Sean McVay steuert in seine zehnte Saison als Cheftrainer der Los Angeles Rams und hat sich zu einem der einflussreichsten Köpfe der NFL entwickelt. Mit fünf aktiven Headcoaches aus seinem Trainerstab und einer beeindruckenden Bilanz prägt sein System die gesamte Liga.
Wer das Aufblühen der modernen NFL verstehen will, muss den Blick nach Los Angeles richten. Dort bereitet sich Sean McVay auf seine zehnte Spielzeit als Chef an der Seitenlinie vor. Mit mittlerweile 92 Siegen bei 57 Niederlagen, sieben Playoff-Teilnahmen, vier Titeln in der NFC West sowie zwei Super-Bowl-Einlagen und einem Meisterschaftstriumph gehört der erst 40-Jährige längst zu den prägenden Figuren des American Football.
Doch sein wohl nachhaltigster Einfluss wächst im Hintergrund. Unter McVays Ägide hat sich ein weitreichendes Netzwerk an Trainern gebildet, das die Geschicke zahlreicher anderer Franchises in der Liga lenkt. Experten und Beobachter sprechen längst von einem weitreichenden Trainerstammbaum, der seine Wurzeln tief in der Philosophie von Mike Shanahan hat und von McVay konsequent weiterentwickelt wurde.
Die fünf aktuellen Headcoaches aus dem System der Los Angeles Rams
Die Liste der ehemaligen Assistenten, die den Sprung zum Cheftrainer geschafft haben, liest sich wie das Who-is-Who der Liga. Fünf ehemalige Mitarbeiter von Sean McVay arbeiten derzeit als Headcoaches bei anderen NFL-Teams. Dazu gehören Matt LaFleur bei den Green Bay Packers, Zac Taylor bei den Cincinnati Bengals, Kevin O’Connell bei den Minnesota Vikings, Mike LaFleur bei den Arizona Cardinals sowie Liam Coen bei den Jacksonville Jaguars.
Zusätzlich prägen ehemalige Trainer wie Brandon Staley und Raheem Morris as Defensive Coordinators bei anderen Mannschaften das Geschehen. Die vier aktiven Trainer aus dem McVay-Stammland, die bereits als Cheftrainer Verantwortung trugen – mit Mike LaFleur als Neuzugang in Arizona ab diesem September –, weisen eine kombinierte Bilanz von 184 Siegen, 132 Niederlagen und zwei Unentschieden auf. Das entspricht einer beachtlichen Siegquote von 58,2 Prozent sowie elf Playoff-Teilnahmen in insgesamt 19 Spielzeiten.
Bewusste Nachwuchsförderung und prägende Lernprozesse
Dass aus diesem Trainerstab so viele Führungspersönlichkeiten hervorgehen, ist kein Zufall. Ehemalige Weggefährten betonen immer wieder, wie intensiv McVay in die Entwicklung seiner Assistenten investiert. So erklärte Kevin O’Connell, dass diese Förderung gezielt betrieben wird und dem Cheftrainer am Herzen liegt und keineswegs ein bloßer Zufall ist.
Kevin O’Connell, Cheftrainer der Minnesota Vikings, erklärte über die Los Angeles Times, dass die Entwicklung der Trainer, die für ihn gearbeitet haben, kein Zufall sei, sondern etwas, das er gezielt verfolge und das ihm wirklich am Herzen liege.
McVay selbst beschreibt seinen Ansatz als stark inklusiv. Er bindet seine Assistenten frühzeitig in komplexe Entscheidungen ein, um sie bestmöglich auf eine spätere Hauptverantwortung vorzubereiten. Kevin O’Connell betonte, er hoffe, dass das Hilfreichste für sie sei, dass sie mit allem in Berührung kommen, äußerte sich der Rams-Coach über seine Philosophie, den Trainerstab umfassend an der Entscheidungsfindung teilhaben zu lassen.
Gemeinsame Modelle und individuelle Weiterentwicklung
Der Erfolg der Absolventen dieses Trainerstabs beruht darauf, das vorgegebene System zu verinnerlichen und anschließend an die eigenen Bedürfnisse anzupassen.

Zac Taylor, Cheftrainer der Cincinnati Bengals, erklärte über die Los Angeles Times, Sean zeige einem einfach, dass dies das Modell ist, dem man folgen könne und das gut funktioniere, man nehme es an seinen eigenen Ort und passe es an, und er habe es über acht Jahre hinweg sicherlich drastisch angepasst, doch er glaube, dass einfach der Glaube da sei, wenn man dort arbeite, dass dies etwas ist, wonach man sich richten und mit dem man Meisterschaften gewinnen könne.
Auch in schwierigen Phasen reißt der Kontakt nicht ab. So berichtete Liam Coen von Gesprächen während einer wöchentlichen Auszeit, in denen er Ratschläge zum Umgang mit dem Leistungsdruck erhielt: Liam Coen erklärte über die Unterstützung seines Mentors, wie man etwas gnädiger mit sich selbst und seinen Spielern umgehen könne.
Hintergründe und das fortlaufende Netzwerk in der NFL
Die Verflechtungen reichen weit zurück. Matt LaFleur berichtete, er habe bereits während eines gemeinsamen Vorstellungsgesprächs in Washington im Jahr 2010 gewusst, dass McVay einmal ein großer Trainer werden würde. Jahre später holte McVay ihn nach Los Angeles, wo LaFleur wertvolle Einblicke in die organisatorischen Abläufe erhielt.

Matt LaFleur, Cheftrainer der Green Bay Packers, erklärte über die Los Angeles Times, dass es erst mit Sean war, als man quasi einen Platz in der ersten Reihe bekam, was eine enorme Lernerfahrung für ihn gewesen sei, einfach so nah an Sean zu sein und all die Dinge zu sehen, mit denen er fertig werden musste, und genau das habe ihn irgendwie fasziniert und sein Interesse geweckt.
Ob es um kurzfristige taktische Umstellungen unter enormem Zeitdruck geht – wie vor dem emotionalen Playoff-Duell gegen die Detroit Lions im Januar 2024, als das Trainerteam um Mike LaFleur und Sean McVay entscheidende Teile des Offensivkonzepts kurz vor dem Kickoff verwarf –, oder um die langfristige Karriereplanung von Koordinatoren wie Nate Scheelhaase und Chris Shula: Der Einfluss des Cheftrainers der Rams bleibt das Fundament, auf dem weite Teile der heutigen NFL aufgebaut sind.
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