Ukrainische Drohnen haben in der Nacht zum 18. Oktober 2026 massive Angriffe auf Sankt Petersburg und die Region Leningrad verzeichnet. Dabei gerieten unter anderem ein großes Ölterminal, ein Öldepot und ein Rechenzentrum in Brand, während das Land gleichzeitig über politische Spannungen mit den USA und verschobene EU-Sanktionen debattiert.
Nächtliche Drohneneinschläge in Sankt Petersburg und der Region Leningrad
Mitten in der Nacht zum 18. Oktober 2026 erschütterten schwere Drohneneinschläge Putins Geburtsstadt Sankt Petersburg. Nach Angaben des lokalen Gouverneurs Aleksandr Beglow wurden auf dem Gelände eines Ölterminals sowie auf weiteren Infrastruktur- und Industrieanlagen Brände ausgelöst. Berichten des Kanals ASTRA zufolge erhielten die Einwohner entweder gar keine oder nur stark verzögerte Warnungen vor der Bedrohung aus der Luft.
Betroffen von der Angriffswelle waren neben dem größten Kraftstoffterminal auch das Öldepot Rutschji
im Bezirk Krasnogwardejskij, das eine Gesamtkapazität von 3.900 Kubikmetern für die Lagerung und den Versand von Benzin AІ-92, AІ-95 sowie Diesel aufweist. Der Online-Händler Ozon bestätigte, dass sein Logistikzentrum in der Stadt in Flammen stand, meldete jedoch keine Verletzten. In der benachbarten Region Leningrad traf es zudem ein Rechenzentrum des Internetunternehmens VK sowie ein zugehöriges Umspannwerk, wodurch Nutzer massive Störungen bei VKontakte und verwandten Diensten verzeichneten.

Der Gouverneur der Region Leningrad, Aleksander Drosdenko, berichtete über einen Notstromausfall infolge der Angriffe, der etwa 20.000 Menschen vorübergehend ohne Strom zurückließ. Zudem schlug eine Drohne auf einer Schrägseilbrücke über den Schiffskanal ein. Das 622 Meter lange Bauwerk, das zum mautpflichtigen Westlichen Schnellstraßendurchgang gehört, liegt rund viereinhalb Kilometer vom beschädigten Ölterminal entfernt, wie Italiens Nachrichtenportal Unionesarda detailliert darlegte. Der Flugbetrieb am Flughafen der Metropole musste aus Sicherheitsgründen eingeschränkt werden.
Der Einsatz der Zozulia-Drohnen und die strategische Mittelstreckenkampagne
Hinter den koordinierten Angriffen steht eine neue taktische Mittelstreckenkampagne der Ukraine. Eine Drohnen-Eliteeinheit begleitete Einsätze mit dem Starrflügler Zozulia
, was auf Ukrainisch Kuckuck
bedeutet. Die Kamikaze-Drohne wird vor Ort zusammengebaut, mit einem Propeller und einem knatternden Benzinmotor an ein Propellerflugzeug aus dem Zweiten Weltkrieg erinnert und vor dem Start per Katapult in den Himmel befördert.
Laut Angaben des Captains mit dem Kampfnamen Vakhabit dauert die Vorbereitung von vier solchen Drohnen etwa eine Stunde. Mit einer Sprengladung von bis zu 50 Kilo ausgerüstet, legt die Drohne Entfernungen von 300 bis 400 Kilometern und mehr zurück, um unbewegliche Ziele wie Umspannwerke, Depots und Kommandoposten zu treffen. Das System nutzt Satelliteninternet, Kameras sowie visuelle und trägheitsgestützte Navigation, um auch bei GPS-Störungen den Kurs zu halten.
Die Einsätze, die als Operation Schwarzer Vogel
laufen, richten sich gezielt gegen Russlands Energieversorgung und Logistikrouten zur Krim. Nach Einschätzung des britischen Thinktanks RUSI führen diese Schläge zu merklichen Verzögerungen im militärischen und zivilen Güterverkehr, auch wenn die russische Luftabwehr nach Berichten einen Teil der Drohnen abfing.

Politische Reaktionen auf das Waffenruhe-Abkommen und US-Sanktionen
Der Großeinsatz fällt in eine Phase massiver diplomatischer Spannungen zwischen Kiew, Washington und den europäischen Hauptstädten. US-Präsident Donald Trump hatte zuvor eine Waffenruhe verkündet, die Angriffe auf Raffinerien untersagte. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte diese Vereinbarung jedoch für aufgehoben, da sich Kreml-Chef Wladimir Putin ohnehin nicht daran gehalten habe und die USA mit dem Abkommen Moskau belohnen würden.
Zugleich leidet die Ukraine unter Einschränkungen bei der US-Satellitentechnik Starlink und Starshield. Tests zufolge brechen Verbindungen in der Ukraine bereits ab etwa 161 km/h ab, was den Einsatz schneller Abfangdrohnen gegen russische Shahed-Flugkörper gefährdet. Während US-Außenminister Marco Rubio bestritt, dass die Regierung eine Drosselung angeordnet habe, führt Kiew Gespräche, um die volle Funktionsfähigkeit über Unterhändler wie Rustem Umerow und Trumps Berater Jared Kushner wiederherzustellen.
Unterdessen treibt Trump eine eigene Verständigung voran und hat Russland-Sanktionen für 60 Tage ausgesetzt. Der ukrainische Präsident warnte vor diesem Abkommen:.
Zusätzliche Reibung erzeugt das Vorgehen in Brüssel. Die EU-Botschafter verschoben die fällige einstimmige Verlängerung der seit 2022 geltenden Sanktionen gegen rund 3.000 Personen und Organisationen um eine Woche. Frankreich schloss sich überraschend der Forderung der Slowakei an, den russisch-usbekischen Oligarchen Alischer Usmanow von der Liste zu streichen. Als Hintergrund gelten Gespräche auf technischer Ebene bezüglich der Freilassung in Aserbaidschan festgehaltener französischer Staatsbürger, während Diplomaten vor dem Eindruck einer Aufweichung der Strafmaßnahmen warnten.
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