US-Präsident Donald Trump hat am 25. Mai 2026 die Hoffnung auf ein schnelles Ende des Konflikts mit dem Iran gedämpft und eine übereilte
Vereinbarung ausgeschlossen. Zuvor hatte er den Deal als weitgehend ausgehandelt bezeichnet. Im Zentrum stehen die Öffnung der Straße von Hormus und die fragliche Zukunft des iranischen Atomprogramms.
Die Dynamik der Verhandlungen gleicht einem strategischen Tauziehen. Nachdem Trump am Samstag noch signalisiert hatte, ein Abkommen sei nahezu fertiggestellt, vollzog er innerhalb von 48 Stunden eine rhetorische Kehrtwende. Diese Volatilität ist bezeichnend für seinen Verhandlungsstil, doch die Einsätze sind hoch: Der Krieg zwischen den USA, Israel und dem Iran währt nun knapp drei Monate, wobei die Kämpfe seit Anfang April auf Wunsch Trumps pausieren, wie Kurier berichtet.
Die Blockade der Straße von Hormus als zentraler Hebel
Die Freigabe der strategisch kritischen Handelsroute ist der Dreh- und Angelpunkt jeder möglichen Einigung. Laut DIE ZEIT wird die Öffnung der Straße von Hormus als zentraler Punkt des Abkommens betrachtet. Die Details sind jedoch hochumstritten und hängen von gegenseitigen Zugeständnissen ab.

Einem Bericht von Axios zufolge plant der Iran, Minen aus der Meerenge zu entfernen und auf die Erhebung von Durchfahrtsgebühren zu verzichten, allerdings nur für einen begrenzten Zeitraum von 60 Tagen ab Unterzeichnung. Im Gegenzug stellt Teheran harte Bedingungen: Die Kontrolle über die Wasserstraße muss beim Iran bleiben, und die USA müssen ihre Blockade der iranischen Häfen innerhalb von 30 Tagen beenden.
Dieser Disput zeigt die tiefe Kluft in der Wahrnehmung der Sicherheit. Während die USA eine dauerhafte Öffnung fordern, betrachtet der Iran die Wasserstraße als Instrument seiner nationalen Souveränität und als Druckmittel gegen die US-Sanktionen.
Das Atomprogramm: Ein „Mini-Deal“ ohne Kernlösung
Kritiker warnen, dass die aktuelle Verhandlungsstrategie lediglich ein „Mini-Deal“ sei, der die eigentlichen Probleme verschleiert. Das größte Risiko ist die Ausklammerung der Atomfrage. Während Trump vor drei Monaten das Atomprogramm als Hauptgrund für den Krieg anführte, scheint dieses Thema in den aktuellen Entwürfen kaum eine Rolle zu spielen.
- Uran-Bestand: Der Verbleib von 400 Kilogramm angereichertem Uran ist völlig ungeklärt.
- Zukünftige Anreicherung: Teheran würde sich lediglich verpflichten, in den kommenden 20 Jahren kein neues Atommaterial mehr anzureichern.
- Verhandlungsfenster: Die Details zum Atomprogramm sollen erst in einer nachgelagerten Frist von 30 oder 60 Tagen besprochen werden.
Für Beobachter wirkt dies wie ein Sieg für die Mullahs. Sie könnten eine Rückkehr zum Ölhandel und die Freigabe von geschätzten 25 Milliarden Dollar an eingefrorenen Vermögenswerten erreichen, ohne ihr Atomprogramm substanziell zu beschneiden.
Maximaler Druck und die Erweiterung der Abraham-Abkommen
Trump versucht, den Iran durch eine regionale Einkreisung zur Kapitulation zu zwingen. Wie sn.at berichtet, fordert der US-Präsident einen verpflichtenden Beitritt mehrerer muslimisch geprägter Staaten zu den Abraham-Abkommen als Bedingung für eine Einigung mit dem Iran.
- Saudi-Arabien
- Katar
- Pakistan
- Ägypten
- Jordanien
- Türkei
Analysten stufen diese Forderungen jedoch als weitgehend unrealistisch ein. Saudi-Arabien knüpft eine Normalisierung der Beziehungen zu Israel weiterhin an Schritte hin zu einem palästinensischen Staat, während Katar seine Rolle als neutraler Vermittler – auch gegenüber der Hamas – nicht opfern will. Trump nutzt diese Forderungen vermutlich als Teil seiner Taktik des maximalen Drucks, um seine Verhandlungsposition zu stärken.
Interne Widerstände und die „Deal or No Deal“-Dynamik
Im Inneren der US-Regierung und innerhalb der Republikaner herrscht Uneinigkeit. Während Außenminister Marco Rubio optimistisch blieb und von einem ziemlich soliden Ding auf dem Tisch
sprach, warnen Schwergewichte der eigenen Partei vor einem strategischen Fehler.

Ein „Desaster“ sei das Ganze.
Auch Senator Ted Cruz warnte davor, Teheran zu viele Zugeständnisse zu machen. Diese internen Spannungen spiegeln sich in Trumps öffentlicher Kommunikation wider. In einer fast schon surrealen Mischung aus Diplomatie und digitaler Einschüchterung postete er auf Truth Social ein KI-generiertes Bild einer MQ-9-Reaper-Drohne, die iranische Boote zerstört, versehen mit dem Wort Adios
, wie Der Standard dokumentiert.
Trump selbst reagiert allergisch auf Vergleiche mit dem Atomabkommen von 2015 unter Barack Obama und betont, sein Ansatz sei das genaue Gegenteil.
Es werde „entweder ein großartiges Abkommen für alle geben oder gar kein Abkommen“.
Die kommenden Tage werden entscheiden, ob das vorgeschlagene Rahmenabkommen – eine Verlängerung der Waffenruhe um 60 Tage – als Brücke zu einem dauerhaften Frieden dient oder ob die Fronten erneut verhärten. Die Bedingung, dass Israel sein Recht auf Selbstverteidigung behält, insbesondere gegenüber der Hisbollah im Libanon, bleibt dabei eine rote Linie, die eine Ausweitung der Waffenruhe auf den Libanon, wie vom Iran gefordert, derzeit blockiert.