Der BMW iX3 gewann den im Juni 2026 durchgeführten Reichweitentest „El Prix“ des norwegischen Automobilclubs NAF mit einer Distanz von 781 Kilometern. Insgesamt 24 aktuelle Elektroautos wurden unter sommerlichen Bedingungen getestet, wobei elf Modelle ihre offiziellen WLTP-Herstellerangaben übertrafen und damit die Praxistauglichkeit moderner Batterietechnik belegten.
BMW iX3: Erster deutscher Sieg beim El Prix
Zum ersten Mal in der Geschichte des norwegischen Reichweitentests sicherte sich ein deutsches Fahrzeug den Spitzenplatz bei der absoluten Distanz. Der BMW iX3 legte 781 Kilometer zurück, bevor die Batterie erschöpft war. Damit übertraf das SUV die Werksangabe nach WLTP-Standard um elf Kilometer, was einer Steigerung von 1,5 Prozent entspricht, wie CHIP berichtet.

Dieses Ergebnis ist eng mit der Einführung der neuen Plattform „Neue Klasse“ verknüpft. Die Performance des iX3 unterstreicht die strategische Ausrichtung BMWs auf eine gesteigerte Effizienz der Antriebsstränge. Im direkten Vergleich der absoluten Reichweiten folgten der US-amerikanische Lucid Gravity mit 720 Kilometern und der Mercedes CLA mit 675 Kilometern.
Die Ergebnisse zeigen eine klare Korrelation zwischen Batteriekapazität und Enddistanz. Die drei Spitzenreiter nutzten große Speicher: Der BMW verfügte über 109 kWh, der Lucid über 123 kWh und der Mercedes über 90 kWh, wie aus den Daten von kfz-betrieb hervorgeht.
| Modell | Reale Reichweite | Abweichung zu WLTP |
|---|---|---|
| BMW iX3 | 781 km | +1,5 % |
| Lucid Gravity | 720 km | -3,7 % |
| Mercedes CLA | 675 km | -4,7 % |
Xpeng X9 und die Effizienz-Überlegenheit aus China
Während BMW die absolute Distanz dominierte, gewann der chinesische Van Xpeng X9 den Test in der Kategorie der prozentualen Effizienz. Das Fahrzeug übertraf seine WLTP-Angabe von 580 Kilometern deutlich und erreichte eine reale Reichweite von 646 Kilometern. Das entspricht einer positiven Abweichung von 11,4 Prozent, was laut Watson den höchsten Wert im gesamten Teilnehmerfeld darstellt.
Dieser Erfolg markiert einen Wendepunkt in der Wahrnehmung chinesischer Elektrofahrzeuge. Die Fähigkeit, Laborwerte in der Praxis nicht nur zu erreichen, sondern signifikant zu übertreffen, deutet auf einen technologischen Vorsprung bei der Batteriemanagement-Software und der Aerodynamik hin. Auch andere kompakte Modelle zeigten eine hohe Effizienz: Der Kia EV2 übertraf seine Norm um 5,4 Prozent, während der Hyundai Inster eine Steigerung von 3,5 Prozent erzielte.
Besonders bemerkenswert ist, dass der Xpeng X9 trotz seiner Größe als Familien-Van diese Werte erreichte, was ihn zu einer ernsthaften Konkurrenz für europäische Premium-SUVs macht.
Die Diskrepanz zwischen WLTP-Werten und Realität
Die Ergebnisse des Sommer-El-Prix revidieren das gängige Narrativ, dass Herstellerangaben systematisch zu optimistisch sind. Elf der 24 getesteten Fahrzeuge kamen weiter als offiziell angegeben. Ein Toyota bZ4X erreichte nahezu exakt den Normwert.
Die Testbedingungen waren mit Temperaturen zwischen 12 und 18 Grad (einige Quellen nennen eine Spanne von 10 bis 24 Grad) und trockenen Straßen nahezu ideal. Die Route bestand aus einem Mix aus Stadt, Landstraße und Autobahn mit einer Höchstgeschwindigkeit von 110 km/h. Diese moderaten Geschwindigkeiten begünstigen den Energieverbrauch im Vergleich zu hohen Autobahnreisen, wie Auto Motor und Sport anmerkt.
Ein kritischer Vergleich zum Winter-El-Prix verdeutlicht jedoch die Abhängigkeit vom Klima. Während die Abweichungen im Sommer gering waren oder ins Positive umschlugen, verloren die Fahrzeuge im Wintertest bei extremen Minusgraden zwischen 30 und fast 50 Prozent ihrer Reichweite. Die WLTP-Werte, die in der EU für 14 Grad vorgeschrieben sind, dienen somit primär als Vergleichsinstrument zwischen Herstellern, nicht als absolute Garantie für jede Jahreszeit.
MG IM6 als Schlusslicht der Reichweiten-Prüfung
Am anderen Ende des Spektrums zeigte sich die Varianz innerhalb chinesischer Hersteller. Während Xpeng glänzte, enttäuschte das SUV-Coupé MG IM6 deutlich. Das Fahrzeug blieb mit einer realen Reichweite von 446 Kilometern fast zwölf Prozent hinter der Werksangabe von 505 Kilometern zurück, wie Blick berichtet.

Auch der Hyundai Ioniq 9 konnte nicht überzeugen und lag mit einer Abweichung von minus 5,7 Prozent unter den Erwartungen. Diese Diskrepanzen verdeutlichen, dass eine hohe Batteriekapazität allein keine Garantie für reale Reichweite ist, sondern die Effizienz der Energieumwandlung den entscheidenden Faktor darstellt.
Für Verbraucher ergeben sich aus den Testergebnissen konkrete Hebel zur Reichweitenoptimierung. Die Wahl kleinerer Felgen kann den Stromverbrauch pro 100 Kilometer um etwa eine Kilowattstunde senken. Zudem maximiert eine hohe manuelle Rekuperation, insbesondere im Stadtverkehr und bei Bergabfahrten, die Energierückgewinnung.
Die Gesamtaussage des Tests ist eindeutig: Die Reichweitenangst ist im Sommer für viele aktuelle Modelle hinfällig. Mit Fahrzeugen wie dem BMW iX3 sind Langstrecken, etwa von Zürich an die Mittelmeerküste, ohne Zwischenstopps realisierbar. Die Herausforderung bleibt jedoch die Konsistenz der Werte über alle Temperaturbereiche hinweg.
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