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Welt

Russland attackiert Rechenzentren in der Ukraine

Russland hat seine Luftangriffe in der Ukraine auf Rechenzentren, Internetprovider und kritische zivile Infrastruktur ausgeweitet, was zu regionalen Störungen führte. Nach Angaben des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj zielt das Vorgehen direkt auf den Alltag der Bevölkerung ab, während Moskau militärische Verbindungen geltend macht.

Die Angriffe auf die digitale Infrastruktur markieren eine neue Phase des Konflikts, vor der Experten bereits seit Monaten gewarnt hatten. Im Zentrum der jüngsten Welle standen Einrichtungen in der Hauptstadt Kiew sowie in der Region Odessa. Wie unter anderem berichtet wurde, traf ein russischer Raketenangriff am späten Abend das Kongress- und Ausstellungszentrum Parkowy zweimal, in dem eines der größten kommerziellen Rechenzentren der Ukraine untergebracht ist. Der Einschlag beschädigte einen zentralen Verkehrsknotenpunkt des Netzes, was zu zeitweisen Störungen der Verbindung nicht nur in Kiew, sondern auch in Winnyzja und der Region Chmelnytskyi führte.

Auswirkungen auf Internetanbieter und die Versorgung in Kiew

Die Folgen der Angriffe waren für Hunderttausende Bürger unmittelbar spürbar. Bereits am Mittwoch verloren rund 100.000 Haushalte in Kiew und Umgebung infolge von Streiks vorübergehend den Internetzugang. Am Freitag traf eine russische Drohne zudem ein Businesscenter in der Hauptstadt, wobei vier Menschen getötet und ein dortiges Rechenzentrum beschädigt wurden. Bei einem separaten Angriff kam ein 14-jähriger Junge ums Leben, den das israelische Außenministerium als israelischen Staatsbürger identifizierte.

In der nordwestlichen Stadt Luzk fielen am Freitag elektronische Anzeigetafeln an Haltestellen des öffentlichen Nahverkehrs aus. Die Stadtverwaltung erklärte dazu, dass dies aufgrund von Schäden durch einen russischen Angriff auf Rechenzentren in Kiew geschehen sei. Einige Unternehmen haben infolge der Zerstörungen bereits begonnen, Daten von beschädigten Servern auf Anlagen im Ausland zu verlagern.

Politische Reaktionen und Vorwürfe zur zivilen Infrastruktur

Präsident Wolodymyr Selenskyj warf Moskau vor, ganz bewusst den Alltag der Menschen ins Visier zu nehmen. In einer Stellungnahme betonte er, dass solche Attacken die Kommunikations-, Lern- und Arbeitsfähigkeit der Bevölkerung einschränken.

„All this affects people’s ability to stay connected, study, work,“

Volodymyr Zelensky, President

In einem weiteren Beitrag über soziale Medien ergänzte Selenskyj, dass die Russen ihre Eskalationsoperation kontinuierlich ausdehnen würden und für sie das gesamte normale Leben ein Ziel darstelle. Das ukrainische Außenministerium unterstreicht demgegenüber, dass Rechenzentren zur kritischen zivilen Infrastruktur gehören und keinerlei Verbindung zu militärischen Zielen aufweisen.

„Rapid alerts about missile and drone threats are essential – they save lives. This is critical civilian infrastructure… It is not a military target. It is essential to keeping everyday life functioning,“

Andrii Sybiha, Foreign Minister

Das russische Verteidigungsministerium begründete die Luftschläge dagegen anders. Man habe gezielt Telekommunikationszentren wie Kyivstar und Parkowy sowie Logistikeinrichtungen angegriffen, weil diese mobile Internetoperationen ermöglicht und Starlink-Satellitenkommunikationssysteme für die ukrainischen Streitkräfte unterstützt hätten.

Sicherheitsmaßnahmen und die Perspektive für das Internetnetzwerk

Angesichts der anhaltenden Bedrohung beriet die Führung in Kiew über Gegenmaßnahmen. Nach Angaben von Regierungsstellen wurden bei einem Treffen des Präsidenten mit den obersten Verteidigungs- und Sicherheitsbeamten zusätzliche Beschlüsse gefasst, um die Rechenzentren und andere kritische Kommunikationsanlagen zu schützen und deren kontinuierlichen Betrieb zu gewährleisten.

Russland attackiert Rechenzentren in der Ukraine
Foto: ua.news

Zu der Frage, ob dem Land ein flächendeckender Internetausfall droht, äußerte sich Serhii Beskrestnov als Chefberater für Verteidigungstechnologien. Er räumte zwar ein, dass es zu lokalen Ausfällen kommen kann und die Kosten für Internetdienste zur Finanzierung von Reparaturen steigen könnten, betonte jedoch gleichzeitig die strukturelle Widerstandsfähigkeit des Landes.

„there may be local disruptions“

Serhii Beskrestnov, Top Adviser on Defence Technologies

Dank Hunderter nationaler und lokaler Anbieter gilt der ukrainische Telekommunikationsmarkt als einer der am stärksten diversifizierten in Europa, was einen totalen Blackout nach Einschätzung von Experten extrem unwahrscheinlich macht.

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Anna Richter

Über den Autor

Anna Richter leitet das Weltressort von Germanic Nachrichten. Sie berichtet ueber internationale Politik, Diplomatie und geopolitische Entwicklungen mit Fokus auf Kontext, Verlaesslichkeit und Relevanz fuer deutschsprachige Leser.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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