Saudi-geführte Koalitionskräfte haben am Samstag eine von jemenitischen Houthi-Rebellen auf Riad abgefeuerte ballistische Rakete abgefangen und zerstört. Der Luftangriff löste in der Hauptstadt den ersten Luftalarm seit Beginn der jüngsten Eskalation im Juli aus, was zu massiven Flugstornierungen führte.
Die Sicherheitslage auf der Arabischen Halbinsel hat sich spürbar zugespitzt. Nach Angaben der von Saudi-Arabien angeführten Militärkoalition versuchten die vom Iran unterstützten Houthi-Rebellen am Samstag im Morgengrauen, die saudi-arabische Hauptstadt mit einer ballistischen Rakete anzugreifen. Die saudi-arabischen Luftverteidigungskräfte fingen das Projektil nach offiziellen Angaben ab und zerstörten es vor dem Einschlag.
Ballistische Raketen und Drohnen treffen Riad und Yanbu
Die Attacke auf Riad war Teil einer koordinierten Offensive. Neben der Hauptstadt zielten die Angreifer nach Angaben der Koalition auf Zivilisten und zivile Infrastruktur in Bisha, Taif, Farasan sowie in der Rotmeer-Hafenstadt Yanbu ab. Major-General Turki al-Maliki, Sprecher der Koalitionskräfte, erklärte auf der Plattform X, dass alle Angriffe durch die Luftverteidigung des Golfstaates abgewehrt wurden.
Die militärische Führung der Huthi-Rebellen bekannte sich zu den Angriffen. Der militärische Sprecher Yahya Saree erklärte in einer Mitteilung auf Telegram, dass die jemenitischen Streitkräfte zwei erfolgreiche Operationen unter Einsatz einer großen Anzahl ballistischer und Marschflugkörper sowie Drohnen durchgeführt hätten.
In response to the Saudi enemy’s criminal attempts to target the capital Sana’a…
Yahya Saree, Houthi military spokesman
Saree bestätigte zudem, dass the first targeted sensitive sites in the Saudi capital, Riyadh, and the second targeted Aramco facilities in Yanbu
. Vor Ort berichteten Journalisten und Anwohner von Explosionen und Rauchsäulen. In der Nähe des internationalen Flughafens von Riad kämpften Feuerwehrleute gegen ein Feuer an einem Treibstofftank, der das Logo des Ölkonzerns Aramco trug.
Flugchaos und Angst bei Anwohnern nach nächtlichen Alarmen
Die Angriffe folgten auf eine Serie von Notfallwarnungen, die das Königreich in der Nacht zum Freitag wegen drohender Luftangriffe ausgegeben hatte. Am Samstagmorgen hörten Anwohner im Norden und im Zentrum von Riad heftige Detonationen. Ein 27-jähriger Einwohner beschrieb die Situation: I heard the alarm, then my windows shook
. Ein weiterer Anwohner sprach von einer angsterfüllten Atmosphäre, da das übliche Entwarnungssignal ausgeblieben war.
Die Auswirkungen auf den zivilen Luftverkehr waren gravierend. Die Flugverfolgungswebsite FlightRadar24 verzeichnete erhebliche Störungen am King Khalid International Airport in Riad. Der Flughafen wurde mit dem höchsten Störungsindex von 5,0 gelistet, was zahlreiche Flugstreichungen und massive Verspätungen zur Folge hatte.
Militärische Eskalation im Jemen und strategische Sackgasse
Die jüngsten Luftangriffe markieren den vorläufigen Höhepunkt einer im Juli begonnenen Militäroffensive der Huthi-Rebellen. Nach Angaben von Beobachtern gelingt es der international anerkannten und von Riad unterstützten jemenitischen Regierung kaum, den Vormarsch der Rebellen zu stoppen.

You could see that the Houthis are determining the timelines and the levels of the escalation…
Yasmeen al-Eryani, executive director for knowledge production at the Sana’a Center think tank
Die Kämpfe erstrecken sich über die Provinzen Marib, Taiz, Lahj, al-Jawf und al-Bayda. Allein am Samstag meldeten die Streitkräfte der jemenitischen Regierung die Abwehr eines Angriffs im Sektor al-Fuliahan in Marib, bei dem nach offiziellen Angaben zwölf Houthi-Kämpfer getötet wurden. Gleichzeitig beklagte die Armee den Verlust von 13 Soldaten innerhalb von zwei Tagen bei schweren Gefechten in Taiz und Lahj. Laut Einschätzung von Experten gestalten sich militärische Gegenmaßnahmen aufgrund des gebirgigen Terrains im Jemen extrem schwierig.
Humanitäre Folgen und internationale Reaktionen
Die Vereinten Nationen teilten am Freitag mit, dass die wiederauflebenden Kämpfe mehr als 112.000 Menschen zur Flucht gezwungen haben. Knapp 3.000 Personen flohen demnach über das Meer nach Dschibuti. Die diplomatischen und militärischen Reaktionen fallen derweil vielschichtig aus. Erst wenige Tage vor dem Angriff auf Riad hatte Saudi-Arabien den Huthi-Rebellen vorgeworfen, die Pilgerstadt Mekka ins Visier genommen zu haben – ein Vorwurf, den die Rebellen als worn-out lie
entschieden zurückwiesen.
Unterdessen reagieren westliche Verbündete auf die wachsende Bedrohung. Während Washington laut Medienberichten eine saudi-arabische Anfrage nach direkten Luftschlägen gegen die Huthi-Rebellen ablehnte, billigte das US-Außenministerium am Donnerstag den Verkauf von 48 F-35-Kampfflugzeugen im Wert von 24,3 Milliarden Dollar an das Königreich, um Riad bei der Abwehr aktueller und künftiger Bedrohungen zu unterstützen.