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Technik und Wissenschaft

ETH-Studie: Schlimmstes Klimaszenario für die Schweiz wahrscheinlich

Eine neue Studie der ETH Zürich und der Universität Leipzig zeigt, dass sich die Erde bis zum Jahr 2100 voraussichtlich um 3,25 Grad erwärmen wird. Ohne sofortige Emissionskürzungen rückt das bisher extremste Klimaszenario damit näher. In der Schweiz, die sich bereits jetzt schneller als der globale Durchschnitt erwärmt, könnte der Temperaturanstieg bis zu 4,9 Grad betragen.

Satellitenmessungen korrigieren Klimaprognosen nach oben

Bisher stützten sich Klimaprognosen vor allem auf historische Daten und den bisherigen Anstieg der Kohlendioxidkonzentration in der Atmosphäre. Die aktuelle Forschung bezieht nun zusätzlich Satellitenmessungen ein, die den Energiehaushalt der Erde erfassen. Gemessen wird dabei, wie viel Sonnenlicht der Planet absorbiert und wie viel Wärme er als Infrarotstrahlung ins All abstrahlt.

Die Differenz zwischen aufgenommener und abgegebener Energie hat sich seit dem Jahr 2000 mehr als verdoppelt. Dieser Zuwang an Energie deutet darauf hin, dass die in der Erdatmosphäre gespeicherte Wärmemenge schneller zunimmt als bisher angenommen. «Ohne sofortige und drastische Emissionskürzungen müssen wir mit einem Szenario rechnen, bei dem die Erwärmung um 25% zunimmt», erklärt Gergana Gyuleva, Doktorandin in der Gruppe für Klimaphysik an der ETH Zürich und Hauptautorin der Untersuchung, die im August in der Fachzeitschrift Earth’s Future veröffentlicht wurde. Die Forschenden räumen allerdings ein, dass die entsprechenden Satellitendaten erst rund 25 Jahre zurückreichen.

ETH-Studie: Schlimmstes Klimaszenario für die Schweiz wahrscheinlich
Foto: Tages-Anzeiger

Extreme Hitzesommer als neuer Massstab in der Schweiz

Für die Menschen in der Schweiz ist die Erwärmung bereits spürbar. Der Sommer 2026 war der heisseste und trockenste seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1864. Die Intensität dieser Monate entspricht dem, was in einer um drei Grad wärmeren Welt als durchschnittlicher Sommer gilt. Damit rückt ein Zustand in greifbare Nähe, der bislang als Extremfall galt.

Als historischer Vergleichspunkt dient den Forschenden der Sommer 2003, der europaweit schätzungsweise 70.000 Menschen das Leben kostete, davon rund 1.000 in der Schweiz. Seit 2018 sind solche extremen Hitzewellen zu einem regelmässigen Merkmal geworden, während sie davor eher selten waren. Zudem hat sich die warme Jahreszeit ausgedehnt: Heutzutage dauert der Sommer in der Schweiz von Juni bis September. In diesem Jahr verzeichneten Städte wie Basel 58 Tage mit Temperaturen von mindestens 30 Grad, Bern 46 Tage und Zürich 38 Tage.

Auswirkungen auf das verbleibende CO2-Budget und die Schweizer Klimaziele

Durch die neue Korrektur weist die Studie jeder Tonne ausgestossenen CO₂ eine stärkere erwärmende Wirkung zu als bisherige Modelle. Um das Schlimmste zu verhindern, müssen die weltweiten Emissionen nach Berechnungen der Forschenden bis etwa 2030 halbiert und bis spätestens 2050 auf Netto-Null gesenkt werden.

ETH-Studie: Schlimmstes Klimaszenario für die Schweiz wahrscheinlich
Foto: SRF

Die Schweiz hat sich verpflichtet, ihre Treibhausgasemissionen bis 2030 gegenüber dem Jahr 1990 zu halbieren und bis 2050 Klimaneutralität zu erreichen. Bislang wurden die Emissionen um etwas mehr als ein Viertel gesenkt. Im August hatte Umweltminister Albert Rösti jedoch erklärt, dass die Schweiz ihre Klimaziele für 2030 voraussichtlich verfehlen wird. Da Verkehr und Gebäude zusammen mehr als die Hälfte der heimischen Emissionen verursachen, gilt der rasche Ausbau der erneuerbaren Energien in diesen Bereichen als entscheidend.

Wege zur Emissionsreduktion und gesellschaftliche Zukunftsvisionen

Dazu gehört der konsequente Ersatz von Benzinautos durch Elektrofahrzeuge sowie von Öl- und Gasheizungen durch Wärmepumpen oder Geothermie. Elektroautos könnten zudem nachts als Stromspeicher für das Netz dienen. Sonia Seneviratne, Leiterin des Instituts für Atmosphären- und Klimawissenschaften an der ETH Zürich und Mitautorin der Studie, verweist zudem auf strukturelle Vorteile eines unabhängigen Energiesystems: Ein System, das nicht von importierten fossilen Brennstoffen abhängt, ist weniger anfällig für geopolitische Krisen. Auch eine moderate Senkung des Fleisch- und Milchkonsums würde laut den Forschenden die Lebensmittelqualität steigern, den Import von Tierfutter drosseln und den Nitratgehalt im Grundwasser senken.

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Clara Vogt

Über den Autor

Clara Vogt verantwortet das Ressort Technik und Wissenschaft. Sie schreibt ueber KI, Digitalisierung, Forschung und Innovation und uebersetzt komplexe Entwicklungen in klaren, belastbaren Journalismus.

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