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Bau von KI-Rechenzentren in den USA gerät spürbar ins Stocken

Mindestens 47 große Bauvorhaben von Rechenzentren für Künstliche Intelligenz in den USA sind im Jahr 2026 verzögert, gestrichen oder blockiert worden. Vor dem Hintergrund der anstehenden Zwischenwahlen am 3. November sorgt der rasante Infrastrukturausbau für heftige politische Auseinandersetzungen, lokales Widerstandspotenzial und warnende Stimmen aus der Finanzwirtschaft vor wirtschaftlichen Folgen.

Der massive Ausbau der Infrastruktur für Künstliche Intelligenz in den Vereinigten Staaten gerät im laufenden Jahr spürbar ins Stocken. Laut Daten des Compliance-Dienstleisters RegLayer, die von der Financial Times zitiert wurden, sind 2026 exakt 47 große Bauvorhaben in den USA entweder verzögert, gestrichen oder blockiert worden. Trotz historisch beispielloser Kapitalinvestitionen, die den historischen Eisenbahn- und Straßenbau sowie die Internet-Erschließung prozentual am Bruttoinlandsprodukt übertreffen sollen, stößt die rasante Errichtung von Serverfarmen vor Ort auf massive Hürden.

Wirtschaftliche Warnungen vor einem Baustopp der Rechenzentren

Angesichts zunehmender politischer und gesellschaftlicher Widerstände schlägt die Finanzwirtschaft Alarm. Larry Fink, CEO des weltweit größten Vermögensverwalters BlackRock, warnte in einem Interview mit CNBC davor, dass ein generelles Moratorium oder ein behördlicher Stopp des Infrastrukturausbaus die US-Wirtschaft in eine Rezession treiben könnte. Ein beträchtlicher Teil der wirtschaftlichen Aktivität basiere auf diesen Kapitalausgaben.

Bau von KI-Rechenzentren in den USA gerät spürbar ins Stocken
Foto: ORF

Wenn unser Land eine Art Verbot für den Bau von Rechenzentren erlässt, wird die Wirtschaft in eine Rezession geraten.

Larry Fink, CEO von BlackRock

Fink räumte ein, dass in der Bevölkerung Bedenken bestehen, argumentierte jedoch, dass diese größtenteils auf Fehlinformationen beruhen. Demgegenüber zeigen aktuelle Umfragen eine stark steigende Skepsis in der US-Bevölkerung. Während laut einer im Frühjahr durchgeführten Erhebung 49 Prozent der US-Erwachsenen den Bau neuer Rechenzentren in ihrer Nachbarschaft ablehnten, stieg dieser Wert bei einer Umfrage des Annenberg Public Policy Center von Mitte Juni bis Mitte Juli auf 61 Prozent an. Das Pew Research Center ermittelte in diesem Zusammenhang ebenfalls, dass mindestens 49 Prozent der Amerikaner der Ansicht sind, Rechenzentren seien überwiegend negativ für Umwelt, Energiekosten und Lebensqualität.

Politischer Druck im Wahlkampf vor den Zwischenwahlen

Der Widerstand der Wählerschaft hat das Thema fest in den nationalen Wahlkampf für die Zwischenwahlen am 3. November integriert. Kandidaten beider großen Parteien versuchen, auf die wachsende lokale Unzufriedenheit zu reagieren. US-Präsident Donald Trump hat die Ablehnung der KI-Infrastruktur hingegen scharf kritisiert und auf seiner Plattform Truth Social erklärt, der einzige Grund, warum Gemeinden keine Rechenzentren wollten, sei der Wunsch, „rückständig und arm zu werden“.”

CNBC-Interviews mit Jim Cramer

Der einzige Grund, warum Gemeinden in den USA keine Rechenzentren wollen sollten, ist, wenn sie rückständig und arm werden wollen.

Donald Trump, US-Präsident

Trotz der Unterstützung aus dem Weißen Haus distanzieren sich einige republikanische Politiker von dieser Linie, um wahltaktische Risiken zu minimieren. In Texas, dem Bundesstaat mit den meisten im Bau befindlichen Datenzentren, setzte Gouverneur Greg Abbott Umweltgenehmigungen und Netzanschlüsse für neue Projekte vorübergehend aus. In Pennsylvania und anderen Regionen zeigt der Ortstermin-Augenschein eine stark polarisierte Stimmung in traditionellen Wählerhochburgen.

Lokale Stopps und Sicherheitsrisiken an den Standorten

Die lokale Opposition erzielt derweil konkrete Erfolge. In Hoffman Estates in Illinois ließ der Entwickler Karis Critical Ende Juni ein geplantes Projekt auf Ackerflächen fallen, nachdem Anwohner massiven Widerstand geleistet hatten. In einem anderen Fall in den USA lenkte ein Entwickler während einer öffentlichen Sitzung ein, nachdem er vom Gründer des Unternehmens öffentlich gestoppt wurde.

Lokale Kämpfe helfen, US-Rechenzentrumsprojekte im Wert von 260 Milliarden Dollar zu stoppen
Foto: Quartz auf Deutsch

Ich habe die Gemeinschaft laut und deutlich gehört. Sie haben ihre Stimme sehr präsent gemacht. Wir werden den Antrag zurückziehen. Wir werden mit dem Rechenzentrum nicht weitermachen.

Arjun Shokeen, Gründer des Entwicklungsunternehmens

Diese Konflikte bleiben jedoch nicht immer friedlich. Eine Auswertung von mehr als 100 Polizeiberichten durch den Sender CNN ergab, dass Behörden wegen Dutzender Drohungen gegen Rechenzentren aktiv einschreiten mussten. Rund 70 dieser Fälle betrafen direkte Einschüchterungen, geplante Angriffe oder Gewaltandrohungen, darunter Bombendrohungen und Online-Aufrufe zur Gewalt gegen Ratsmitglieder oder Befürworter. Experten für Extremismus warnen, dass technologiefeindliche Narrative ein breites Spektrum von Extremisten mobilisieren und den Fortgang der Bauprojekte zusätzlich belasten.

Unternehmensinvestitionen und Reaktionen der Tech-Giganten

Ungeachtet lokaler Proteste treiben Technologiekonzerne ihre Ausgaben auf Rekordniveau vor. Amazon gab im Juli bekannt, im Jahr 2026 voraussichtlich 220 Milliarden Dollar zu investieren – eine Steigerung gegenüber früheren Planungen von 200 Milliarden Dollar. Um den lokalen Bedenken zu begegnen, kündigte Amazon an, über fünf Jahre hinweg mehr als 1 Milliarde Dollar für die Gemeinden bereitzustellen, in denen das Unternehmen Rechenzentren betreibt.

Bau von KI-Rechenzentren in den USA gerät spürbar ins Stocken
Foto: Bitcoin News

So äußerte sich Microsoft- und Technologie-Mitbegründer Bill Gates zu den Verzögerungen mit den Worten, ein Stopp von Rechenzentren würde die Entwicklung nicht im Geringsten verlangsamen. Analysten von Morgan Stanley gehen davon aus, dass sich die milliardenschweren Investitionsausgaben in der KI-Infrastruktur fortsetzen werden.

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David Falk

Über den Autor

David Falk verantwortet das Wirtschafts- und Unternehmensressort von Germanic Nachrichten. Er berichtet ueber Maerkte, Mittelstand, Innovation und strategische Entwicklungen in deutschen und internationalen Unternehmen.

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