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Unternehmen

US-Einzelhandelsumsätze im August kräftig um 1,2 Prozent gestiegen

Die US-Einzelhandelsumsätze sind im August 2026 um 1,2 Prozent gestiegen und haben damit den stärksten Zuwachs seit fünf Monaten verzeichnet. Nach Angaben des Handelsministeriums signalisiert das robuste Konsumverhalten eine anhaltende Widerstandskraft der US-Wirtschaft, trotz steigender Inflation und geldpolitischer Gegenwinde.

Die amerikanischen Verbraucher haben im August deutlich mehr Geld für Waren aller Art ausgegeben und zudem ihre Ausgaben in Restaurants und Bars erhöht. Wie das Census Bureau des Handelsministeriums am Mittwoch mitteilte, legten die gesamten Einzelhandelsumsätze um 1,2 Prozent zu. Dieser kräftige Anstieg folgt auf einen im Juli revidierten Rückgang von 0,5 Prozent, der den ersten Dämpfer nach einer neunmonatigen Wachstumsphase markiert hatte. Im Jahresvergleich wuchsen die Umsätze im August um 6,0 Prozent.

Die Daten übertrafen die Erwartungen von Volkswirten deutlich und untermauern das Bild einer Wirtschaft, die sich zum Ende des Sommers spürbar beschleunigt hat. Die anhaltende Kauflaune der Verbraucher stützt sich vor allem auf frühere Kursgewinne an den Aktienmärkten sowie darauf, dass Haushalte ihre Ersparnisse anzapfen, während inflationsbereinigte Löhne gleichzeitig unter Druck geraten.

Handelsministerium meldet breiten Anstieg bei Online-Handel und Gastronomie

Der Zuwachs im August erstreckte sich über nahezu alle Handelssparten. Angeführt wurde die Entwicklung von Online- und Versandhändlern, deren Erlöse um 2,6 Prozent kletterten. Marktbeobachter führen dies auf Auffüllkäufe zum neuen Schuljahr sowie auf nachlassende Effekte früher gestarteter Verkaufsaktionen von Amazon zurück. Auch Bekleidungsgeschäfte verzeichneten mit einem Plus von 0,7 Prozent Umsatzzuwächse durch diese saisonalen Käufe.

Besonders aussagekräftig für die finanzielle Verfassung der Haushalte ist der Bereich der Gastronomie. Die Umsätze in Restaurants und Bars legten nach einem leichten Anstieg von 0,5 Prozent im Juli im August um weitere 1,2 Prozent zu. Darüber hinaus stiegen die Einnahmen an Tankstellen um 3,1 Prozent, was zum Teil auf gestiegene Benzinpreise zurückzuführen ist. Elektronik- und Haushaltsgerätemärkte verbuchten ein Plus von 1,6 Prozent, und auch der Autohandel trug mit einem Zuwachs von 0,6 Prozent zu der stabilen Entwicklung bei. Lediglich Baumaterialien und Gartengeräte bildeten eine Ausnahme; hier sanken die Umsätze leicht um 0,2 Prozent.

Kern-Einzelhandel und BIP-Prognosen im Fokus der Federal Reserve

Besonderes Augenmerk richten Analysten auf die sogenannten Kern-Einzelhandelsumsätze, bei denen Autoverkäufe, Benzin, Baumaterialien und Gastronomie herausgerechnet werden. Diese Kategorie korreliert besonders eng mit den privaten Konsumausgaben im Bruttoinlandsprodukt (BIP). Im August kletterten diese Kernumsätze um 1,4 Prozent – der stärkste Anstieg seit September 2024, nachdem sie im Juli unverändert um 0,4 Prozent zurückgegangen waren.

US-Einzelhandelsumsätze im August kräftig um 1,2 Prozent gestiegen
Photo: devdiscourse.com

Diese unerwartete Stärke veranlasste renommierte Bankhäuser dazu, ihre Prognosen für das Wirtschaftswachstum im dritten Quartal nach oben zu korrigieren. Ökonomen bei Goldman Sachs hoben ihre Schätzung für das annualisierte BIP-Wachstum im Zeitraum von Juli bis September um 0,5 Prozentpunkte auf 3,0 Prozent an. Experten von JPMorgan erhöhten ihre Prognose sogar auf 3,5 Prozent, nach einem Wachstum von 1,5 Prozent im vorherigen Quartal.

Die positive Dynamik trifft jedoch auf einen wachsenden Inflationsdruck. Am selben Tag erhöhte die US-Notenbank Federal Reserve ihren Leitzins um einen viertel Prozentpunkt auf eine Spanne von 3,75 bis 4,00 Prozent und stellte weitere Zinsschritte in Aussicht. Flankiert wurden die Inflationssorgen durch Berichte über steigende Importpreise im August sowie beschleunigte Erzeuger- und Verbraucherpreise.

Ökonomen warnen vor schwindender Kaufkraft

Trotz der soliden aktuellen Zahlen blicken Experten mit Sorge auf die kommenden Quartale. Die Verbraucherstimmung hat sich im September eingetrübt, da Haushaltungen mit niedrigerem Einkommen zunehmend Schwierigkeiten haben, mit den steigenden Energie- und Lebensmittelpreisen Schritt zu halten.

US-Einzelhandelsumsätze im August kräftig um 1,2 Prozent gestiegen
Photo: ch.marketscreener.com

Das Tempo der zugrunde liegenden Konsumausgaben scheint in einem gesunden Rahmen zuzulegen. Das dürfte etwas Beruhigung hinsichtlich der Widerstandskraft der US-Wirtschaft geben – trotz zunehmender kurzfristiger Gegenwinde für das Wachstum, darunter höhere Zinsen, ein erneuter Ölpreisschub, Handelsstörungen und nachlassende Unterstützung durch Steuersenkungen. James McCann, Chefvolkswirt bei Edward Jones

Customers begin their meal at a restaurant in Los Angeles, California, U.S. March 26, 2026. REUTERS/ Mike Blake/File Photo
Photo: Reuters

Auf der anderen Seite mahnen Skeptiker zur Vorsicht. Der anhaltende Ölpreisschub sowie geopolitische Spannungen belasten die Lieferketten. Zudem schrumpft der finanzielle Spielraum vieler Verbraucher.

Scott Anderson, Chefökonom USA bei BMO Capital Markets, erklärte, immer mehr Verbraucher verlören Kaufkraft, und man erwarte, dass dies im vierten Quartal und bis hinein ins Jahr 2027 zunehmend als Bremse für das reale Wachstum der Konsumausgaben wirke, während solide Einzelhandelsberichte wie dieser stärker denn je von weiteren Vermögenszuwächsen der Haushalte abhingen.

Ob das Konsumwachstum angesichts dieser Belastungen und steigender Finanzierungskosten auf Dauer tragfähig bleibt, hängt maßgeblich davon ab, ob sich die Vermögenswerte der Haushalte stabil entwickeln und der Arbeitsmarkt robust bleibt.

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David Falk

Über den Autor

David Falk verantwortet das Wirtschafts- und Unternehmensressort von Germanic Nachrichten. Er berichtet ueber Maerkte, Mittelstand, Innovation und strategische Entwicklungen in deutschen und internationalen Unternehmen.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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