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Unternehmen

Bayer räumt Hürde für Glyphosat-Vergleich aus dem Weg

Ein US-Bundesrichter hat den Versuch von Kritikern abgelehnt, einen milliardenschweren Glyphosat-Vergleich von Bayer an ein Gericht in San Francisco zu verlegen. Richter Henry Edward Autrey verwies das Verfahren zurück nach Missouri. Damit bleibt der Weg für einen Vergleich über bis zu 7,25 Milliarden Dollar in St. Louis offen.

Die Entscheidung von Richter Autrey und die Marktreaktion

Die Entscheidung von Richter Autrey und die Marktreaktion
Photo: boersen-zeitung.de
Die juristische Hürde fiel am Mittwoch. Wie die Boersen-Zeitung berichtet, lehnte Richter Henry Edward Autrey den Antrag einiger Kläger ab, den Sammelvergleich an ein Bundesgericht in San Francisco zu ziehen. Seine Begründung: Nach US-Recht könne nur die tatsächlich beklagte Partei – in diesem Fall Bayer – eine solche Verlegung beantragen. Die Nachricht löste an den Märkten eine sofortige Reaktion aus. Die Bayer-Aktie legte im späten Handel um mehr als 6 Prozent zu. Für den Konzern bedeutet das Urteil vor allem eines: Planungssicherheit. Bayer begrüßte den Beschluss und erklärte, die Entscheidung schaffe die dringend benötigte Klarheit für alle Beteiligten. Damit ist ein Verfahren vor einem speziellen US-Bundesrichtergremium (JPML) hinfällig. Die meisten Klagen wegen angeblicher Krebsrisiken des Unkrautvernichters Roundup sind in St. Louis anhängig, weshalb die Beibehaltung des Gerichtsstandes in Missouri strategisch entscheidend ist.

Details zum 7,25-Milliarden-Dollar-Vergleich

Details zum 7,25-Milliarden-Dollar-Vergleich
Photo: handelsblatt.com
Im Zentrum des Streits steht ein im Februar angekündigter Sammelvergleich. Laut Trend.at sieht dieser Vereinbarung Zahlungen von bis zu 7,25 Milliarden Dollar vor, die über einen Zeitraum von bis zu 21 Jahren fließen sollen. Der Vergleich soll sowohl aktuelle als auch künftige Klagen beilegen. Die finanzielle Last resultiert aus der 2018 erfolgten Übernahme des Glyphosat-Entwicklers Monsanto für 63 Milliarden Dollar. Seither kämpft Bayer gegen eine massive Klagewelle. Die Tochtergesellschaft Monsanto betont weiterhin, dass der vorgeschlagene Vergleich für alle beteiligten Parteien fair sei. Ein kurzer Überblick über die Eckdaten des Vergleichs:
  • Gesamtsumme: Bis zu 7,25 Milliarden Dollar.
  • Zahlungszeitraum: Bis zu 21 Jahre.
  • Ziel: Beilegung aktueller und zukünftiger Klagen.
  • Status: Vorläufige Zustimmung des Gerichts in Missouri im März.

Vorwürfe geheimer Absprachen und juristischer Widerstand

Glyphosat-Prozess: Milliardenstrafe für Bayer-Tochter Monsanto
Trotz des Teilerfolgs bleibt die Front zwischen dem Konzern und den Klägern verhärtet. Anwälte betroffener Krebspatienten hatten die Verlegung nach San Francisco beantragt, da sie den Vergleich als Ergebnis einer geheimen Absprache zwischen Bayer und bestimmten Klägeranwälten kritisierten. Die Kritik geht laut Handelsblatt über die reine Prozessführung hinaus. Die Kläger argumentieren, das Gericht in Missouri besäße keine Befugnis, Bürger aus anderen US-Bundesstaaten rechtlich zu binden. Zudem seien die Hürden für einen Ausstieg aus dem Vergleich absichtlich so hoch angesetzt worden, dass Betroffene an der Fortführung ihrer individuellen Klagen gehindert würden. Besonders brisant war die drohende Zuständigkeit von US-Bezirksrichter Vince Chhabria. Chhabria koordiniert die Glyphosat-Klagen auf Bundesebene und hatte sich bereits in der Vergangenheit äußerst kritisch über den in Missouri ausgehandelten Vergleich geäußert. Bereits im Jahr 2021 scheiterte unter seiner Leitung ein erster Versuch von Bayer, eine Einigung für künftige Klagen zu erzielen.

Die Drohung mit dem Produktionsstopp in den USA

Die Drohung mit dem Produktionsstopp in den USA
Die rechtlichen Auseinandersetzungen haben mittlerweile existenzielle Auswirkungen auf die Geschäftsstrategie in Nordamerika. Bayer ist derzeit das einzige Unternehmen, das Glyphosat in den USA herstellt. In einem Auftritt bei einer Veranstaltung des Wall Street Journal setzte der Konzernchef eine deutliche Warnung. Wie Deutschlandfunk berichtet, drohte der CEO damit, die Glyphosat-Produktion in den USA komplett einzustellen, sollte keine dauerhafte Lösung für die rechtlichen Probleme gefunden werden. Die Dimension des Problems unterstreichen die Zahlen des Unternehmens: Rund 100.000 Kläger machen derzeit Ansprüche geltend. Während Umweltorganisationen das Mittel als wahrscheinlich krebserregend einstufen, konzentriert sich Bayer laut einem Unternehmensvertreter darauf, die Geschäftsergebnisse zu verbessern und die Rechtsstreitigkeiten final beizulegen.

Der Zeitplan bis zum Supreme Court und die Juli-Anhörung

Nachdem die Frage des Gerichtsstandes vorerst geklärt ist, rücken zwei Termine in den Fokus. Zunächst erwartet Bayer bis Ende Juni eine Entscheidung des Supreme Court. Ein Urteil des Obersten Gerichtshofs zugunsten des Pharma- und Agrarkonzerns könnte einen entscheidenden Befreiungsschlag in der jahrelangen Klagewelle bedeuten. Parallel dazu läuft das Genehmigungsverfahren in Missouri weiter. Für den 9. Juli ist die abschließende Anhörung angesetzt. Sollte das Gericht den Vergleich final bestätigen, könnte dies die finanzielle Unsicherheit, die die Aktie Anfang Juni zeitweise schwer belastete, signifikant reduzieren. Die kommenden Wochen entscheiden somit darüber, ob Bayer den Monsanto-Albtraum durch eine milliardenschwere, aber kontrollierte Zahlung beendet oder ob die Produktion in seinem wichtigsten Markt aufgegeben werden muss.

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David Falk

Über den Autor

David Falk verantwortet das Wirtschafts- und Unternehmensressort von Germanic Nachrichten. Er berichtet ueber Maerkte, Mittelstand, Innovation und strategische Entwicklungen in deutschen und internationalen Unternehmen.

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