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Technik und Wissenschaft

Treibhausgase verhindern neue Eiszeit laut Studie

Wissenschaftler haben nachgewiesen, dass menschliche Treibhausgasemissionen den Beginn einer neuen Eiszeit verhindert haben. Vor rund 2.000 Jahren begann der Barnes-Eiskanter auf der Baffininsel in Kanada zu wachsen, was den Start einer neuen Vergletscherung markierte. Dieser natürliche Prozess wurde jedoch in den 1960er Jahren durch die globale Erwärmung gestoppt.

Die Erdgeschichte wird von extremen Klimazyklen geprägt. Vor rund 20.000 Jahren dehnte sich das gewaltige Laurentinische Eisschild über weite Teile Nordamerikas aus. Es erstreckte sich vom Polarkreis bis nach Illinois und erreichte stellenweise eine Dicke von über drei Kilometern, wie Forscher der Columbia Climate School darlegen. Nach dem Ende der letzten großen Kaltzeit vor etwa 11.700 Jahren schrumpfte der Eisschild drastisch. Bis auf den heutigen Barnes-Eiskanter auf der Baffininsel im kanadischen Territorium Nunavut ist von dieser gigantischen Eismasse kaum etwas übrig geblieben.

Im Zentrum der im Fachjournal Science veröffentlichten Untersuchung stehen detaillierte Analysen über den Zustand der früheren Eisschichten. Neben den federführenden Experten arbeiteten zahlreiche Wissenschaftler an dem Projekt mit, darunter Martha Raynolds, Helga Bueltmann, Scott Lehman, Jonathan Raberg, Kylie Seward, Simon Pendelton, John Andrews und Patrick Webber. Die Forscher hoben hervor, dass die Erde geologisch gesehen noch immer in einer Eiszeit weilt, der spätzänozoischen Kaltphase, die vor rund 34 Millionen Jahren ihren Anfang nahm.

Giff miller failed ice age
Foto: University of Colorado Boulder

Barnes-Eiskanter Verrät das Ende des Eises

Um die Bewegungen des Eises zu rekonstruieren, nutzten Wissenschaftler eine präzise Methode.

Sie untersuchten uralte Moose und Sträucher, die vor Jahrtausenden von dem vorrückenden Eis begraben und konserviert wurden. Durch Radiokohlenstoffdatierung an diesen Pflanzenresten gelang es dem Forschungsteam, den exakten Zeitpunkt zu bestimmen, zu dem das Eis die Vegetation überwucherte und abtötete. Da abgestorbene Pflanzen keinen Kohlenstoff mehr aufnehmen, dient das Alter der Proben als zuverlässige Uhr für den Zeitpunkt des Gletscher Vormarschs.

Disappearing Ice Caps – Giff Miller on Baffin Island

Die Daten zeigen, dass das Eisschild vor rund 3.000 Jahren seine minimale Ausdehnung erreicht hatte. Etwa um das Jahr 0 – während der Herrschaft des römischen Kaisers Augustus – begann der Barnes-Eiskanter wieder langsam zu wachsen. Es war gerade erst im Gange, alles war normal, die nächste Vergletscherung stand kurz bevor – und doch stoppte sie, erklärt Nicolás Young, Hauptautor der im Fachjournal Science veröffentlichten Studie und Geochemiker am Lamont-Doherty Earth Observatory der Columbia University. Die Untersuchungen zeigten, dass das antike Eisschild im späten Holozän kontinuierlich an Fläche gewann, da die Sommerbedingungen auf dem nördlichen Kontinent kühler wurden.

Es war gerade erst im Gange, alles war normal, die nächste Vergletscherung stand kurz bevor – und doch stoppte sie.

Nicolás Young, Geochemiker an der Columbia University, via CNN

Menschliche Treibhausgase Verändern den Klimaverlauf

Fast zwei Jahrtausende lang hielt das langsame Wachstum des Eises an. Doch um das Jahr 1960 wendete sich das Blatt abrupt. Steigende Sommertemperaturen führten dazu, dass der Eiskanter mehr Masse verlor, als im Winter durch Schnee hinzukam. Seitdem zieht sich die Eiskante stetig zurück. Die Studienerautoren führen diesen abrupten Stopp auf den massiven Ausstoß von Treibhausgasen durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe seit der Industrialisierung zurück.

Treibhausgase verhindern neue Eiszeit laut Studie
Foto: Yale E360

Die Ergebnisse der in Science publizierten Untersuchung verdeutlichen, dass der Mensch zu einem geologischen Faktor geworden ist. Die menschengemachte Erwärmung hat die natürlichen orbitalen Zyklen der Erde übertrumpft. Während traditionelle Klimamodelle den Beginn einer Eiszeit erst dann definieren, wenn riesige Eisscheiben globale Meeresspiegel spürbar senken, argumentiert das Team um Young, dass bereits das erste Wiederanwachsen lokaler Eiskappen als Beginn einer Eiszeit gewertet werden muss. Durch den zusätzlichen Eintrag von Kohlenstoffdioxid in die Atmosphäre wurde diese natürliche Entwicklung jedoch im 20. Jahrhundert gewaltsam unterbrochen.

Wissenschaftliche Debatte um Neue Vergletscherungszyklen

Nicht alle Experten teilen diese weitreichende Interpretation. Andere Forscher weisen darauf hin, dass die natürliche Dynamik von Kaltzeiten weitaus größere Zeiträume umfasst. Andrey Ganopolski, Physiker am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, dessen eigene Modellstudien in der Vergangenheit einen späteren Beginn prognostizierten, äußerte gegenüber Medien, dass das vergleichsweise geringe Wachstum des Barnes-Eiskanters nicht ausreiche, um von einem bereits begonnenen und anschließend abgebrochenen globalen Gletscherzyklus zu sprechen.

Treibhausgase verhindern neue Eiszeit laut Studie
Foto: The Times of India

Ungeachtet dieser Definitionsfragen steht fest, dass die modernen Klimaänderungen die natürlichen Rhythmen der Erde tiefgreifend stören. Joerg Schaefer, Geochemiker an der Columbia University und Mitautor der Studie, betont, dass die neuen Beobachtungen einen seltenen Einblick in den Beginn von Re-Vergletscherungen erlauben. Nach dem Ende der letzten großen Kaltzeit vor etwa 11.700 Jahren schrumpfte der Eisschild drastisch.

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Clara Vogt

Über den Autor

Clara Vogt verantwortet das Ressort Technik und Wissenschaft. Sie schreibt ueber KI, Digitalisierung, Forschung und Innovation und uebersetzt komplexe Entwicklungen in klaren, belastbaren Journalismus.

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