Eine im Fachmagazin Science Advances veröffentlichte Studie vom 3. Juli belegt, dass die ausgestorbene Menschenart Homo floresiensis auf der indonesischen Insel Flores vermutlich Aasfresser war. Anstatt große Beutetiere zu jagen oder Feuer zu nutzen, ernährte sich die als „Hobbit“ bekannte Art von den Überresten von Zwergelefanten, die zuvor von Komodowaranen gefressen wurden.
Aasfresser statt Jäger: Die Rolle der Komodowaranen
Jahrzehntelang gingen Forscher davon aus, dass Homo floresiensis in der Lage war, Großwild zu jagen. Eine aktuelle Analyse von Fossilien stellt diese Annahme nun grundlegend infrage. Im Zentrum der Untersuchung standen die Knochen von Stegodon florensis insularis, einer ausgestorbenen Zwergelefantenart, die in der Liang Bua-Höhle gefunden wurden.
Um die Herkunft der Schnittspuren an den Knochen zu klären, führten die Wissenschaftler ein Experiment im Zoo Atlanta durch. Dabei fütterten sie einen gefangenen Komodowaran mit einem Ziegenkadaver, um die spezifischen Bissspuren des Reptils zu dokumentieren. Die Ergebnisse zeigten, dass die Zähne des Warans gezielt die fleischreichen Bereiche angriffen.

Beim Vergleich mit den antiken Stegodon-Knochen stießen die Forscher auf 54 Schnittspuren von Steinwerkzeugen, während die Bissspuren der Komodowarane fast doppelt so häufig waren. Entscheidend ist hierbei die Position: Die menschlichen Schnittspuren befanden sich primär an Stellen ohne nennenswerte Fleischansammlungen.
„eine Kombination aus primärem Zugang durch Komodowarane und sekundärem Zugang durch H.
Dies deutet darauf hin, dass die „Hobbits“ nicht die Jäger waren, sondern die Reste aufnahmen, die die Warane übrig ließen. Zudem fanden die Forscher keinerlei Beweise dafür, dass das Fleisch gegart wurde.
Das Ende des Feuer-Mythos in der Liang Bua-Höhle
Neben der Jagd war die Beherrschung des Feuers ein zentrales Argument für die kognitive Komplexität von Homo floresiensis. Frühere Funde von verkohlten Knochen ließen darauf schließen, dass die Art Feuer zur Nahrungszubereitung nutzte. Die neue Untersuchung widerlegt dies jedoch durch eine detaillierte Analyse von über 4.000 Nagetierknochen aus der Höhle, an denen keinerlei Brandspuren sichtbar waren.
Die zuvor beobachteten Verfärbungen, die für Verbrennungen gehalten wurden, stellten sich laut den Forschern als natürliche Mangan-Flecken heraus. Mögliche echte Brandspuren in der Höhle werden nun darauf zurückgeführt, dass Homo sapiens die Stätte zu einem späteren Zeitpunkt nutzte.
Briana Pobiner, eine Paläoanthropologin am Smithsonian National Museum of Natural History, bezeichnet die Anwendung dieser taphonomischen Methoden – der Lehre von den Prozessen nach dem Tod eines Organismus – als entscheidend.
Die Abwesenheit von Jagdtechniken und Feuer macht die Art behavioristisch weniger fortschrittlich, als man es bisher annahm, und wirft neue Fragen zu ihrer Abstammung auf.
Physische Merkmale und evolutionäre Anomalien
Homo floresiensis unterscheidet sich drastisch von anderen Homininen. Die im Jahr 2004 in der Zeitschrift Nature angekündigte Entdeckung eines fast vollständigen weiblichen Skeletts offenbarte eine Körpergröße von kaum einem Meter.

| Merkmal | Beschreibung |
|---|---|
| Körpergröße | Durchschnittlich ca. 106 Zentimeter |
| Schädelvolumen | Größe einer Grapefruit; vergleichbar mit einem Schimpansen |
| Extremitäten | Auffallend große Füße im Verhältnis zum Körper |
| Gebiss | Überproportional große Zähne |
Diese Merkmale weisen eine überraschende Ähnlichkeit mit sehr primitiven Vorfahren wie Australopithecus afarensis auf, obwohl diese Art bereits Millionen Jahre vor dem „Hobbit“ ausgestorben war. Während Homo floresiensis Steinwerkzeuge nutzte, scheint die Art eine evolutionäre Sackgasse oder eine spezialisierte Anpassung an die isolierte Umgebung der Insel Flores gewesen zu sein.
Wissenschaftliche Kontroversen und das Aussterben
Die neuen Erkenntnisse lösen in der Fachwelt heftige Diskussionen aus, da sie etablierte Narrative über den Fortschritt der menschlichen Evolution infrage stellen. Dean Falk, Professorin für Anthropologie an der Florida State University, bezeichnet die Thesen der Studie als „dramatische Behauptung“ gegenüber den Annahmen, die seit zwei Jahrzehnten in der Wissenschaft geteilt wurden.

„was nach diesen gut 20 Jahren übrig geblieben ist, und dieses Paper kommt jetzt und sagt: ‚Wartet mal.
Die Studie deutet darauf hin, dass Homo floresiensis aus einer Population evolvierte, die keine komplexen Strategien wie Jagd und Kochen benötigte. Dies widerspricht der Vorstellung einer linearen, stetig aufsteigenden Verhaltensentwicklung beim Menschen.
Das Ende der Art kam vermutlich vor etwa 50.000 Jahren. Zeitgleich mit dem Aussterben der „Hobbits“ begann die Ausbreitung des modernen Menschen, Homo sapiens, in Südostasien. Ob die Konkurrenz durch die ankunft des Homo sapiens direkt zum Verschwinden von Homo floresiensis führte, bleibt ein zentraler Punkt künftiger Forschungen.
Die Rekonstruktion des Lebens dieser kleinen Homininen zeigt ein Bild des Überlebens am Rande: isoliert auf einer Insel, abhängig von den Resten mächtiger Reptilien und ohne die technologischen Werkzeuge, die den Homo sapiens zur dominanten Spezies machten.
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