Tesla rüstet für die Markteinführung seines fahrerlosen Taxis Cybercab und kündigt für den 3. September eine exklusive Veranstaltung im texanischen Austin an. Der goldfarbene, komplett autonom konzipierte Zweisitzer kommt ohne Lenkrad und Pedale aus. Gleichzeitig steht das Unternehmen wegen harter Testbedingungen in der Kritik.
Beim E-Auto-Hersteller Tesla verdichten sich die Hinweise auf eine bevorstehende Markteinführung des fahrerlosen Taxis Cybercab. Für den 3. September hat das US-Unternehmen eine exklusive Präsentationsveranstaltung im texanischen Austin angesetzt. Damit ergänzte der Konzern eine zuvor geschaltete Anzeige, in der es hieß: Wir feiern den Start unseres Robotaxis Cybercab mit einer exklusiven Veranstaltung in Austin – und Sie können dabei sein
.
Vom Prototypen zur Serienfertigung in Texas
Das goldfarbene Cybercab war im Oktober 2024 erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt worden. Musk hatte damals angekündigt, vor dem Jahr 2027 in die Serienproduktion starten zu wollen und das Modell für einen Endkundenpreis von unter 30.000 Dollar beziehungsweise rund 25.700 Euro anzubieten. Das Elektrofahrzeug besitzt weder ein Lenkrad noch herkömmliche Pedale und ist explizit als selbstfahrendes Taxi für ein bis zwei Passagiere ausgelegt. Die Salzburger Nachrichten wiesen darauf hin, dass der erste seriengefertigte Cybercab bereits im Februar in einem texanischen Werk vom Band rollte, gefolgt vom offiziellen Produktionsstart im April.
Ob die Serienfertigung inzwischen im großflächigen Rahmen läuft, bleibt jedoch offen. In dem am 22. Juli veröffentlichten Quartalsbericht tauchte das bisherige Ziel einer Massenproduktion des autonomen Taxis nicht mehr auf. Dennoch zeigen Sichtungen in Texas, dass die Entwicklung voranschreitet. Einem Bericht von MySA zufolge entdeckten Beobachter auf einem Reddit-Post zahlreiche Cybercabs auf einem Betriebsgelände in San Antonio, während andere Berichte Testfahrten auf Straßen wie dem Highway 281 und der San Pedro Avenue erwähnen. Musk bekräftigte kürzlich im Rahmen einer Quartalsdiskussion, dass die langfristigen Ziele für das Robotaxi-Geschäft äußerst ambitioniert sind und die Ausweitung auf ganze Bundesstaaten anstelle reiner Einzellösungen angestrebt wird.
Vergleich mit bestehenden Robotaxi-Diensten in den USA
Tesla betreibt bereits einen kommerziellen Robotaxi-Dienst in Austin, der im Juni startete. Dabei greift das Unternehmen allerdings noch auf sein etabliertes Model Y zurück, während der reine Cybercab als purpose-built
-Fahrzeug – also gezielt für den fahrerlosen Betrieb konstruiert – eingestuft wird. Neben Austin sind Teslas autonome Taxis mittlerweile in Städten wie Miami, Dallas, Houston und San Francisco im Einsatz. In der Mehrzahl dieser Fahrzeuge sitzt jedoch weiterhin ein menschlicher Operator, der das Fahrgeschehen überwacht oder bei Bedarf eingreift.
Im direkten Vergleich mit der Konkurrenz verfolgt Tesla einen technologischen Sonderweg. Während etablierte Anbieter wie Waymo, deren weiße Fahrzeuge im Stadtbild von San Antonio oder Phoenix präsent sind, auf eine Kombination aus Kameras, Radar und Laserscanner-Technologie namens LiDAR setzen, vertraut Tesla konsequent auf eine reine rein kamerabasierte Umgebungserfassung. Zudem differenzieren sich die Autonomiegrade: Während Waymos Flotten vollständig auf Stufe 4 ohne menschliche Intervention operieren, gelten Teslas bisherige Robotaxi-Einsätze überwiegend als Stufe 2, bei denen ein Fahrer jederzeit eingreifen können muss. Das Cybercab hingegen ist als autonomes Level-4-Fahrzeug konzipiert.
Kritik an den Testbedingungen und schwere Vorwürfe aus Houston
Während das Unternehmen die kommerzielle Markteinführung vorbereitet, wirft ein Klagverfahren aus Texas Schatten auf die internen Testabläufe. Ein ehemaliger Tesla-Manager, der die Testflotte für das System Full Self-Driving
in Houston leitete, hat beim Bundesgericht eine Klage wegen unrechtmäßiger Entlassung eingereicht. Das Branchenportal Electrek machte den Fall öffentlich und beschrieb die Schilderungen des Klägers über stark überlastete Personalstrukturen.
Der ehemalige Manager gab an, bis Mitte 2024 allein die Verantwortung für den Ausbau und die Betreuung der Houstoner Testflotte getragen zu haben, die als Grundlage für den dortigen Robotaxi-Start im April diente.
In der Klageschrift wird dies als ein gefährliches Verhältnis von 38 Operatoren pro Manager bezeichnet, welches die von Tesla selbst festgelegte Sicherheitsbasis von 15 zu 1 überschritten habe.

Demnach mussten Testfahrer Schichten von 60 bis 80 Stunden wöchentlich absolvieren. Der Kläger schilderte einen massiven Kontrollverlust durch extreme Überarbeitung. Im März 2025 ereignete sich während des Testbetriebs ein Unfall, bei dem ein autonomes Testfahrzeug einen Passanten anfuhr. Der Manager gab an, aufgrund totaler Übermüdung während des nächtlichen Notrufs nicht mehr voll handlungsfähig gewesen zu sein. Nach internen Beschwerden über die personellen Engpässe habe ihm das Management ein Leistungslimit auferlegt und empfohlen, das Telefon auf stumm zu schalten. Am 1. Mai 2025 wurde er entlassen; kurz darauf ersetzte das Unternehmen ihn durch drei verschiedene Führungskräfte. Tesla äußerte sich auf Medienanfragen zu den Vorwürfen zunächst nicht.
Weiterlesen