Vier Jahre nach seiner Flucht aus der Ukraine singt der 14-jährige Illia Konovchenko, bekannt als ILKO, den diesjährigen Schweizer Song des Tanzprojekts #SayHi.
Die musikalische Reise des Jugendlichen begann weit vor dem aktuellen Projekt. Bereits im Alter von 14 Jahren stand Illia Konovchenko im Finale von The Voice Kids
, wie SRF Kids berichtet. Nun stellt sich der junge Sänger einer neuen sprachlichen und künstlerischen Herausforderung: Er singt den offiziellen Beitrag des Tanzprojekts #SayHi, für den er nicht nur eine neue Choreografie einstudieren, sondern zum ersten Mal auch auf Schweizerdeutsch performen musste.
Flucht aus der Ukraine und ein neues Leben in Mönchaltorf
Im Jahr 2022 verliess ILKO gemeinsam mit seiner Mutter und seiner Schwester seine Heimat in der Ukraine und flüchtete in die Schweiz nach Mönchaltorf. Die Reise war von extremen Belastungen geprägt. Es war eine schwierige Reise. Wir waren 54 Stunden im gleichen Zug unterwegs
, erinnert sich der Jugendliche an die Flucht. Die Distanz zur restlichen Familie, insbesondere zum Vater in der Ukraine, bleibt eine tägliche Hürde. Dennoch blickt er optimistisch nach vorn: Ich bin ein Optimist. Bei mir ist das Glas immer halb voll
, sagt er.
Trotz der Schicksalsschläge hat sich ILKO in der Schweizer Schullandschaft und im lokalen Vereinsleben integriert. Neben guten Noten in der Schule und seiner wachsenden Gesangskarriere – zu seinen Erfolgen zählt auch der Gewinn des Kleinen Prix Walo im Jahr 2025 – findet er Ausgleich auf dem Fussballplatz. Er spielt als Torwart beim FC Mönchaltorf. Für ihn ist der Sport mehr als nur ein Hobby: Fussball ist Therapie. Da kann ich alles rauslassen, was ich loswerden vill
, beschreibt der Sänger seine sportliche Betätigung, die ihm hilft, trotz des medialen Erfolgs auf dem Boden zu bleiben.
Das Schicksal ukrainischer Waisenkinder und die Lage im Exil
Während einige Jugendliche wie ILKO im Alltag Fuss gefasst haben, blicken andere ukrainische Flüchtlingskinder in der Schweiz nach vier Jahren im Exil auf ungewisse Perspektiven. Vor vier Jahren evakuierte das Kinderheim Wings of Hope eine Gruppe von Waisenkindern aus der stark umkämpften Stadt Mariupol, kurz bevor die dortige Belagerung begann. Wie swissinfo.ch berichtet, brauchte der Buskonvoi für die 200 Kilometer lange Strecke nach Saporischschja damals acht Stunden.
Die damalige Heimleiterin Natalia Lashchevskaya betonte zu Beginn des Exils im Kanton Wallis, dass das einzige Ziel die Rückkehr in die Ukraine sei. Vier Jahre später zeigt sich jedoch, dass sich die Mehrheit der Betroffenen zwischen zwei Welten bewegt. Während einige Jugendliche mittlerweile volljährig geworden sind oder den Schritt zurück in die Westukraine planen – wie im Fall der Geschwister Tara und Vera, die über Deutschland in ihre Heimat zurückkehren –, bleiben mehr als 40 Kinder weiterhin in der Schweiz.
Rückkehrabsichten im Sinkflug laut UNHCR-Daten
Die zögerliche Rückkehr ist kein Einzelschicksal, sondern spiegelt einen breiteren Trend unter den Geflüchteten wider. In einer im Januar durchgeführten Erhebung verzeichnete das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) einen kontinuierlichen Rückgang der Rückkehrabsichten. Plante im Jahr 2022 noch eine grosse Mehrheit von 83 Prozent eine baldige Heimkehr, so sank dieser Wert in den darauffolgenden Erhebungen stetig ab. Aktuell planen lediglich 3 Prozent der Befragten eine Rückkehr innerhalb der nächsten zwölf Monate, während 46 Prozent auf eine unbestimmte Zukunft in der Heimat hoffen.

| UNHCR-Erhebungsdaten zu Rückkehrabsichten | Prozentsatz der befragten Flüchtlinge |
|---|---|
| Planen Rückkehr innerhalb der nächsten 12 Monate | 3% |
| Hoffen eines Tages auf eine Rückkehr | 46% |
| Sehen keine Hoffnung auf Rückkehr | 23% |
| Unentschieden bezüglich der Zukunft | 28% |
Die Kinder und Jugendlichen, die in der Schweiz Westschweizer und Deutschschweizer Schulen besucht, die jeweilige Landessprache gelernt und Freundschaften geknüpft haben, stehen nun vor einer emotionalen Spaltung. Die meisten von ihnen leben jetzt zwischen zwei Welten
, fasst Lashchevskaya die Situation zusammen. Zwar überwiege die Dankbarkeit für die in der Schweiz erfahrene Sicherheit, doch im Herzen blieben die Betroffenen Ukrainerinnen und Ukrainer.