Präsident Donald Trump hat eine Executive Order unterzeichnet, die einen freiwilligen Prüfprozess für fortschrittliche KI-Modelle einführt, um nationale Sicherheitsrisiken vor deren Veröffentlichung zu bewerten. Das Rahmenwerk sieht eine Prüfungsfrist von 30 Tagen vor und zielt darauf ab, die technologische Führung der USA gegenüber China zu sichern, ohne Innovationen durch starre Regulierung zu bremsen.
Die US-Regierung setzt auf einen Balanceakt zwischen staatlicher Aufsicht und industrieller Geschwindigkeit. Nachdem Präsident Trump eine frühere Version der Richtlinie am 21. Mai aus Sorge vor einem Wettbewerbsnachteil gegenüber China nicht unterzeichnet hatte, sieht die nun gültige Executive Order eine freiwillige Zusammenarbeit mit sogenannten Frontier Labs vor. Dazu zählen Unternehmen wie Anthropic, OpenAI und Google.
Der 30-Tage-Prüfprozess und die Rolle der NSA
Im Kern der neuen Ordnung steht ein Zeitfenster von 30 Tagen, in dem die Regierung die nationalen Sicherheitsrisiken hochmoderner KI-Systeme prüfen kann, bevor diese öffentlich zugänglich gemacht werden. Dieser Zeitraum ist kürzer, als viele Branchenvertreter erwartet hatten, was laut Berichten der Associated Press eine bewusste Entscheidung war, um die Dynamik der Branche nicht zu behindern.

Der Konflikt mit Anthropic und die Fable 5-Sperre
Die theoretische Freiwilligkeit des neuen Rahmens steht im Kontrast zu den harten Maßnahmen, die die Regierung im Juni 2026 gegen das Unternehmen Anthropic ergriff. Am 12. Juni 2026 ordnete das Handelsministerium unter Sekretär Howard Lutnick an, den Zugriff ausländischer Staatsbürger auf die Modelle Fable 5 und Mythos 5 zu unterbinden, mit Verweis auf die nationale Sicherheit.
Auslöser war offenbar ein Hinweis von Amazon-CEO Andy Jassy an Schatzamentssekretär Scott Bessent. Forscher von Amazon hatten ein Modell der Mythos-Klasse dazu gebracht, beschränkte Methoden für Cyberangriffe zu beschreiben. Die Regierung war der Ansicht, dass Fable 5 durch einen sogenannten Jailbreak manipuliert werden konnte, um Sicherheitsvorkehrungen zu umgehen. Anthropic reagierte am 13. Juni 2026, indem es beide Modelle für alle Kunden deaktivierte, um die Anordnung zu erfüllen.
Dieser Vorfall markiert eine Eskalation in einem bereits angespannten Verhältnis. Bereits am 9. März 2026 klagte Anthropic gegen das Pentagon, nachdem das Unternehmen als Bedrohung für die nationale Sicherheit eingestuft worden war.
Strategische Neuausrichtung: Vom Exportstopp zum gemeinsamen Framework
Nach der abrupten Deaktivierung der Modelle begannen das Weiße Haus und Anthropic am 18. Juni 2026 mit der Ausarbeitung eines gemeinsamen Risikorahmens. Dieser Prozess ist bemerkenswert, da die Regierung zunächst Exportkontrollbefugnisse – normalerweise für Chips oder Waffen reserviert – einsetzte, um eine kommerzielle Software offline zu nehmen, und erst im Anschluss die Standards für zukünftige Interventionen definiert.

Für die Industrie bedeutet dies eine neue Form der Unsicherheit. Während die Unternehmen eine vorhersehbare Regelung forderten, zeigt der Fall Anthropic, dass die Regierung bereit ist, ohne vorheriges Regelwerk einzugreifen. Dies könnte Auswirkungen auf die Bewertung von KI-Unterstützern haben, insbesondere da Anthropic derzeit einen Börsengang vorbereitet und die Kanzlei Wilson Sonsini bereits mit den entsprechenden Arbeiten betraut hat.
Cyber-Sicherheit und die „Frontier Labs“
Die neue Executive Order sieht zudem die Schaffung einer zentralen Stelle für Cybersicherheit vor, um Informationen über KI-gestützte Risiken und Schwachstellen auszutauschen. Die sogenannten Frontier Labs – Anthropic, OpenAI und Google – befürworteten die Richtlinie öffentlich. OpenAI betonte, dass Sicherheitsrahmen durch demokratische Institutionen und technische Expertise entwickelt werden sollten, um Vertrauen und Rechenschaftspflicht zu gewährleisten.
Experten warnen jedoch davor, dass Freiwilligkeit allein nicht ausreicht. Katharina Sommer von der NCC Group argumentierte, dass bei der aktuellen Beschleunigung von Frontier-Modellen nicht-bindende Ratschläge systemische Schwachstellen ungesteuert ließen.
Während die aktuelle Administration versucht, die Kontrolle über KI-Risiken zu behalten, kritisierte Senator Mark Warner vom Geheimdienstkomitee des Senats, dass die Regierung die Notwendigkeit für solche Leitplanken belatedly discovered, nachdem sie viele der ursprünglichen Sicherheitsvorkehrungen von Präsident Biden unmittelbar nach Amtsantritt aufgehoben hatte.
Weiterlesen
