Hospitality Group, die europaweit rund 120 Hotels veräußert, um ihre Liquiditätskrise zu bewältigen.

Wyndhams Expansion in Engelberg und Locarno

Wyndhams Expansion in Engelberg und Locarno
Das H+ Hotel & Spa Engelberg, ein Viersternehaus mit 256 Betten, wechselt in US-Besitz. Wie Blick berichtet, bestätigte Wyndham die Übernahme gegenüber der Obwaldner Zeitung. Der Betrieb im Klosterdorf bleibt durchgehend geöffnet. Das 1983 erbaute Haus verfügt über sieben Seminarräume und einen 200 Quadratmeter großen Wellnessbereich. Neben dem Haus in Engelberg sichert sich der US-Gigant auch das H4 Hotel Arcadia in Locarno, das direkt an der Seepromenade des Lago Maggiore liegt. Wyndham operiert in einer völlig anderen Dimension als der bisherige Betreiber. Das Unternehmen mit Sitz in Parsippany steuert ein Netzwerk aus 17 Marken mit 8.900 Hotels und über einer halben Million Zimmern weltweit. Für den Standort Engelberg bedeutet dies den Anschluss an eines der größten Hotelnetzwerke der Welt.

Die Ursachen der Revo-Insolvenz

Die Ursachen der Revo-Insolvenz
Photo: Verbraucherzentrale Hessen
Die Revo Hospitality Group, die mit 260 Hotels in zwölf europäischen Ländern agierte, ist in eine tiefe finanzielle Schieflage geraten. Im Januar und Februar beantragten 138 Hotelgesellschaften der Gruppe beim Amtsgericht Berlin-Charlottenburg Insolvenz in Eigenverwaltung. Die Gründe für den Kollaps sind laut Analysten und Berichten der Verbraucherzentrale Hessen eine Kombination aus strategischen Fehlern und externem Kostendruck:
  • Eine aggressive Expansionsstrategie mit zu schnellen Zukäufen.
  • Steigende Kosten für Löhne, Mieten und Energie.
  • Enttäuschende Übernachtungszahlen, die zu einer Liquiditätskrise führten.
Während die Eigenverwaltung eine Sanierung und Fortführung des Betriebs mit neuen Investoren ermöglichen soll, konnten einige Gesellschaften diesen Weg nicht gehen. Hier wurden Regelinsolvenzverfahren eingeleitet, die oft in abrupten Schließungen endeten.

Jobverluste in Berlin und Hotelsterben in Europa

Jobverluste in Berlin und Hotelsterben in Europa
Photo: Nordkurier
Die Zerschlagung der Revo-Gruppe trifft die Belegschaft sehr unterschiedlich. Insgesamt sind rund 5.450 Arbeitsplätze betroffen. Während der Großteil der Jobs in den Hotels erhalten bleiben soll, gibt es in der Verwaltung keine gute Nachricht: Die 450 Mitarbeiter der Zentrale in Berlin verlieren ihre Stellen. Einige Standorte sind bereits dauerhaft geschlossen oder vorübergehend außer Betrieb. Das noble 5-Sterne-Hotel Seehof in Davos GR bleibt laut Blick im Sommer geschlossen, wobei die Situation für den Winter noch ungeklärt ist. In Deutschland führte die Regelinsolvenz bereits zur Schließung des Centro Hotel Goya in Wolfsburg, des Centro Hotel National am Frankfurter Hauptbahnhof sowie des Mövenpick Hotel Frankfurt City. Parallel dazu schachern internationale Investoren um die verbleibenden Häuser. Laut dem Nordkurier haben bereits 45 von etwa 120 Hotels ihren neuen Besitzer gefunden. Der dänische Betreiber Proark übernahm beispielsweise vier Häuser, darunter das Baltic Stralsund und die Sonne Rostock.

Buchungsrisiken bei Regelinsolvenzen

Buchungsrisiken bei Regelinsolvenzen
Für Hotelgäste ist die Situation komplex. Bei einer Insolvenz in Eigenverwaltung läuft der Betrieb in der Regel normal weiter. Reisende sind in diesem Fall an ihre Buchungen gebunden und können nicht kostenlos stornieren, sofern dies nicht vertraglich vereinbart wurde. Kritisch wird es bei der sogenannten Regelinsolvenz. Hier drohen plötzliche Schließungen, wie es bereits beim Aedenlife in Trent auf Rügen geschah. In solchen Fällen können Individualreisende, die Vorauszahlungen geleistet haben, leer ausgehen, da Gläubiger in einem Unternehmensinsolvenzverfahren oft nur geringe Anteile ihrer Forderungen zurückerhalten. Die Risikoverteilung sieht wie folgt aus:
Reisertyp Absicherung / Risiko
Pauschalreisende Gut abgesichert; Reiseveranstalter muss Alternative bereitstellen.
Individualreisende Hoch; Risiko des Totalverlusts bei Vorauszahlungen in Regelinsolvenzen.
In Hessen sind rund 20 Hotels der Revo-Gruppe betroffen, darunter Häuser der H-Hotel Gruppe in Kassel und Willingen sowie Standorte in Darmstadt und Wetzlar. Die Übernahme des H+ Hotel & Spa Engelberg durch Wyndham zeigt eine deutliche Tendenz im europäischen Markt: Kleinere, aggressiv gewachsene Gruppen werden durch finanzielle Engpässe fragil, was globalen Playern den Weg ebnet, strategische Einzelstandorte in Tourismus-Hotspots aufzukaufen. Für die betroffenen Hotels in der Schweiz bedeutet der Wechsel zu einem US-Konzern zwar operative Stabilität, markiert aber auch eine weitere Verschiebung der Eigentumsverhältnisse weg von regionalen oder europäischen Betreibern hin zu globalen Ketten.

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David Falk

Über den Autor

David Falk verantwortet das Wirtschafts- und Unternehmensressort von Germanic Nachrichten. Er berichtet ueber Maerkte, Mittelstand, Innovation und strategische Entwicklungen in deutschen und internationalen Unternehmen.

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