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Technik und Wissenschaft

KI-Automatisierung gefährdet Millionen Arbeitsplätze in den Philippinen

In den Philippinen führt der Einsatz generativer KI im Outsourcing-Sektor zu Entlassungen von Fachkräften, die zuvor selbst zur Optimierung dieser Systeme beigetragen haben. Laut der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) sind 12,7 Millionen Filipinos – mehr als jeder vierte Arbeitnehmer – in Berufen tätig, die durch KI gefährdet sind.

Die philippinische Outsourcing-Industrie, die oft als Zentrum der weltweiten Callcenter gilt, steht vor einer tiefgreifenden Transformation.

Training der eigenen Konkurrenz in Manila

Besonders prekär ist die Situation für Content-Ersteller und Texter. Eine ehemalige Mitarbeiterin eines multinationalen Unternehmens, die gegenüber der BBC unter dem Pseudonym Lisa sprach, berichtet, dass sie und ihre Kollegen beauftragt wurden, KI-generierte Materialien einer PR-Agentur zu bearbeiten. Diese Arbeit diente faktisch dazu, die KI im spezifischen Schreibstil des Unternehmens zu trainieren.

Lisa, ehemalige Outsourcing-Mitarbeiterin, habe das Gefühl, sie habe ihr eigenes Grab geschaufelt, da sie und ihre Kollegen diejenigen gewesen seien, die die künstliche Intelligenz trainierten, welche sie schließlich ersetzte.

Lisa wurde acht Monate nach ihrem Stellenantritt entlassen, nur einen Monat bevor ihre Position dauerhaft hätte werden sollen. Viele Betroffene in dieser Branche schweigen aufgrund von Vertraulichkeitsvereinbarungen, die sie im Gegenzug für Abfindungen unterzeichnen mussten, und aus Sorge, ihre weiteren Karrierechancen in dem eng vernetzten Sektor zu gefährden.

Risikobewertung der IBPAP und ILO

Die Anfälligkeit der philippinischen Wirtschaft gegenüber der KI-Entwicklung ist laut der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) im Vergleich zu anderen südostasiatischen Ländern am höchsten. Die ILO beziffert die Zahl der exponierten Arbeitsplätze auf 12,7 Millionen.

Jack Madrid, Präsident der IT and Business Process Association of the Philippines (IBPAP), bestätigt, dass die Branche die Technologie aktiv integriert. Mehr als zwei Drittel der IBPAP-Mitglieder führen bereits KI-Pilotprojekte durch. Madrid warnt insbesondere vor der sogenannten Agentic AI, die das Potenzial habe, Automatisierungsprozesse in einem deutlich beschleunigten Tempo voranzutreiben.

Während Madrid betont, dass die Mehrheit der betroffenen Arbeiter innerhalb derselben Organisationen neu eingesetzt wurde, bleibt die strukturelle Gefahr für einfache Service-Jobs bestehen. Die IBPAP sieht eine Schicht von Berufen, die entweder bereits automatisiert wurden oder kurz davor stehen.

Globale Trends: Massenentlassungen und Lohnverfall

Die Entwicklungen in den Philippinen spiegeln einen globalen Trend wider, bei dem KI nicht mehr nur assistiert, sondern ersetzt.

Die psychologischen und finanziellen Folgen für die Betroffenen sind massiv.

Die Frage bleibt, ob die versprochene Umschulung und Neuplatzierung der Arbeitskräfte mit der Geschwindigkeit der technologischen Verdrängung Schritt halten kann, insbesondere in Schwellenländern, in denen der BPO-Sektor (Business Process Outsourcing) über Jahrzehnte den Aufstieg in die Mittelschicht ermöglichte.

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Clara Vogt

Über den Autor

Clara Vogt verantwortet das Ressort Technik und Wissenschaft. Sie schreibt ueber KI, Digitalisierung, Forschung und Innovation und uebersetzt komplexe Entwicklungen in klaren, belastbaren Journalismus.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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