Das Wien Museum hat ein neues Crowdsourcing-Projekt gestartet, um historische Fotografien aus Wien ab dem Jahr 1850 zu verorten und zu beschreiben. Ziel des bislang aufwendigsten Projekts dieser Art ist es, die ständigen Veränderungen des Stadtbildes durch die Mithilfe der Bevölkerung zu dokumentieren.
Das Wiener Stadtbild befindet sich in einem ständigen Wandel. Uralte Häuser weichen Neubauten, während andere Gebäude renoviert werden. Um diese Entwicklung festzuhalten, setzt das Wien Museum auf die Beteiligung der Öffentlichkeit. Bürgerinnen und Bürger sind aufgerufen, alte Aufnahmen zu erkennen, zu beschreiben und mit Ortsangaben zu versehen.
Menschliches Wissen statt Künstlicher Intelligenz
Das Vorhaben gilt als das bisher aufwendigste Projekt des Hauses. Dabei geht es nicht nur darum, die Motive zu bestimmen. Auf den Rückseiten der historischen Bilder befinden sich oft wichtige Hinweise, die transkribiert werden müssen, wie Evi Scheller gegenüber dem ORF Wien erklärte.
Es wird auch wieder transkribiert, weil teilweise auf den Rückseiten von den Fotos einfach wichtige Informationen stehen.
Evi Scheller, ORF Wien
Zudem ist Kontextwissen gefragt. Gesucht werden Informationen darüber, wer die Aufnahme gemacht hat und aus welcher Epoche sie stammt. Beteiligte müssen sich in den jeweiligen Vierteln auskennen, um nachvollziehen zu können, wann bestimmte Häuser abgerissen wurden oder welche Veränderungen im Viertel stattfanden. Jedes Bild muss außerdem mit entsprechenden Schlagworten versehen werden.
Bei dieser Arbeit verzichtet das Museum bewusst auf Künstliche Intelligenz.
Der eine weiß vielleicht was über die Straße, der andere hat noch eine Information zu ehemaligen Bewohnern oder welche Geschäfte dort mal waren. Das ist etwas, was die KI einfach noch nicht leisten kann.
Evi Scheller, Wien Museum
Historische Details und der Blick zurück ab 1850
Das Material reicht zeitlich bis in das Jahr 1850 zurück. Neben der reinen Dokumentationsarbeit bietet das Projekt den Teilnehmenden auch Einblicke in vergangene Alltagswelten. So lassen sich die Kleidung der Menschen oder historische Details wie frühere Kinderwägen betrachten.
Es ist einfach eine Freude, allein die Fotos anzuschauen. Und wenn man dann noch was beitragen kann, dann ist es einfach auch eine sehr sinnvolle und hilfreiche Arbeit für uns.
Evi Scheller, Wien Museum
Diese Kombination aus persönlichem Interesse und wissenschaftlichem Wert macht das Projekt zu einer wertvollen Bereicherung für die Dokumentation der Stadtgeschichte im Wien Museum.
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