Dieser massive Zuwachs resultiert aus einem sprunghaften Anstieg der Energiepreise, nachdem ein Krieg zwischen den USA und dem Iran die Ölversorgung über die Straße von Hormus massiv beeinträchtigte.
Die Zahlen sind extrem: Die betroffenen Unternehmen – darunter Saudi Aramco, BP, Shell, Equinor, TotalEnergies, Eni, Chevron und ExxonMobil – machten im Frühjahrsquartal mehr als 700.000 US-Dollar Gewinn pro Minute.
Saudi Aramco und BP: Gewinne trotz Krisenherde
Den höchsten Einzelgewinn im betrachteten Zeitraum erzielte der staatliche saudische Konzern Aramco. Trotz Schäden an der eigenen Infrastruktur durch Drohnen- und Raketenangriffe iranischer und houthischer Kräfte stieg das Nettoquartalsergebnis um 34 Prozent auf 32,7 Milliarden US-Dollar. Ein strategischer Vorteil war hierbei die Fähigkeit, die blockierte Straße von Hormus teilweise zu umgehen, indem Öl über eine Pipeline zum Roten Meer transportiert wurde.
Auch BP meldete am Dienstag einen massiven Sprung. Der Gewinn für den Zeitraum von April bis Juni betrug 5,73 Milliarden US-Dollar.
Patrick Galey, Fossil Fuel Lead bei Global Witness, erklärte, dass die extrem hohen Gewinne von BP eine skandalöse Erinnerung daran seien, wer in diesem Jahr vom menschlichen Leid profitiert habe. Während Waldbrände Gemeinschaften weltweit bedrohen, Dürren wüten und die Energiekosten in die Höhe schnellen, zahlten gewöhnliche Familien den Preis dafür, dass die großen Ölkonzerne den Reichtum der Aktionäre über einen lebenswerten Planeten stellten.
Die Rolle der Raffinerien bei ExxonMobil und Chevron
Während die Rohölpreise durch Angebot und Nachfrage getrieben wurden, profitierten insbesondere Unternehmen, die zusätzlich über eigene Raffinerien verfügen. ExxonMobil und Chevron konnten so die steigenden Preise für Endprodukte wie Benzin, Diesel und Kerosin direkt in Gewinne ummünzen.
ExxonMobil verdoppelte seinen Gewinn im zweiten Quartal auf 14,53 Milliarden US-Dollar, wobei eine Rekordproduktion von Diesel maßgeblich beitrug. Chevron steigerte seinen Gewinn fast auf das Vierfache auf 12,07 Milliarden US-Dollar. Laut Tom Seng, Assistenzprofessor für Energiefinanzen an der Texas Christian University, war der Gewinn aus dem Raffineriegeschäft von Chevron im Jahr 2026 sechsmal so hoch wie zuvor, obwohl weniger Rohöl verarbeitet und weniger Produkte verkauft wurden.
| Unternehmen | Quartalsgewinn (ca.) | Besonderheit |
|---|---|---|
| Saudi Aramco | 32,7 Mrd. $ | Pipeline-Umgehung Hormus-Sperrung |
| ExxonMobil | 14,53 Mrd. $ | Rekord-Dieselproduktion |
| Chevron | 12,07 Mrd. $ | Sechsfacher Raffinerieprofit |
| Shell | 10,8 Mrd. $ | Verdreifachung des Gewinns |
| BP | 5,73 Mrd. $ | Höchster Gewinn seit dem ersten Jahr des Ukraine-Kriegs |
Politische Reaktionen: Windfall-Steuern und rechtliche Konflikte
Die enormen Gewinne haben die Debatte über sogenannte Windfall Profits Taxes
(Übergewinnsteuern) neu entfacht. In den USA haben Demokraten im Kongress im März Gesetzesentwürfe eingebracht, um Ölproduzenten ab 2026 stärker zu besteuern. Senator Sheldon Whitehouse aus Rhode Island argumentierte, es sei fairer, eine solche Steuer zu erheben, als Programme zur Ernährung von Kindern zu kürzen.
In Deutschland signalisiert Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) ebenfalls die Unterstützung für eine solche Abgabe, wobei konkrete Maßnahmen auf EU-Ebene bisher ausblieben. Die EU-Kommission lehnt derzeit ähnliche Instrumente ab, wie sie 2022 nach dem russischen Angriff auf die Ukraine eingeführt wurden. Einzelne Länder wie Portugal setzen daher auf nationale Lösungen.
Die Industrie reagiert mit Widerstand. Darren Woods, CEO von ExxonMobil, bezeichnete die Bestrafung von Unternehmen, die die Versorgung aufrechterhalten, als kurzsichtig.
Darren Woods, CEO von ExxonMobil, gab an, dass sie Investitionen, die sie für Europa geplant hatten, aufgrund der letzten Einführung einer Übergewinnsteuer storniert hätten.
Strategischer Rückzug aus grünen Energien
Parallel zu den Gewinnen vollziehen einige Konzerne eine strategische Neuausrichtung weg von erneuerbaren Energien. BP hat im Rahmen eines fundamental reset
Anfang letzten Jahres sein jährliches Budget für die Energiewende von 5 Milliarden US-Dollar auf einen Bereich zwischen 1,5 und 2 Milliarden US-Dollar reduziert.

Das Unternehmen trennte sich bereits von Offshore-Windparks im Vereinigten Königreich und einem Onshore-Windgeschäft in den USA.
Kritiker wie Rosie Downes von Friends of the Earth sehen darin eine gefährliche Priorisierung von Aktionärswerten gegenüber dem Klimaschutz, während Millionen von Haushalten unter steigenden Energiekosten und den Folgen der Klimakrise leiden.
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