Ukrainische Drohnenangriffe auf russische Rechenzentren haben im Oktober 2026 den Betrieb des Tech-Giganten Yandex schwer getroffen.
Drohnentreffer auf Rechenzentren von Yandex und Sberbank
Über den Zeitraum von wenigen Tagen nahm das ukrainische Militär drei große Rechenzentren in Russland ins Visier. Das erste Ziel war am 8. Oktober 2026 die Anlage im mehr als 1.000 Kilometer von Kıyiv entfernten Sasovo in der Region Rjasan, wo ein Brand den Betrieb vollständig lahmlegte. Weitere Treffer trafen Einrichtungen in Kaluga und Vladimir, wobei das Zentrum in Vladimir komplett vom Netz getrennt wurde. Kurz darauf griff die Kampagne auch auf den staatlichen Bankensektor über. Ukraine attackierte ein im Bau befindliches Rechenzentrum von Sberbank in Balakovo in der Region Saratov, das als das größte des Landes konzipiert ist.
Die Angriffe beschränkten sich nicht auf die Infrastruktur der Tech-Konzerne. Dutzende Gerichtsverfahren in ganz Russland mussten abgesagt werden, da die elektronische Schiedsgerichtsbarkeit durch den Ausfall von Yandex Cloud massiv gestört wurde. Betroffen waren unter anderem Gerichte in den Regionen Swerdlowsk, Smolensk, Tula, Kostroma, Iwanow und Jaroslawl.
Alltägliche Störungen für Millionen russische Verbraucher
Für die Bevölkerung im Land bedeuteten die Treffer spürbare Einschränkungen im Alltag. Dienste wie Yandex Pay, Musik-Streaming, Taxibestellungen und Kartendienste fielen aus oder zeigten Fehlermeldungen. Taxifahrer berichteten, dass Apps fehlerhafte Fahrten buchten oder sie vorerst keinen Zugriff auf ihre hart verdienten Einnahmen bekamen. Auch Wohnungs-Zutrittssysteme und Smart-Home-Anwendungen, die auf die Infrastruktur angewiesen waren, verzeichneten Ausfälle.

Analysten werten diese Entwicklung als gezielte Strategie. Die Kampagne ziele darauf ab, normalen Russen vor Augen zu führen, dass sie sich im Krieg befinden und die Handlungen ihrer Führung spürbare Konsequenzen haben, erklärte Keir Giles vom britischen Think-Tank Chatham House.

Robert Tollast, ein Drohnenexperte und Forscher am Royal United Services Institute in London, wies darauf hin, dass Rechenzentren zudem einen wachsenden militärischen Wert besitzen, da beide Konfliktparteien Felddaten zur Verbesserung von Operationen und der Lagebeurteilung der Kommandeure nutzen, möglicherweise auch im Rahmen einer durch Künstliche Gestützte Planung.
Zudem erklärte Mykhailo Samus, ein ukrainischer Militäranalyst und Direktor des Netzwerks für Neue Geopolitik-Forschung, dass viele russische Rechenzentren in wenigen großen Anlagen konzentriert seien, wodurch ein einziger Schlag den Sektor für Transport, Internetzugang und Zahlungsverkehr stören könne.
Die Debatte um vermeintlich verschwundene Propaganda-Bots
Nach den ersten Treffern verbreitete sich im Internet die rasante Theorie, die Angriffe hätten das russische Bot-Netzwerk auf westlichen Plattformen schlagartig ausgelöscht. Der ukrainische Präsident Volodymyr Zelenskyy erklärte auf dem Wars Awer Sicherheitsforum, jeder habe es bemerkt
– so lautete die Aussage über einen Rückgang der Bot-Aktivitäten, was das Durchatmen auf Social-Media-Plattformen erleichtere. Die Berichte speisten sich unter anderem aus Cloudflare-Daten, die einen massiven Einbruch der automatisierten Web-Suchanfragen zeigten.

Laut einer am 14. Oktober veröffentlichten Analyse von Cloudflare…
Unabhängige Prüfer und Netzwerkspezialisten traten diesen Euphoriedaten jedoch entgegen. Cloudflare-Verantwortliche stellten klar, dass sich der dramatische Einbruch auf den YandexBot-Suchcrawler bezog, der zum Indexieren des Internets dient, nicht aber auf menschliche oder bot-gesteuerte Accounts auf westlichen Netzwerken. Obwohl das ukrainische Zentrum für Bekämpfung von Desinformation (CCD) einen Rückgang von überwachten Pro-Russland-Postings um 83,6 Prozent am Tag des ersten Angriffs meldete, zeigten Folgedaten, dass die Konten innerhalb von nur 48 Stunden wieder auf das vorherige Niveau zurückkehrten.
Folgen für Russlands Supercomputer und die künstliche Intelligenz
Neben dem operativen Alltag gerät vor allem Russlands technologische Zukunft unter Druck. Drei der leistungsstärksten Supercomputer von Yandex wurden durch die Drohnenschläge auf unbestimmte Zeit ausser Betrieb gesetzt.
Während Kremlsprecher Dmitry Peskov erklärte, es sei verfrüht, über staatliche Finanzhilfen für den angeschlagenen Yandex-Konzern zu sprechen, arbeiten die Behörden an verschärften Schutzkonzepten für Rechenzentren. Digitalisierungsminister Maksut Shadayev räumte ein, dass die Behörden nach diesem nie dagewesenen Angriff nach Wegen suchen, die digitale Infrastruktur besser vor künftigen Schlägen abzuschirmen.
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