Schülerinnen und Schüler sind am Freitag in mehreren österreichischen Städten auf die Straße gegangen, um gegen das Verbot des Kopftuchs an Schulen für unter 14-jährige Mädchen zu protestieren.
Schulstreiks gegen das Kopftuchverbot in Wien, Innsbruck und Bregenz
Der Protest sollte um 12 Uhr am Platz der Menschenrechte beginnen, wobei die Organisatoren im Vorfeld mindestens 1.000 Teilnehmende erwartet hatten. Die Stimme einer jungen Frau schrillte aus vier großen Musikboxen, die in einem weißen Kastenwagen standen, während sie vorchrie und die jungen Menschen die Parolen nachschrien. Nach dem Auftakt am Platz der Menschenrechte setzte sich der Zug gegen 13 Uhr in Bewegung; als Route waren Babenbergerstraße, Burgring, Dr.-Karl-Renner-Ring, Universitätsring und Schottengasse sowie die Währinger Straße bis zum Sigmund-Freud-Park vorgesehen. Die Wiener Polizei teilte mit, die genaue Zahl der eingesetzten Kräfte werde aus einsatztaktischen Gründen nicht bekannt gegeben, es werde jedoch ausreichend Präsenz vor Ort geben, um die öffentliche Ruhe, Ordnung und Sicherheit aufrechtzuerhalten.
Bereits im Vorfeld mobilisierten die Organisatoren vor Schulen in verschiedenen Bundesländern. In St. Pölten wurden Schüler am BORG mehrfach angesprochen, wobei betroffene Jugendliche berichteten, dass sie trotz wiederholter Ablehnung weiter zum Mitmachen aufgefordert worden seien. Für zusätzlichen Wirbel sorgte die Frage, wer hinter den Flyern steckt, da auf den vor Schulen verteilten Unterlagen kein RKP-Logo zu finden war, während ein aufgedruckter QR-Code zu einem Instagram-Konto führte, auf dem derselbe Aufruf mit dem RKP-Logo prangte. Die Partei lieferte hierzu die Erklärung, dass Schüler die Inhalte übernehmen könnten, ohne selbst RKP-Mitglieder zu sein, und wies darauf hin, dass man bei Unterlagen ohne Logo davon ausgehen könne, dass es kein Material der RKP sei. Gleichzeitig greifen Demonstrationen auf andere Bundesländer über. In Innsbruck zog ein am Freitag um 8.30 Uhr am Eduard-Wallnöfer-Platz gestarteter, stundenlanger und angemeldeter Demonstrationszug durch die Innenstadt und ging um 15.00 Uhr im Rapoldipark zu Ende, wie der ORF Tirol bestätigte. Die Polizei bestätigte, dass es sich um eine angemeldete Kundgebung handelte, für die die Organisatoren im Vorfeld rund 150 Teilnehmerinnen und Teilnehmer erwartet hatten.
Auch in Vorarlberg gab es laut dem ORF bereits am Nachmittag des 2. Oktober einen größeren Protest. Damals beteiligten sich nach Schätzung der Polizei rund 650 Personen an einem Marsch vom Festspielhaus zum Kornmarktplatz in Bregenz, der friedlich und ohne Zwischenfälle verlief. Unter den Demonstrierenden waren überwiegend Frauen und Mädchen, aber auch viele Männer. In Graz versammelten sich zudem etwas mehr als 100 junge Menschen am Lendplatz, um gegen das Verbot zu demonstrieren, wobei nach Angaben der Berichterstattung nur wenige von ihnen ein islamisches Kopftuch trugen, wie die Kleine Zeitung berichtete.
Das umstrittene Gesetz und die politischen Fronten
Auslöser der Proteste ist das neue Verbot, das am 1. September 2026 in Kraft getreten ist. Seitdem dürfen Mädchen unter 14 Jahren in österreichischen Schulen kein Kopftuch mehr tragen. Bei Verstößen drohen Eltern Strafen von bis zu 800 Euro. Die Regelung wurde im Nationalrat beschlossen, nachdem dieser am 11. Dezember 2025 mehrheitlich dafür gestimmt hatte. Die Regierung unter Führung der ÖVP rechtfertigte den Schritt offiziell mit Kinderschutz
und dem Schutz der kindergerechten Entwicklungs- und Entfaltungsfreiheit
.

Kritikerinnen und Kritiker sehen darin hingegen einen massiven Eingriff in die Religionsfreiheit und eine Ungleichbehandlung, da ausdrücklich nur das islamische Kopftuch verboten wird, während andere religiöse Kopfbedeckungen unberührt bleiben. Das Bündnis Nein zum Kopftuchverbot
— das sich aus den Gruppen Schule brennt
, Schulstreik Vorarlberg
, Selbstbestimmtes Österreich
(SebÖ) und der Revolutionären Kommunistischen Partei Vorarlberg (RKP) zusammensetzt und von der Plattform „Palästina Solidarität Österreich“ unterstützt wird — fordert deshalb die Abschaffung des Verbots, da das Kopftuch weder aufgezwungen noch verboten werden dürfe.
Während die Bundesregierung und Bildungsbehörden auf die Einhaltung des neuen Gesetzes pochen, fordern rechte Parteien wie die FPÖ noch weitergehende Maßnahmen. Laut der Berichterstattung fordert die FPÖ eine Ausweitung des Verbots auf sämtliche Schülerinnen sowie Lehrerinnen.
Disput um Schulrecht und unentschuldigtes Fernbleiben
Die Beteiligung von Schülerinnen und Schülern an den Protesten während der regulären Unterrichtszeit sorgte für heftige Auseinandersetzungen zwischen Organisatoren und Bildungsbehörden.
Ein eigenmächtiges Fernbleiben sei schulrechtlich unzulässig. Die Partei wertete diese Haltung der Bildungsdirektionen als politische Stellungnahme statt als gesetzliche Faktenlage, obwohl es auch bei früheren Fridays-for-Future-Protesten entsprechende Hinweise der Bildungsdirektion gegeben hatte und eine generelle Erlaubnis zum eigenmächtigen Fernbleiben auch damals nicht bestanden hatte.

Konkrete Zahlen zu den behördlichen Verstößen
Zahlen des Bildungsministeriums verdeutlichen, wie unterschiedlich die Durchsetzung und die Vorfälle in den Bundesländern ausfallen. Seit Schulstart gab es österreichweit bereits 252 Gespräche in den jeweiligen Bildungsdirektionen, nachdem betroffene Mädchen nach dem Verstoß an das Verbot erinnert worden waren und bei weiteren Verstößen ein Gespräch mit den Eltern in der Direktion stattfand, bevor als nächste Eskalationsstufe ein Termin in der Bildungsdirektion folgte.
| Bundesland | Gespräche in der Bildungsdirektion | Offizielle Anzeigen |
|---|---|---|
| Wien | 210 | 87 |
| Tirol | 4 | 0 |
| Burgenland | 0 | Keine Angaben |
Wie der ORF Tirol anlässlich der Demonstrationen meldete, entfällt der weitaus größte Teil der gemeldeten Fälle auf die Bundeshauptstadt Wien, wo mit Stand 8. Oktober 210 Gespräche in der Bildungsdirektion stattfanden, weil dort im vergangenen Schuljahr vier von zehn Kindern und Jugendlichen ein islamisches Glaubensbekenntnis hatten.
In einigen Schulen wurde im Vorfeld zudem betont, dass das Fernbleiben für den Streik nicht entschuldigt werde, während auch in Wien SPÖ-Jugendorganisationen protestierten.
Demonstriert wurde von den Teilnehmenden in Innsbruck und anderen Orten auch gegen „rechte Politik im Bildungssystem“, „überzogeneSparmaßnahmen, Rassismus, Sexismus und Militarisierung.
”
Von Seiten der Pressestelle der Landespolizeidirektion wurde bestätigt, dass sich die Demonstrantinnen und Demonstranten inhaltlich gegen rechte Politik und Sparmaßnahmen im Bildungssystem wandten.
Auch in anderen Bundesländern wurde zum Protest gegen Rassismus, Sexismus und Militarisierung aufgerufen.

Die verhältnismäßig vielen Anzeigen in manchen Bundesländern resultierten laut den Berichten entweder aus mehrfachen Meldungen oder daraus, dass die Eltern gar nicht erst zum festgesetzten Gespräch erschienen waren.
Die übrigen Bundesländer meldeten bisher entweder gar keine Gesprächstermine wie das Burgenland oder lediglich sehr wenige Fälle, wobei die genauen Zahlen je nach Bundesland variieren.
Die Kontroversen um die Mobilisierung und die Frage der politischen Beeinflussung von Kindern sorgten im Vorfeld der Kundgebungen österreichweit für anhaltende Diskussionen.
Die Demonstrationszüge und Schulstreiks spiegeln somit die breite politische Auseinandersetzung um das am 1. September in Kraft getretene Gesetz wider.

Weitere Details zu den genauen Rückfahrtorganisationen oder den abschließenden Bewertungen blieben in den Berichten der Initiatoren zunächst unbeantwortet.
Die Polizei begleitete die Kundgebungen in den verschiedenen Städten, wobei die Versammlungen abseits der Diskussionen überwiegend verliefen.
Die Debatte um das Kopftuchverbot und die damit verbundenen schulrechtlichen Fragen bleibt damit auch nach den Demonstrationen ein zentrales Thema im österreichischen Bildungswesen.
Die verschiedenen Gruppierungen kündigten an, ihre Aktivitäten im Rahmen des Bündnisses fortzusetzen und die politischen Forderungen weiterhin öffentlich zu vertreten.
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